vendredi 16 mai 2025

Archaïscher Torso

„Nähe des Wunsches, zu sterben, weil ich die Sehnsucht nach dem ‚göttlichen Knaben‘ nicht länger ertrage. Gottlob schlief ich etwas.“
                                                                       Thomas Mann, Tb 6.8.1950*

Der Thorax, der durch Poren sieht, wenn nicht
Gar Nippel wie Pupillen, ist ein Bild
Das den erröten lässt, der ihn erfühlt –
Den Gott, noch im Fragment, ohne Gesicht.

Was alles wäre, bleibt auf je unsagbar:
Kannst du der Sonne denn, rücklings im Gras
Ins Antlitz blicken ohne schwarzes Glas?
Wahrheit ist ungefiltert nicht ertragbar.

Ich wüsste nicht, warum wer nicht verstünde
Der nackten Brust mehr als dem Kopf zu trauen
Des andern Haut, nicht Augen, anzuschauen

Als sei die pure Lust schon Durchschnitt, Sünde
Als bräuchte es auch noch Freundschaft, wenn man liebt
Und Einverständnis, das es eh nicht gibt.

16. Mai 2025
 
* etwas nüchterner, aber auch schüchterner als Rilke der so billigen, so alltäglichen und natürlichen Schönheit eines jugendlichen Oberkörpers ansichtig geworden. Immerhin wurde Apollos Brutalität erkannt.

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