lundi 23 février 2026

Aneignung

1.

Wer von etwas ein Foto macht, gibt preis
Wo er gerade steht
Wenn ihr es auch nicht seht –
Die Aussicht selber ist genug Beweis.

Verrat ich mich alleine dadurch, dass
Ich etwas sehe? Ist mein Stand=
Punkt deshalb schon bekannt?
Blick ich aufs Meer hinaus, macht mich das nass?

Ich steh halt so herum, als wär’s im Bild
Rede daher, mir selbst im Licht
Und denke: Wurstegal, man sieht mich nicht
Nur das, was ich im Sucher habe, gilt.

Doch niemandem entgeht die Witzgestalt
Die hinter den Allgemeinplätzen Eigenes lallt.


2.

Erst hinsehen
Dann hingehen.

Erst etwas befangen
Dann aber keck hinlangen

Und schnell einstecken
Fortlaufen, rausziehen, aufreißen, dran schlecken.

Pfui Deibel! Rein chemischer Himbeerrotz –
Weg damit bevor ich kotz!

Mal wieder übers Ohr gehaut
Wie häufig, wenn man sich was klaut.

Was auch die Farbe verspricht –
Aroma siehste nicht.


3.

Das weiß jeder, der es versucht
In seinem Wahn, in seiner Not
Als bräucht’s der Kunde wie ein Brot
Und dann seinen Käufer verflucht:

Das eigene Tun kann veräußert werden
Gehört einem dann nicht mehr
Und doch erst jetzt so sehr
Wie weniges Werk auf Erden.


4.

Alles in sich selbst verwandeln – wie soll das gehn?
Nichts leichter als das: Beim suchenden Wandern
Immer nur das Eigene sehn
Im andern.

Was bleibt dann von dir übrig, Kind?
Äußerlichkeiten, die keine sind.


5.

Es webt
Sich da einer sacht
So seine ganz eigene Haut

Wie ein Haus, das er nicht gebaut
Aber bewohnbar macht
Weil er drin lebt.


6.

Zum Eignen wird, was du zuerst
Nur wolltest, kann also wieder genommen
Werden, gehört dir nur vollkommen
Solange du es begehrst.


7.

Nur was du noch nicht hast
Gehört dir.

Wenigstens fast.


21. Februar 1026

Aucun commentaire: