jeudi 15 août 2019

West-östliches

“Die sogenannte Persönlichkeit ist angeblich das höchste Gut aller Erdenkinder.”           Eine Suleika, sinngemäß, Goethe zufolge

Freund, mach die Fenster zu. Es leben hier
Laute Bevölkerungen bei uns leisen Individuen
Dabei bestehn auch die Bevölkerungen in der Theorie
Durchaus aus Individuen; allein, dem widerspricht der
_____________________________________Ohrenschein.

Ist Lautsein an sich anti-individuell?
Wer plappert, denkt nicht nach, so sieht’s der Brauch
Und bis zum Denken brauchte es Jahrhunderte.
Wer zugereist ist, tauscht bloß laut sich aus.

Ist Austausch etwa anti-individuell?
Jetzt mach nur bittschön erst einmal die Fenster zu
Danach ist es mir möglich, drüber nachzudenken
Denn dafür braucht der Abendländer halt ein bisserl Ruh.

                                     
                                          

Ach, ihr Kolonialisten, ihr denkt alles her von euch;
Wir andern sehen’s vielleicht kollektiv, doch auch in Stücken.
Was euch das Individuelle deucht
Ist leider ebenso vom Ganzen blöd vermittelt.

Lernt fremde Sprachen und hört unseren Palavern zu
Statt eure dicken Ökofenster zuzuknallen:
Ihr würdet lernen, wie die Unnatur
Einsame Grübelei beschränkt bei allen.

Ihr selbst seid jene Jugendlichkeit, die
Allzusehr mit sich selbst beschäftigt
Um Traditionen dankbar sein zu können, wie
Monaden sich umkreisend stetig selbst bekräftigt.


14. August 2019

lundi 12 août 2019

Vanessa atalanta














On ne voit bien, dit-on, qu’avec le cœur –
C’est qu’on peut être pris pour une fleur.

Voilà le comble de toute insouciance :
Confiance de se poser où l’on pense.

Papillon papillonne à chaque instant ;
Mon cœur à moi est autrement constant.

Seul, il ne ferait pas de ces rencontres
Mais l’inconstance du vulcain lui montre.

 11 Août 2019

dimanche 11 août 2019

Inverted Snob


    „Wie die einen die Unschuld verfolgt
    Hetzt den andern sein schuldloses Herz
    Und haben alle doch gewisslich
    Dasselbe nur sich vorzuwerfen.“


The Maker, slouching on his cloudy throne:
Non-being is a being of its own.
In-vi-si-bility stirs all alone;
The crowd best worship phony thunderstone.

Too far away from where they tit for tat
When He chose cloud, non-being came with that.
Man, mortal, will, uncomfortably sat
Pray to the stony stool beneath his prat.

Those boulders dropped from high up were designed
To fit the tougher asses of mankind.
Non-being is no being that would mind:
Cloud-slouching Maker pampers His behind.

August 10, 2019

mercredi 7 août 2019

Dreierlei Ungeheuer


1. Zahnlose Glocken

Sonntagmorgens erschallt Glockengeläut bis hier
Lädt das Christenvolk ein, als wär es noch die Zeit.
Neuzugänge erfreut es;
Ältre sind des Vergangnen leid:

Nun, jahrhundertelang war das Geläut Befehl
Und wem das nicht gefiel, der sah sich besser vor.
Heuchelei ward entbehrlich
Doch so leicht überhört man nicht.

Manche hören auch jetzt noch das Gejohle von
Hexenjagden hindurch, oder Pogromgeschrei;
Solchen läutet es nicht den
Sonntag still und friedlich ein.

Wenn das Raubtier nur noch aus der Erinnrung faucht
Hinter Zoogittern dann, glänzt dessen Wildsein mild
Und dich rührt’s, wie es fortan
Seine Freiheit verloren hat.


2. Acerca del sueño de la razón

Hierzulande erstehn jetzt wieder Winkel wo
Rechtes Glauben erneut zu ’ner Verpflichtung gerann.
Ob nun Pflicht oder Kür – wie
Deutlich ist doch der Augenschein.

Man erkennt äußerst leicht, wem das Gemüt erfüllt
Daran, was Mensch so trägt oder nicht abrasiert;
Keck wird Innres nach außen
Umgestülpt zu des Himmels Lob.

Aus dem Smartphone erklingt krächzend das heilige
Donnerwort, überall – und sei’s im Untergrund –
Lässt an Ketten sich legen
Gottes innerer Leinehund.

Dass die Evolution Monster gebären kann
Wissen wir, aber dass sie nun gar eine Art
Theokratischen Phäno-
Typ hervorbringt bleibt wundersam.


3. Einhandhochseesegelei

Wer nur gründlich genug sein Universum leert
Der hockt freilich am Schluss in seinem Eigenbau
Auf dem Grund einer Pfütze
Statt umtost von der hohen See.

Wer vom Sturm übermannt hektisch den Stöpsel zieht
Der gerät in den Sog, ja in den Mahlstrom, denn
Badewannen sind häufig
Was ihm dünkte ein Ozean.

Transzendenz über Bord, Skipper, ist schnell vollbracht
Ebenso ist es leicht, noch auf dem Trockendock
Ungeheuer zu planen;
Alles andre ist von Gefahr.


5. August 2019


[Cultiver l'asclépiade pour sauver le monarque.  Photo : iStock]

jeudi 1 août 2019

Apollon musagète

La capitale est vide en Août.
Moi, comme toujours, je suis là, je
Suis resté sur le carreau, carrément suspendu
Dans le vide, quoi... Pas moyen de s’envoler avec
Le monde, et c’est à cause d’Apollon, maître des Muses.

Même dans le vide, il y a des dérangements
Et peut-être spécialement dans le vide.
Des ennuis particuliers, d’artiste.
Sous prétexte de canicule
Il y traîne un subtil parfum de caca :
Les habitants se sont barrés, mais ils ont
Abandonné derrière eux toutes sortes de nourritures
En décomposition, dirait-on, et on doit même constater
Qu’ils sont partis en laissant leurs radios allumées.
Août vide, fenêtres ouvertes, s’est donc empli
Et d’odeurs et de musiques de merde
Un véritable festival pour les sens
Et tout ça, la faute à Apollon
Maître estival, des Muses.

Parfois, par chance
Il y a un pauvre qui fouille
Pour délester un peu les poubelles ;
Or, le néant garde ses bruyantes puanteurs –
C’est bien ça son véritable secret – et
Ce n’est pas tel nomade égaré
Dans l’espace interstellaire
Qui saurait vider le vide
Causé par Apollon.

Il est parfaitement inacceptable, pensé-je
Que le ballet, le cortège des Muses
Soit aussi peu conséquent, mais
Je n’ai pas perdu ma raison pour autant :
Dans le néant de ces désagréments
Il me reste un peu de religion
Quelque foi dans la réelle beauté du monde
Bien que j’en sois exclu
En ce mois d’Août, simplement
Suspendu dans le vide.

Bah, si les dieux guident nos pas
Ils ne les guident surtout pas
Pour nous amener quelque part ;
Leur truc c’est mener nulle part.


21 Juillet 2019


samedi 27 juillet 2019

Ode zur süßen Einfalt mit alkäischem Schwänzchen

    Alles, worum unsere Generation gestritten hat
    Und worüber wir einer Meinung waren
    Hat sich durchgesetzt. Alles.
    Und was haben wir erreicht? Nichts.
    Dass sich alles durchgesetzt hat und man dennoch
    Nichts erreicht hat, ja noch weniger als das
    Ist ohne Zweifel das Schlimmste
    Was einem passieren kann.


Auch meine Heimat war Griechenland, voll schöner
Jugend so groß, und mit so kleinen Göttern:
Jenem, oft unter der Sonne des Abends
Nackt zwischen Olivenhainen ein Ziel anzustreben

    Nur das, worüber wir nicht einer Meinung waren
    Hat sich also nicht durchgesetzt – und mit
    Welcher Leichtigkeit, Freunde! – rein
    Gar nichts davon, nichts vom Edelsten, nichts
    Und nur deshalb ist es um die Welt heute
    Nicht besser bestellt als gestern.


Und des Olymps unerbittlichen Wundern
Eifersuchtsvoll manchen Lorbeerbekränzten
Just in ein weiteres Bäumchen verwandelnd
Ästchen wie siegreich gereckt in die ruhige Bläue.

    Übereinstimmung ist fürchterlich. Jede.
    Nur das Feige hat die Chance zu gewinnen.


Was ist, das sei auch; logischer geht es nicht.
    Was nicht sei, sei – auch Wunder erfüllen sich:
       Es bleibt dem Himmel die Gewalt, den
          Sterblichen jeden Triumph zu trüben.

26. Juli 2019

samedi 20 juillet 2019

One Loose Lips Sink Ships Dialogue


1.

So locker deine schönen Lippen auch ein Innerstes verraten:
Den Schlachten, die es zu verlieren gilt, folgen am besten Taten.

Ich weiß erst was von dir, und du von mir, nach ganzer Niederlage;
Wer nie zu weit geht, geht nicht weit genug, nichts steht mehr
________________________________________außer Frage.

    Und wirft das auch einen Vorausschatten auf alles künftige
_______________________________________Kriegen, es ist
    Dies stolze Verplappern von lockeren Lippen des Gegners
_____________________________________verwegenste List.


2.

Lieber noch lockere Lippen als verräterisches Schweigen
    Frech behauptend, mit der Stille des Aethers eins zu sein;
       Es ist nämlich nur eins, was, beiläufig, nicht auf
          Einssein pocht, sondern zwingend auf Andres hinauswill.


18. Juli 2019



lundi 15 juillet 2019

Poesiegeschichte mit dem Ohr

Seltsamerweise schreibe ich meine eigenen Gedichte mit dem Ohr – ich sage sie mir selbst auf – doch höre die der anderen erst mit dem Auge.

Ob Copilot bei Aeroflot
Und Heldentod aus Atemnot:
Im Abendrot wie Hundekot
Die ganze Welt fällt aus dem Lot
Wenn Reimerei zu passen droht.

Fabrikschlot obgleich Rauchverbot
Despot im Sonderangebot:
Hier Butterbrot, dort Flüchtlingsboot
Schon kommt die Welt wieder ins Lot
Wenn Wahrheit ihr zum Reim verroht.

Ja, es gab einmal Zeiten
Da war nur richtig, was harmonisch klang:
Gleichklang und Richtigkeit
Richtigkeit und Nichtigkeit
Wahrheit und Klarheit;
Dann aber trat ein, was eintreten musste –
Am Ende genügten die Bilder sich selbst
Und mit ‚selbst‘ harmoniert eben nichts so recht außer
Einem weiteren ‚selbst‘, dem eigenen Echo.

Hungertuch und Trickbetruch
Warten, bis die Stunde schluch;
Bilderbuch und wilder Fluch
Kreucht so lange, bis der Kruch.

Wahr seien nur die Gedanken, so formulierte es ein ob seiner
Subtilität Gefürchteter, die sich selber nicht verstünden.
‚Selber‘, nicht ‚selbst‘, und
Darauf passt dann zum Glück wieder ein wenig.

15. Juli 2019

samedi 13 juillet 2019

Rathaus und Möwenflügel

Außer Haus zu gehen ist jetzt entmutigende Kühnheit. Die Bekannten, falls sie einem begegnen, grüßt man, und mag sogar ein Schwätzchen mit ihnen halten, doch die Unbekannten gehen nicht etwa nur grußlos vorüber, sondern sie tun – ob zu Fuß oder auf elektrifizierten Gefährten – gerade so, als gäbe es einen nicht. Sie schauen niemals bis in fremde Augen, auch dann nicht, wenn der Waghalsige sie probehalber anblinzelt, und meist ist es so, dass sie bei Engpässen keinerlei Anstalten machen auszuweichen – der andere muss den Unbekannten wie Luft sein – und dieser selbst ausweichen muss, rechnet er absurderweise mit der Möglichkeit eines Zusammenstoßes von Nichtentitäten. Die bizarren Anstrengungen, die neuerdings unternommen werden, um miteinander bekannt zu machen, verstärken das Phänomen. Es gibt nichts mehr zwischen dem Grußwürdigen – Küsschen! Küsschen! – und dem schlechterdings Nichtexistenten. Nicht regelrecht bekannt mit einem, aber dennoch im gemeinsamen Raum als lebensdichte Mitkreatur erkannt, das war einmal die Bevölkerungsmehrheit und ist im progressiven Finanzmarktkapitalismus zum schieren Nichts verkommen.

1. Rathaus

Das Rathaus scheint dafür zu sein, dass jeder Bürger sich
Auf eine Art von Einrad oder Radelrutsch begebe
Und derart ausgerüstet durch ewige Jugend schwebe
Und wisse nicht mehr, wer er sei und was Bewegung solle
Doch dafür mit Musik im Ohr dem Nichts entgegenrolle
Und es seh aus wie Daseinsglück, nicht etwa fürchterlich.

Rathaus begrüßt auch, dass die Einwohner der Weltstadt ganz
Entspannt nicht weiter als die eigne Nase vorwärts schauen
Namentlich, wenn durch Kot sie radeln rein aus Selbstvertrauen.
Ich wär noch lieber ein Stück Hundedreck auf dem Trottoir
Als einer, der nicht merken soll, was einmal besser war;
Doch von Vergänglichkeit kennt man im Rathaus nur den
___________________________________________Schwanz.


2. Möwenflügel


Dem Urschleim wuchsen Flösslein voll aus Feuchte
Und hinterher gar Flügelchen (klagt Benn)
Und als er demnach seiner selbst entfleuchte
Flog der Gedanke auf: Was wäre, wenn?

Was wäre, wenn es mich so gar nicht gäbe
Und ich Gedankenschleim noch immer wär?
Gottchen, das Fragen nützt nüscht. Schlag und lebe!
Die Antwort ist doch bloß nach unten schwer.

Sehr tief hinab zieht es den, der fein grübelt
Und wer sich solche Urschleimrätsel stellt
Der wäre wo? – es sei mir nicht verübelt:
Dem geht es meist recht gut in seiner Welt.


12. Juli 2019

mercredi 10 juillet 2019

Von Ehr und Treu


1. Pferde kotzen sehen

Der Roßtäuscher von Brassenheim täuschte einmal so dreist Roß und Reiter, dass er für ein paar Jahre nur noch durch die Gitterstäbe des Brassenheimer Zuchthauses täuschen durfte. Doch manche wollen es ja nicht besser, und so kam er reicher aus dem Turm heraus, als er in ihn hineingegangen.

Moral:

Wänn du mer ei∫<, es g e Pferd
I∫< es mer nit e Räppli wert;
Do< ∫<wör∫<, es g nummen e Kue
Krieg∫< vu mer öppes no derzue.

Die blutte Wohrhet i∫< nünt wert
No wenger wie ne lahmis Pferd.
Es Lüege het zu kurze Stoe –
So bitter i∫<, me <öt grad <oe.


2. Heldendarsteller auf sanftem Ruhekissen

Man sollte den Gnomen der Vorzeit aus Prinzip ein Maximum an Verständnis entgegenbringen, aber es gibt doch Grenzen. Zuweilen juckt es mich, besagte Grenzen auszutesten, und ich strebe nach abgelagertem Schund. So durchblättere ich seit Tagen die im Adenauerdeutschland sehr erfolgreichen und mittlerweile in den deutschen Spießerkanon aufgenommenen „Strahlungen“, worin sich drei Bände lang ein in Wehrmachtsuniform durch Paris stolzierender Gockel für einen Weltbürger hält, weil er mit den örtlichen Ekelfetzen im O-Ton plappern kann. Gleichzeitig wundert er sich, dass die unverdorbenen Kinder auf der Straße die Träublein, die der Herr mit dem Hakenkreuzadler ihnen anbietet, fast allesamt ablehnen, und schwafelt deshalb vom angeborenen Misstrauen zwischen den Menschen. Gestohlene Trauben wohlgemerkt, denn wo seine Devisen herkommen, fragt er sich nicht; feine Leute ernähren sich immer aus dem Lande, während die Eingeborenen gefälligst die Hände auszustrecken haben. Aus jeder einzelnen Zeile stinkt einem der Boche entgegen, und zwar der der allerprovinziellsten Sorte – derjenige, der meint, Opportunismus und das Benutzen von Toilettenwasser seien Zeichen von Urbanität und Klasse. Das hochtrabende Ganze dargereicht mit vielen fremden Federn und einigen eigenen Albernheiten – es gäbe mehr Proletarier als bessere Herrschaften, beispielsweise, weil man schließlich auch mehr graue als bunte Muscheln am Strand fände; mit solch spiritueller Naturkunde glänzte man zweifelsohne beim Entchendiner in der Tour d’Argent – und zum Nachtisch die schweinische Bemerkung, insofern sich das Schicksalsrad halt mal wieder gedreht habe, erwarte jetzt die Deutschen die Erfahrung der Juden: die eines „Skandalons“. Verächtlich zu sein oder verachtet zu werden kommt dem Stenz auf dasselbe hinaus. Nun, dass Talmi zum Innerlich-dagegen gehört wie Pommade zum Eintänzer, ist auch mir bekannt, doch dass man darüber geteilter Meinung sein kann, muss mit Kollektivschuld und -schande zu tun haben; und dass der alte Scholem aus privaten Gründen gewillt war, mit dieser Nummer ein paar Informationen auszutauschen, wird dann logischerweise aufgebauscht.
Gerade auch hierzulande lesen manche das Zeug mit Begeisterung, das ist wahr. Was mögen die Gründe sein? Sicherlich Lust am Tratsch und weil die finstere Zeit schnell ein Ende hatte; vor allem aber, man darf sich darüber nicht täuschen, weil man sein Bild vom deutschen Tölpel bestätigt findet. Wenn schon der stilistisch gepflegtere Teutone so stockblind und unerbittlich reinen Gewissens durch die Welt vandaliert, wie tumb muss dann erst der Rest sein... Die Lektüre des deutschen Salonlöwen befriedigt Germanophile
und Germanophobe.

Es findet der auch schofel seitens der Natur
Dass die für zwei Funktionen – die eine sublim
Die andere gemein – dasselbe Körperteil
    Bereitstellt. Gott, was stellt er sich denn vor?

Dass Sex und Exkretion sich mit demselben Winkel
Begnügen müssen, ist dem Saubermann ein Witz
Und eine Zumutung; allein, wo man mit allen
    Fünf Sinnen lebt, erkennt man gleich den Segen.

Ei, soll er sich das sentenziöse Maul, wodurch
Er freilich auch die Gänseleber in sich stopft
Dann noch bei seiner Art von Beischlaf stöpseln lassen
    Und reservier das andre Loch der Scheiße.


9. Juli 2019

lundi 17 juin 2019

Charade


Mon premier c’est Ἔρως, ou l’amour
Mon second c’est Θάνατος, ou la mort
Mon troisième c’est Ὕπνος, ou le sommeil
Mon tout ressemble au Ἑλϐετικὸς Τυρός, ou gruyère.

Quand tu t’endors
Le plus beau c’est toujours de disparaître.
Tu comprends de moins en moins
De tout ce qu’il y aurait à comprendre
Et puis rien.
Mais il y a encore un après.
Lorsqu’il n’y a plus d’après
C’est peut-être le plus beau des endormissements
Mais tu ne le sais pas encore
Tu le suspectes seulement.

Tous les trous sont pareils
Ce qui change c’est ce qu’il y a alentour.
Le monde est l’alentour changeant
Qui te force de péniblement choisir entre des trous
Car c’est le trou qui est le plus important – et
C’est le plus beau – le but toujours pareil.
Dedans, dedans.
Le plus beau c’est d’y disparaître.


Scharade

Mein erster heißt Ἔρως, oder Liebe
Mein zweiter nennt sich Θάνατος, oder Tod
Mein dritter wird Ὕπνος, oder Schlaf, gerufen
Mein alles ähnelt dem Ἑλβετικς Τυρός, oder Schwyzerkas.

Am Einschlafen ist immer das Schönste
Das Verschwinden.
Du verstehst immer weniger
Von alledem, was man verstehen sollte
Und dann nichts mehr.
Es kommt aber noch etwas hinterher.
Kommt nichts mehr hinterher
Ist das vielleicht das schönste Einschlafen
Das weißt du aber noch nicht, das
Ahnst du erst.

Alle Löcher gleichen sich
Nur das Drumherum ist verschieden.
Die Welt ist das verschiedene Drumherum
Das dich qualvoll zwingt, zwischen Löchern zu wählen
Denn das Loch ist das eigentliche – und das
Ist das Schönste daran – das stets gleiche Ziel.
Hinein, hinein.
Das Schönste ist das darin Verschwinden.


14. Juni 2019

samedi 1 juin 2019

Dirges


i.

Au marché d’Iéna
Il y a les plus beaux poissons de Paris
Étalés avec goût sur leur lit de glace.
Ceci dit, ils sont bel et bien morts.
Dans la mer, leur beauté était celle, fuyante, du vivant ;
Ici, ils chatoient dans le temps, au gré de l’œil qui musarde.
Dans la mer, ils passaient ;
Ici, tu y passes.
Dans la mer, tout était fait pour qu’ils ne s’attardent pas ;
Ici, tout est fait pour que tu t’arrêtes :
Approchez-vous, voyez de près comme ils sont frais !
C’est qu’ils se sont laissé prendre, les imbéciles.

Et dire que la vie qui reste
Au mieux, ne peut être que rappel de la mer
Sur un lit de glace.


ii.

Oh nimble mother of despair
Firm father of poor hope:
How bitter smells the open air
When through dark night I grope.

This blindness is my last asset
A dizzy dance I dare.
Oh staunchness, make me not regret
You, mother of despair.

The spin of death in mouth and nose
Makes up for life and lust
Oh mother, don’t cavort round those
Who soothe by breaching trust.


iii.

Wenn ich nicht wüsste, wo sie liegt
Würd ich die liebe Heimat nicht mehr finden
Sie hält sich allzu gut versteckt
In dunklen Wald- und feuchten Wiesengründen;

Doch weil ichs aufzustöbern weiß
Mach ich zuweilen eine Stippvisite
Im Reiche der Gemütlichkeit
Nach altbewährter Emigrantensitte.

Ich bin ein fremder Gast im Reich
Und muss nun zahlen für das Übernachten
Und deshalb weiß ich auch, ich bleib
Nur immer kurze Zeit im Angedachten.


26. Mai 2019

mardi 7 mai 2019

Ratschlag

Wer da, wo er geboren ward
Geduldig großer Dinge harrt
Und wird deswegen ortsbekannt
Der hat sein Leben in der Hand.

Wer in die fremden Städte zieht
Und jede Nacht im Dunkeln glüht
Ist auch ein Held des Lebens
Doch ist er es vergebens.

Was kann ich raten, Musenkind?
Geh dahin, wo die andern sind
Und tu in deiner Lebensgier
Als gäb es keinen neben dir.

6. Mai 2019

jeudi 25 avril 2019

Brevius tempus aetatis


i.

Auch vor dem Menschen gab es schon eine Geschichte
Doch als der Mensch erschien, wurde sie kürzer.
Wenn ein Saurier einen anderen auffraß
Geschah das über ganze Kreidezeiten hindurch
Immer nach dem gleichen Modell, aber sobald die Menschen
Begannen, sich einander an den Kragen zu gehen
Änderten sich in kürzester Zeit die Methoden
Sowie die Gründe. Ein Mensch braucht ganz offenbar
Andauernd neue Gründe, um einen anderen zu beseitigen –
Neue Gründe sowie neue Tatwerkzeuge
Und diese Notwendigkeit schärfte
Den menschlichen Verstand ungemein.
Saurier fraßen sich gedankenlos auf, allein
So etwas erscheint dem barbarischen Menschen als Barbarei
Weil es ihm einfach an der Geduld fehlt
Ganze Kreidezeiten hindurch
Der alte Adam zu bleiben.
Es ist der Preis für die menschliche Moral
Und, so scheint es, deshalb werden wir wohl auch
Nicht so lange die Welt beherrschen wie damals die Saurier.


ii.

C’est comme un givre qui s’était posé partout
Mais qui n’engourdit pas, qui éveille et rappelle
Le passé long au bref présent et les emmêle
Frimas qui n’endort pas, mais brûle, avive, bout.

Le temps s’est rétréci de façon violente
Nous ne comptons plus en années, mais rien qu’en mois :
Bouffer ou se faire bouffer – voici la loi
Qui nous protège désormais, foi consolante.

Une fois qu’on est grand, on peut s’épanouir
Au jour le jour, qui donc aurait besoin d’années ?
Tout ce qu’on chérit, à la longue est condamné
Quoi qu’il en soit, il n’y a que l’instant pour jouir.

Temps court, rendu sursis, l’heure, douceur amère
S’est faite en même temps et plus sombre et plus claire.


24 Avril 2019

mercredi 17 avril 2019

Von Desaster und Wiederaufbau

„Ich frage mich
Wie man noch genießen soll
Ohne sich schuldig zu machen.“
Das ist eine sehr moderne Frage, so modern wie
Die Angst des Versündigens an der Natur.
Früher ging es darum, das Sündigen
Möglichst zu genießen, und man fragte sich höchstens
Ob auch sündloses Genießen noch Genießen war.

Als Notre-Dame in dieser Nacht lichterloh brannte
War das ein schauerlich schöner Anblick
Der für Augenblicke vergessen ließ
Dass es die Schönheit der Zerstörung war.
Man verstand plötzlich Nero
Denn es ist einfacher, Nero zu verstehen
Als jeden Baumeister der Welt, wie
Die Natur selbst ja auch viel lieber zerstört als aufbaut.

Ich sehe dem Neuaufbau und seiner Lust
Eher gelassen ins Auge.
Man kann alles neu aufbauen – das
Was es war, ist es dann nicht mehr, aber
Es ist wenigstens der Beweis dafür
Dass es auch so etwas wie ein sündloses Genießen gibt.
In diesem Fall war die Sünde vorher.


Du désastre et de la reconstruction

« Je me demande
Comment on peut encore avoir du plaisir
Sans se rendre coupable. »
Voilà une question très moderne, aussi moderne que
La peur du péché envers la nature.
Dans le temps, il s’agissait plutôt de tirer un maximum de
Plaisir du fait de pécher, se demandant tout au plus
Si, sans pécher, on pouvait réellement jouir.

Cette nuit, quand Notre-Dame était en flammes
Ce spectacle, aussi épouvantable que beau
Faisait oublier pendant un instant
Que sa beauté était celle de la destruction.
Tout à coup, on comprenait Néron
Car il est plus facile de comprendre Néron
Que tous les bâtisseurs du monde, étant donné que
La nature elle-même détruit bien plus volontiers qu’elle ne construit.

J’envisage la joie de la reconstruction
D’un œil plutôt serein.
Si tout se reconstruit, rien ne sera plus jamais
Le même, mais
Cela offre au moins la preuve
Qu’il est possible de se faire plaisir sans pécher.
Dans ce cas, le péché, c’était avant.


16 Avril 2019

lundi 15 avril 2019

Ordveksel


1. Schwarzes Loch, Meise

Wer sollte hinter deinen Gemeinplätzen
Denn den Himmel vermuten?
Sollen sein wie eine Tür
Die in ein Unendliches aufgeht
Aber das liegt im Dunkel;
Die Tür geht dem Auge ins Nichts auf.

– Ihr sollt ja auch nicht mit dem Auge hören.
Das Pathetische, das du mir abverlangst
Doch nur deshalb, weil blind und taub.
Den Nachtwind kannst du ja noch spüren, oder?
Sollen wir alle eine Meise haben, damit ihr es versteht?


2. Façon pauvre

Fais toujours jouer la mémoire de ton enfance.
Il faut les imaginer
La tête emmaillotée façon Touareg
Ou sous un grand turban bordé d’or, façon vizir
Mais surtout pas comme ça, comme à première vue.

– Qu’est-ce que tu appelles à première vue ?
La mode change et
C’est le bond d’un tigre, selon Benjamin.
Y aurait-il des tigres en Arabie ?
Eh bien, parlons d’un envol de faucon.


3. Tendencies of Optimism

The times are bleak, but
When it comes to the future
Truth will win out, as many say.
Or more precisely: Truth will out – without
The win.
Which version do you prefer?

– The literal-minded opt for the latter.
The final outing of truth
Is seldom a win for mankind.
It is rather self-deceptive and of as risible
A kind as any youthful indiscretion later regretted.


4. Samenfatning og resumé

Findes der tigre i Arabien?
Den patos, som du kræver af mig
Skal være som en dør.
Moden ændres og
Hovedet dækket som en Touareg
Sandheden vil sejre, som mange siger.

– Bring altid dine barndomserindringer i spil
Når det kommer til fremtiden.
Man må forestille sig dem.
Tiderne er dystre, men
Skal vi alle være skrupskøre, så I forstår det?


14. april 2019

dimanche 14 avril 2019

On a Dream as Lively as They Come

C’est devenu assez rare, mais la nuit dernière j’ai quand même encore rêvé érotique. Depuis toujours, le propre de mes promenades nocturnes est l’incroyable fluidité des gens rencontrés. Les personnes avec qui je m’engage ne restent jamais elles-mêmes. Je commence un rapport avec X qui, fatalement, finit par être Y, comme si chaque grenouille devait se transformer dans le feu de l’action en prince charmant et vice versa. Ça a l’avantage que je peux me commettre avec n’importe qui, toute erreur de casting se répare. Dans la vraie vie, il faut sélectionner avant de s’enflammer. Quoi que. Pas plus tard quhier j’ai appris dans la presse l’horrible mésaventure d’une vedette du petit écran qui crut faire, en pleine nuit, la connaissance de quelqu’un de très frais, bon et confiant ; or, celui-ci, au sortir du rêve, se révéla n’être qu’une vulgaire racaille lui cassant la figure et vandalisant son joli appartement de parvenu.
Si le personnel de mes rêves à moi est beaucoup plus correct, troquant juste de visage, d’âge, de coiffure et parfois ce petit point de détail qu’est le sexe biologique, et tout cela avant même le lever du soleil, mon existence réelle, elle, se caractérise d’emblée par l’extraordinaire stabilité de l’entourage. Hors sommeil, nul ne se métamorphose radicalement au cours d’une embrassade, on ne fait que vieillir en silence, sans que l’œil puisse s’en rendre compte. En ce sens, le rêve est mon seul terrain d’exploration quant au mystère de la nature humaine. Il me procure l’insécurité tonifiante qui le plus clair de mon temps me fait défaut et me manque peut-être. Pourtant, cette vedette du fait divers mentionné, je ne l’envie aucunement. Je crains juste qu’elle ne les rêve pas assez, ses rendez-vous.

J’ai pénétré la forêt dense et une fois perdu
En elle, j’ai nagé dans un océan vaste et mou.
On a beau s’exciter, on ne sait jamais vraiment où
On est en train de s’enfoncer, car tout s’est confondu.

Le ventre vaste et mou du rêve admet la densité
De qui commence et qui s’achève par l’immensité.
C’est qu’il te faut bien l’étroitesse de la jungle intacte
Autant que l’ampleur vague de la houle pour tout acte.

13 Avril 2019

samedi 13 avril 2019

Appartenance intégration


i.

Es gibt in dieser Welt des gottgewollten freien Willens sowohl ein Innen als auch Außen, ein Dazu und Nicht-Dazu, aber manchmal will (freier Wille) das Außen nach innen, Nicht-Dazu zum Dazu, und die Probleme (gottgewollt) fangen an. Eine mögliche Lösung bietet die Nachtischbehandlung bei einer bestimmten, sehr geordneten, Form des Gastmahls.

Encore la question si
Invité, tu en auras droit, toi.
Serait-ce une question d’intelligence
Ou d’élégance – face à la loi, norme et coutume ?

N’es-tu pas déjà là, pour t’incliner avec nous, à notre table ?
Devrais-tu le chiper, tel un enfant, l’afikoman ?
C’est à coup sûr la proposition
Qui convient le plus.

Bon, à part ça, perdu pour perdu :
Grignoter des hosties n’a jamais été ton truc, semblerait-il
Pas plus que siffler leur piquette de messe ;
Quand à l’agneau pascal
– À simplement te regarder –
Sous quelque forme que ce soit... 

Elle est facile, l’appartenance ;
Aussi facile, l’intégration
Si la volonté y est.














ii.

Ging wüsten Wetters meines Weges
Und ging gemütlich, kappenbeschützt
Darunter das Wissen, wo zuzugehören.

Du bist ein Fremder auf den Straßen
Wie auch Gewitter kommt und geht
Und ob du hastest oder schreitest.

Des Nisan Sonne kam hervor.
Ich war noch lang nicht angekommen
Die kahlen Felder dampften

Nur Felder, ferne noch der Stadt
Unter der Kappe den fröstelnden Kopf
Voll Freude, nichts anzugehören.














iii.

Régulièrement, je suis invité à dîner chez ma tante qui habite un HLM. La semaine dernière, elle était dans tous ses états : « Est-ce que tu as vu ce qu’ils font dans la cour ? » Oui, je l’avais vu. Il y avait un jeune homme encagoulé en train de bomber un début d’arc-en-ciel sur un mur. « Mais, bon Dieu, qui a besoin de ça ? fit ma chère tante en haussant les bras. Et le comble : il paraît que c’est l’Office qui l’a invité, et ça va prendre tout le mur. » J’ai tenté de la calmer : « Ça peut être joli, à la fin. Ça te plaira peut-être. » – « Tu rigoles ? Faut avoir le mauvais goût des... oh, tu sais bien de qui je parle. »

Quand je suis revenu hier, on voyait l’œuvre, achevée, déjà de très loin. Effectivement, un arc-en-ciel au-dessus d’un dromadaire à la tête exagérément grosse, l’idée n’était pas des plus originales, mais quelle surprise : en me rapprochant un peu, je distinguai tout en bas la silhouette de ma tante levant la tête pour regarder, on aurait presque dit en vénération. Pour ne pas l’interrompre, je fis encore un tour, mais quand je revins un petit quart d’heure plus tard, elle était toujours là, et exactement dans la même posture. Soit elle adorait, soit elle voulait vraiment se faire une opinion. J’étais sur le point de repartir pour un tour supplémentaire lorsque mon téléphone sonna. C’était elle : « Mais où es-tu donc ? Je t’attends depuis un bon moment, et normalement tu es si ponctuel. » – « Je ne voulais pas te déranger devant le dromadaire. » – « Toi aussi, tu te fous de moi maintenant ? me répondit-elle, très énervée. Imagine-toi, quand il a eu fini sa saleté, tout le quartier était rassemblé mais personne n’a moufté. Alors, bien que j’aie été la seule à oser l’ouvrir, je lui ai dit mes quatre vérités. Et qu’est-ce qu’il a fait après, ce barbouilleur ? Il a eu le culot de me peindre devant, et, une fois n’est pas coutume, de façon si réaliste que tout le monde me reconnaît. »














12 Avril 2019


lundi 8 avril 2019

Kassandra und nahrhafte Gedanken


1.

Ey, grelle Fantenkuh im Porzellan:
Trompete hier doch nicht so rum.
Was geht uns denn die Zukunft an?
Der Weise stellt sich dumm.

Niemanden schert, was du zu zetern hast:
Scherbenzertrampeln schafft auch Raum.
Des Lebens finstre Zentnerlast –
Nur Worte, Worteschaum.

Und wären schwer und finster Schaum und Wort
Statt leicht und hell und grell und so:
Wundre dich nicht, dass hier wie dort
Nur blind und taub macht froh.


2.

Es ist schon so, dass nahrhafte Gedanken
Nicht nähren wie ein dickes Kotelett
Doch sind oft auch die Denker Raubgesellen
Die Beutewild das Fleisch von Leibe reißen

Mit ihren scharfen Fängen oder Pranken.
Allein, was wenig nährt, macht nicht recht fett
Obwohl wir uns ungern der Wahrheit stellen:
An Geistesknochen kann man länger beißen.

Du, was den Reichen nährt, nährt auch den Armen
Falls er sichs leisten kann, vom Fleische fällt
Kein Schwein spontan aus Logik und Vernunft.

So sehr gerecht gehts zu in einer Welt
Wo Folgerichtigkeit hat Unterkunft:
Ist da der Reiche arm, muss auch er darben.


7. April 2019

dimanche 7 avril 2019

Von schutzloser Schönheit

Dem schönsten Kinde fehlen beide Eltern –
Es wirft sich fremden Menschen an den Hals.
Wem fiel es ein, das Kind dafür zu schelten?
Die Grazie selbst ersetzt ihm seinen Stolz.

Ich wär so Schönem gar zu gerne hold:
Sein Pech, dass ihm der Mund geschwungen ist
Und lichtumrissen, weich der Wangen Gold –
Oh, Unhold, der ein solch Gesicht vermisst.

Das Kind vermisst den Schutzwall seiner Anmut
Einschmeichelnd wasserblauer Augen, sein
Gezwungnes Lachen leiht der Oberfläche

Die Tiefe, die es sich denn auch noch antut –
Doch mir die Kraft gibt, abweisend zu scheinen
Dem Ungeschützten, trotzend eigner Schwäche.

6. April 2019

jeudi 28 mars 2019

Urzeit, Uhr


1. Bloßgestellt

Was wir auch tun, meine ich
Wir tun es an der Oberfläche und in die Tiefe
Wir pflügen quasi.

Manche lieben das Pflügen, antwortest du
Tief pflügen, so richtig umpflügen
Den anderen Menschen, dem
An seine Braunkohle gehn
Mit dem Riesengerät, schrecklich
Im Tage- und Nächtebau, nachts unter Flutlicht
Und bei jedem Wetter
Man hält es auf die Dauer nicht aus.

Ich dachte es gedanklich, erwidere ich
Obwohl ich zugeben muss
Dass mich dein Missverständnis einigermaßen erregt
Ungeachtet des doch sehr rüden Hinweises
Auf die Braunkohle
Falls nicht gerade deshalb
Bei Gedanken weiß man eben nie.
Wenn uns jedenfalls etwas einfällt, dann
Fällt es uns auch an der Oberfläche und in der Tiefe ein.
Den Beweis dafür hast du soeben ja erbracht.

Was für eine Albernheit, entgegnest du
Glaubst du vielleicht, ich hätte nicht gewusst
Worauf du hinauswolltest?
Du bist aber nicht der einzige hier
Mit ganz oberflächlicher Tiefschürfigkeit
Oder tiefschürfiger Oberflächlichkeit meinetwegen.
Auch der Schwächsten Gedanken sind stärker als noch
Der gigantischste Schaufelradbagger
Und empfindsamer sowieso.
Nenne das Idealismus, wenn du willst.




2. Kurz bevor die alte Wanduhr den Geist aufgab

Ich zieh die Uhr auf. Weiß ich denn, wie oft
Noch? Tickt dann jeweils eine knappe Woche;
Frag bloß nicht, was sie sich davon erhofft
Und frag vor allem nicht, worauf ich hoffe.

Ein Klump, das man nicht aufzieht, öde Welt
Bleibt stehn, es ist sein Recht, doch wer nicht stehend
Aufhört, sondern in sich zusammenfällt
Der tut dies wenigstens – zum Ausgleich – sehend.

Wenn du mich ansiehst, lebhaftigsten Blicks
Und drüben in der Küche tickt die Uhr
Weil aufgezogen, tickend ihres Ticks
Und ihre Zeiger drehen sich immer nur

Dann dass ich, Aug in Aug, erschüttert, weiß:
Wir müssen weiter, dürfen nicht im Kreis.


28. März 2019

lundi 25 mars 2019

Wiederholungstäter


1. On Downy Flakes

Downy flakes – ein ganz normales Englisch, in ganz normalem Deutsch flaumige Flocken oder etwas in dieser Richtung – downy flakes also werden, von einem Eigendichter bombastisch übersetzt – oder vielmehr „übertragen“ – zu Flocken, erdwärts, was nahelegt, dass downy als downward verstanden wurde, obschon dieses Adjektiv zwar ohne Zweifel auf ein sanftes Fallen hindeutet, nicht aber auf Fallen schlechthin. Es gibt hier kein Wortspiel zu erfinden, und wer es tut, hört zu sehr in sich hinein, und vielleicht nichts als das, ob nun ein Notfall vorliegt oder nicht. Wenn man als Eigendichter  so in sich hineinhören muss, übersetzt – oder vielmehr „überträgt“ – man auch besser sich selbst, aber nicht diejenigen, die schon von sich aus genug zu sagen haben. Beim Verhältnis zu denjenigen, die schon von sich aus genug zu sagen haben, ist nur der kleinste gemeinsame Nenner möglich.

Als ich mich, viel zu früh, niedergelassen
Im Lebensraum der dunklern Unterklassen
Weil, Flaumbart, ich es selbst so wollte
Von allen guten Geistern stolz verlassen

Tat ich, was denn getan sein sollte.
Das Leben rollte weiter und es rollte
Mir aus den Augen, aus dem Sinn;
Es half indes der Zug zum Trunkenbolte.

Wurde ich glücklich, wo ich bin?
Die Tage fließen wie zum Glück dahin
Und eingelebt hab ich mich schon
In meinem Orplid nimmergrün.

Oh, holde Gabe Migration:
Gelübde sind ihr eigner Lohn
Bin ich dem Schlimmsten doch entflohn
Bin ich dem Schlimmsten doch entflohn.


2. Vom Zeitpunkt

Das Tier hat seinen Zeitpunkt, dann erscheint
Ein andres, gleiches, das am selben Ort
Das Gleiche tut. Der Mensch wechselt hingegen
Über die Zeiten Ansichten und Kleidung.

Es scheint, als wäre dies nur zur Vermeidung
Ewiger Wiederkehr, ihm ist daran gelegen
Speziell zu sein, quasi ein Ehrenwort
Das mit ihm steht und fällt. Nun, wenn er meint.

Dazu versaut im Gegensatz zum Tier
Er auch die Landschaft, so wie vorher sieht
Sie nicht mehr aus, hat er darin gewütet.
Ja, deshalb glaubt er, einmalig zu sein.

Mich stört es nicht, wenn auf dem kahlen Stein
Die Eidechse, die in der Sonne brütet
Nicht weiß, ob sie ihr eigner Ahn – sie flieht
Vor jedem Schatten doch genau wie wir.


24. März 2019

samedi 23 mars 2019

Lendemains de fête

Désormais, on trouve l’expression « qualité de vie » dans leur vocabulaire. Non plus la vie, la qualité de vie, ma belle, ce qui laisse supposer qu’une vie sans qualité, inqualifiable, serait envisageable, c’est-à-dire une vie telle que la non-vie lui serait encore préférable. C’est nouveau, ça. 
Avant, la qualité de vie, mais sans blague : elle était pour des gens de qualité, des imbéciles autrement dit, de pauvres cons de hauts fonctionnaires, par exemple, poètes à leurs heures, roulant en décapotable. Et maintenant, ce serait peut-être nous, sans grande poésie ni belle caisse, aux anges tant qu’il n’y a pas encore le déambulateur du peuple à nous attendre devant la porte ? On est tombé plus bas que bas. Ils disent vouloir aider, ces généreux, et nous, on n’a qu’une envie : qu’ils se cassent la gueule sur leur Corniche, dans leurs rutilants symboles d’intelligence, de souci pour les autres et de qualité de vie.

1.

Que je rêve d’insectes ou de biches –
Dorénavant, l’effet est identique :
Tiré de ma forêt de rais et d’ombres
Au revoir, gentils réveils à la trique ;
L’heure est à la raison, et je m’en fiche.

Belle aux grands yeux, s’attardant sous les hêtres
Ou prurit dans le tronc, grouillant, noirâtre :
Tout vit dans un domaine de décombres.
L’ère du bien, raisonnante marâtre
M’a bien dressé, il faut le reconnaître.

Onglon discret, mâchoire xylophage –
Plus rien que susurrement de bestiole :
Nuits aux bruits noirs, suivies de journées sombres.
Rêver est un royaume qui s’étiole
Et l’aube le début du recentrage.


2.

Ça gratte encore, deux-trois fois par an
Puis gratte, bougre, là où vous pensez
M’embête en devenant rouge foncé
Et une fois que ça a commencé
Finit par suinter, mais plus comme avant.
C’est bien là où j’en suis, quoi. C’est marrant.

Imaginons un homme plein d’envies
Et tout ce qui, cet être en sève, en somme
Lui fait rappeler sa condition d’homme
C’est que ça gratte et qu’il lui faut un baume.
Que ferait-il, cet homme plein de vie ?
Heureusement que moi, je ne le suis.


20 Mars 2017

dimanche 17 mars 2019

One Global Honey Bee Disaster

The worst-laid schemes work out and yet
There is some reason to regret
More canny stratagems might fail.

You ought to fly as bee swarm flies
Touch down and rub your hairy thighs
Where love is never done

But don’t forget: it burns with lust.
Those knees bestrewn with yellow dust
Flit over to another one.

The world has always been too smart
To not make choices by the heart
And pillage flowers in detail.

March 16, 2019

vendredi 15 mars 2019

Die Glaubensschlacht bei Jerusalem


Ich kannte einen frommen König, Waldemar
Der zog ins Heilge Land mit seinem Tross
Und weil dort unten gar so vieles anders war
Fiel er kurz vor Jerusalem vom Ross

Vom hohen Ross in Wüstendreck, Waldemar mein
Als wär er so weit weg kein König mehr.
Er lästerte: Und dieses Land soll heilig sein?
Dann half aufs Ross zurück ihm irgendwer.

Hoch oben auf der Burgterrasse Saladin
Dem nichts entging – gab es im Morgenland
Denn schon das Fernglas? – sprach zu seinem Paladin:
Schau da mal durch. Ist dir der Herr bekannt?

Des edlen Mohren Antwort ging, oh Waldemar:
Noch nie gesehn, die Rüstung funkelt schön.
Man kann dem ja vielleicht mit einer Reiterschar
Einen Schritt oder zwei entgegen gehn.

Entgegengehn ist klug, sinnierte Saladin;
Allein, ist es bei Gott der Mühe wert?
So wandte er sich erneut zu seinem Paladin:
Indes gemach, der fällt ja sonst vom Pferd!

Und fällt er uns vom Pferd und in den Wüstendreck
Dann ist – ei, wer wohl wieder mal dran schuld?
Wir aber wünschen Ruhe in unserm Teufelseck
Denn mehr zu wollen ist schiere Ungeduld.

Ein Kreuzzug ist und bleibt per se unangenehm:
Es traf zwar Orient auf Okzident
Kurz vor (oder vielmehr nah bei) Jerusalem
Doch jeder ruhend in seinem Element.

Glücklich kam er zurück, der König, von Gefahr
Und Kreuzfahrt – unbesiegt, in sich verwurzelt.
Gut, falls man, wenn es nottut, Bruder Waldemar
Vom hohen Rosse in die Gosse purzelt.

14. März 2019

lundi 11 mars 2019

Après lecture d’Avicenne

On s’est dit : Tiens, on va descendre dans la rue
Manifester pour le bien de la vérité
Car elle n’est pas suffisamment défendue
Si l’on reste en chaussons chez soi, voire alité
    Avec, dans les mains, le vilain canard du cru
    Ou devant sa télé, se tapant le Jité.

On est donc descendus dans la rue pour défendre
La simple vérité, qu’on connaissait de nom.
On l’a crié, son nom, scandé jusqu’à l’esclandre
Et puis après, on est remonté, c’était bon.
    C’était parfait puisqu’on a bien dû nous entendre
    Et qu’on était même dans le Jité, dis donc.

Matière et mouvement font un, disent certains ;
Mais aussi qu’il nous faut toujours une raison
Pour se bouger le cul, tel impetus divin
Qui nous fait faire pile ce que nous faisons.
    Normal alors qu’en vrais faux maîtres du destin
    On tape un peu du pied, puis rentre à la maison.

10 Mars 2019

mercredi 6 mars 2019

On an Early Oath

            [/v/vv/    /vv/v/    &    /v/vv/v    /v/vv/v/]

Through the last 40 years my solace has become
That I haven’t found home just anyplace I’ve lived;
Curing harms reasonless, wounds that refused to bleed
All have grown flowers since, roses of memory.
    Was I unsatisfied once? Could not blame anyone but me.

Forward, sociable youth: I was no different then.
We would take to the streets, letting as banners float
Greasy strand, smoky wisp, comrade Asclepiad
Handing out bantam tracts glowing with no demand –
    Life was not much and still was more than we had the right to
___________________________________________expect.

Come hermitical age: Who should be different, then?
Licking wounds seasonless, harms that ungainly scarred
Cig reek and hoary filth, comrade Asclepiad
Having lost umpteen teeth, mumbling with no command:
    Are we unsatisfied now? Less than life had the time to enact.
 
March 4, 2019

mardi 5 mars 2019

Schulstunde

[Was ich behalten habe, ist: Nacktsamer sind unter den Pflanzen eher besondere und unter den Tieren eher gewöhnliche. Das bedeckte Besamen ist, was uns Menschen angeht, der Sonderfall, zuweilen sogar strafbewehrt, meistens aber bloß ein Unfall. Die bunten Blumen hingegen, die – blütenreich – bedeckt besamen, haben es einfach weiter gebracht. Bedarf es noch einer Erklärung, warum die Menschenmännchen leider keine sind, und auch die Menschenweibchen nur so tun als ob?]

i.

Zwei junge Herzchen, die sich ungestüm belecken
Sind hübscher anzuschaun als geile Sabbergreise
Wo Schwung und Speichelfluss die Nachwelt nur erschrecken.

Was anfangs wahr war, muss nicht bis zum Sterben gelten;
Zwischen Weit weg und Nah dran liegen ganze Welten
Und es braucht wirklich keine weiteren Beweise
Warum sich bei der Liebe Schicksale verstecken.


ii.

Ich kalkuliere in der Kammer Sein und Sollen
Und schiebe lange Zahlenreihen hin und her
Doch plötzlich steigt aus jenem stillen Ziffernmeer
Eine Gestalt und macht das Rechnen mir zuschanden.

Der Schönheit Rohheit reicht, um heftig anzubranden:
Als wär der Hochsee Gleichmut eine Lügenmär
Wenn Wellen nicht mehr rhythmisch sanft im Sand verrollen.


iii.

Es hat der Gott den Menschen Liebe eingehaucht
Damit sie sich zwangsläufig auch um andre sorgen
Indes wird solche Liebe manchmal allgemein
Dabei mag einzig die spezielle nützlich sein –
Es bleibt der allzu vielfach Liebende allein.

Hör ich dann durch die Wand, wie manche sichs besorgen
Wird mir schon klar, warum es doch mehr Liebe braucht.


iv.

Beim Menschen weiß man, wie ihm nützlich ist Magie;
Bei Tieren auch lässt sich auf Hexereien schließen.
Von schönen Blumen andrerseits ist nichts bewiesen
Wenn sie zu wahren Blumenparadiesen sprießen.

Was soll man denn von einem Zaubergarten
Aus tausend Halluzinationen schon erwarten?
Bis hin zum Aberglauben schaffen sie es nie.


v.

Das Glauben stand seit je mit Wissen in Verbindung
Und wahres Wissen war noch nie hundertprozentig
Doch hinterlässt es unverwechselbare Spuren.

Wir glaubten nichts und wussten nur, dass sie uns ständig
Absprachen, was wir scharf am eignen Leib erfuhren;
Und hielten die Absprechenden uns auch lebendig
Blieb ihr Irrglaube dennoch Folter und Erfindung.


vi.


Als man sich durchrang zum Aufklärungsunterricht
Mocht niemand auf das Beispiel der Natur verzichten:
Von Flora handelten die wildesten Geschichten.
Das war einmal.

                                     Inzwischen fehlt die Phantasie
Das Aufklärungsgeschäft wie Bienchen zu verrichten –
Es wiegt der Jugendtraum Bildschirmpornographie
Sein eigenes unabwägbares Leichtgewicht.


vii.

Ich wachte auf, beflaggt, behisst, mit vollem Mast
Und dachte endlich mal was Rechtes und was Klares.
Solang ein stolz geschwelltes Körperschiff der Star ist
Ist alles drin, sogar die Fahrt auf Abenteuer.

Das Volk schwang Hüte, Mützen, Kappen ungeheuer
Und ich lief aus, am Steuer meiner Stella Maris
Das Ziel: Die Neue Welt. Mindestens. Oder fast.


viii.

Darwin hat es von stark und schwach und alles scheint
Gesagt, doch denke an die altersschwächsten Sterne
Die oben flimmern, und – obschon kaum sichtbar – sind
Womöglich tausendfache Sonnen und nur ferne.

Und zittern sie wie Espenlaub im dunklen Wind
Gibt es sogar im Diesseits einen Himmel, Kind
Der Schwach- und Starksein ungerührten Sinns verneint.


ix.

Früh übernimmt sich, was ein Pärchen werden will –
Ein Spruch so hingesagt, und Unsinn sowieso;
Kochen und heizen sich, sind aneinander froh
Und gehn danach auf das gemeinschaftliche Klo

Und ziehn vielleicht noch nicht einmal getrennt die Spülung
Und stehen trotzdem mit dem fremden Tod in Fühlung
Und stehen, sich umkreisend, still und doch nicht still.


x.

Gehört Bewegungsdrang zur Sphäre der Physik
Ist Fortschritt ein Gebiet jenseits der Wissenschaften:
Reine Kinetik oder doch Streben nach Glück?
Kommt darauf an, Rollen und Drehen ist auch Haften.

Wer weiß schon, ob er vordringt oder bloß umrundet
Und wer, wann ihm die Zeit gehört, die ihm gestundet?
Nur eines bleibt versichert: Es gibt kein Zurück!


1. März 2019


vendredi 22 février 2019

Trauergesang auf einen alten Park

Rosen und Narzissen:
Die Hosen sind verschissen.
Narzissen und Rosen:
Dann wechsle die Hosen.

Chrysanthemen, Lilien und Dahlien:
Und wer soll die Waschfrau bezahlien?

    Die Waschfrau und den ganzen Scheiß?
    Johanniskraut und Ehrenpreis!
    Der Nimbus ist und und bleibt versaut:
    Johannispreis und Ehrenkraut!



Nelken und Tulpen:
Ihr seid alle Nulpen.
Tulpen und Nelken:
Auch Nulpen verwelken.

Dahlien, Lilien und Chrysanthemien:
Ihr solltet euch aber was schämien!

    Was schämien und in euch gahn
    Klee, Wegerich und Löwenzahn!
    So wie ich selber in mich geh
    Potz Löwenwegerich und Klee!



                                      *


Viel schönes Unkraut im erneuerten Park
Hat die altväterlichen Blumen ersetzt.
Es ist jetzt halt so, Dummerle.
Anscheinend ungestört wachsen lassen
Tatsächlich aber doch kontrollieren
Ausdünnen, regulieren
Mit unsichtbarer Hand –
Diese neue Freiheit ist zwar keine
Sieht allerdings verdammt echt aus.
Man hat dazugelernt:
Erst französisch, dann englisch, und letztlich das da
Inmitten zerstörter Natur.

Am Ende fragst du dich
Ob du einem solchen die Gartenschauen
Nach dem Lineal der Spießer nicht noch vorziehst.
Da wusste man wenigstens, woran man war.

 22. Februar 2019

Viel schönes Unkraut 
[Photo: Lorène Lavocat, für Reporterre]

mardi 19 février 2019

Jahreszeiten, Tageszeiten


1. Frühling

Der Frühling kommt. Ist er des Winters Lohn
Wie etwa Morgengrau nach einer Winternacht?
Es sind jetzt Zeiten, wo nichts mehr erhellt
Und „Vorwärts!“ mehr bekümmert als „Zurück!“

Von nun an schadet zu genauer Blick;
Besser, die Linse ist auf ungefähr gestellt
Und, was denn sein muss, wird dazugedacht;
Adorno spricht bei Eichendorff davon.

Ja, etwas Trost bleibt hinter Nebelwänden.
Ja, Tag soll, kaum begonnen, wieder enden.


2. Phosphorlicht


Ist es das, was am Ende zählt?
Spätabends Phosphorlicht, als ob
Ein Ufo landen würde.
Es ist dies, Bruder, keine Bürde
So Fremdes in der eignen Welt.

War auch nicht viel zu sehen:
Wir traten aus der Dunkelheit
Doch hielten uns gebannt
Hänsel und Gretel an der Hand;
Es knirschte unter unsern Zehen.

Nichts andres kann es geben!
Und tät sich gar der Boden auf
Ein Zauber, Phosphorlicht –
Unwirklich, Schwester, wär es nicht
Nicht mehr, als alles Menschenleben.

[Luminescence. Serait-ce ce qui compte enfin ? / Très tard, cette lueur comme si / Atterrissait quelque ovni. /  N’est point lourde à porter, mon frère / Chose étonnante en notre sphère. // Si peu à voir et néanmoins / Nous sortions de l’obscurité / Hansel et Gretel fascinés / Mais en nous tenant par la main ; / Sous nos pieds craquait le terrain. // Il n’y a certes rien d’autre, rien ! / Et même si le sol s’ouvrait : / Magie... luminescence... rais... / Seraient, ma sœur, aussi réels / Que nos destins sont naturels.]

19. Februar 2019

vendredi 15 février 2019

Two Kitsches


1. Paris Kitsch

Da lese ich mal wieder in der Muttersprache von meinem Umfeld und es kommt auch beim „Weltoffenen“ unverzüglich die „Pariserin“ und „das“ Baguette vor, immer noch, und dann am Ende womöglich noch der beliebte Lyriker, der vom Pont Mirabeau springt, denn schließlich fließt drunter die Seine et la joie vient toujours après la peine.
Ich muss blind sein, doch Leute, die offen sichtbar mit ihrem Brot bewaffnet herumlaufen (port ostentatoire, gesetzl. geregelt), sehe ich recht selten, meist steckt das lange Trumm irgendwo mehr oder weniger gut verborgen – ich überraschte nur einmal einen mit seiner Krücke unterm Arm davoneilenden Piccoli – bei „Pariserinnen“ kann man sich nie sicher sein, ob sie nicht eher aus dem idyllischen Trifouilly-les-Oies stammen, und sehr, sehr viel häufiger wählt selbst der lebensmüde Intellektuelle den Sprung vor die Metro (ärgerlich, gibt Verzögerung) oder auch einmal den Kleintransporter einer Wäscherei. Kleintransporter und Wäscherei, falls man das Schmutzige an der Unterwelt scheut. Freitod via Brücke ist wirklich selten, das Seinewasser ist schlicht nicht einladend genug, aber vielleicht gelingt es eines Tages ja, es zumindest so attraktiv wie die bumsvolle Suppe in der sel. Piscine Deligny zu machen. Warum nur ist kein Ende beim Pariskitsch abzusehen?
Die örtliche Bevölkerung hat in null Komma nichts das Gauloises-Rauchen aufgegeben, bewegt sich immer weniger in verbeulten Gebrauchtwagen fort, und ist, Femino-Stalinismus sei Dank, mittlerweile auch dabei, das Dragieren und Dragiertwerden zu verlernen; man versteht darunter eine bestimmte Art der Kontaktaufnahme, die Deutsche zwar aus Filmen kennen, wofür es in ihrer Sprache aber meines Wissens keinen passenden Ausdruck gibt. Ich befürchte allerdings, der Pariskitsch wird selbst das noch überleben. Dabei gibt es tausend triftige Gründe, hier trotz allem euphorisch herumzuturnen.

French law, as far as I’m au fait
With it, bans concealed carrying
Of bread, their world-renowned bagay
Has to be toted openly
    In public space, a sound position
    Given the role of posh nutrition.

Paris is peaceful, though it may
Resolve to take out Fairy Queen
But then in its own stylish way:
See it, race through it and thus die.
    (A plot spot à la Morrison
    Rewards upmarket tourism.)


2. Berlin Kitsch

Es wachsen dort begabte Leute heran, zuweilen hochbegabte, namentlich auch unter den Wortingenieuren, die mit ihrer Begabung dann offenbar kaum etwas anfangen können, es ist ein Drama der Verschwendung in einem so der Verschwendung abholden Land. Die Produkte, die sie herstellen, sind ausgezeichnet, häufig geradezu genialer Konzeption, voller großartiger Details, haben allerdings nur einen ganz beschränkten Gebrauchswert, und jenseits der Landesgrenzen fast gar keinen mehr. Weil sie dem Exportweltmeisterland entstammen? Es sieht danach aus. Das Land befruchtet sie, aber wie soll jemand, der sich von so einem befruchten lassen muss, etwas zu sagen haben außer: Wovon ich mich nun einmal leider befruchten lassen muss, das gefällt mir letztlich nicht, denn ich bin, als Frau ohnehin, doch auch als Mann, vom Temperament her zu nahe bei meinen Kompatriotinnen, wir passen einfach zu gut zueinander, und deshalb haben wir kein anderes Thema als unser unglückliches Selbst, erfasst in seiner Erdrücktheit unter der Masse von zu regem literarischen Leben erweckten Trostlosigkeiten, oft den perfekten Resultaten örtlicher Ingenieurskunst. Auch außerhalb des Exportweltmeisterlandes zerbrechen ständig Beziehungen, aber der Exportweltmeister an reflektierter grundlos kaputter Beziehung ist und bleibt der Exportweltmeister, nur lässt sich das, im Gegensatz zu Maschinen, zu unser aller Glück kaum exportieren.

This fine place brims with commonplace
Like everyday domestic fight;
They seem to have no graver issues there.

To appreciate the local Bear
One has to fly in over night
And relish the unblonding of a master race.


February 15, 2019

jeudi 14 février 2019

Das Land im Himmel

Diese ständig verreisenden Deutschen scheinen sich bei sich eben nicht so recht wohl zu fühlen. Warum nur? Gibt es einen Grund? Ich sehe ihn für sie nicht, sehe nur, dass sie in der irgendwie nicht so recht von ihnen geliebten Heimat – jedenfalls nicht ausreichend geliebt, um nicht bei der geringsten Gelegenheit daraus für Tage oder Wochen zu verschwinden – ihren steuerrechtlichen „Lebensmittelpunkt“ haben, dort das Geld für ihre reflexhaften Landfluchten verdienen. Als dialektischer Materialist ist damit alles für mich gesagt, ich muss nicht weiter ergründen.

Heimat, oh schöne Heimat.
Die schöne Heimat, die beginnt, wenn ich mit dem Auto
Bei Peterstal die steile, verschlungene Schwarzwaldroute
_________________________________________hochfahre
Die wunderschöne mir unbekannt gewordene Heimat
Keine Ahnung, wie die Menschen dort denken und leben
Wenn ich an der Tankstelle zum ersten Mal wieder
Nach sehr langer Zeit
An einen mir unbekannten Landsmann das Wort richte
Und er antwortet mir ganz selbstverständlich
Weil er natürlich nicht erkennen kann
Dass es oft einen Sekundenbruchteil dauert, bis ich
Den passenden Ausdruck gefunden habe
Dass ich simultan aus einer anderen Sprache übersetze, wenn ich
In meinem wie in Formol konservierten altbadischen Dialekt mit
______________________________________ ihm verhandle
Dass ich von vornherein in der schwächeren Position bin
Wie einer, der im Spiel den Ball bergaufwärts werfen muss
Und es mich plötzlich schaudert:
Bergaufwärts, bergaufwärts, ja, die
Fremdeste Fremdheit ist die unbemerkte
Die fremdeste Heimat die meine

Und sie liegt nicht im Himmel.

12. Februar 2019   [Von Heimat II]

mercredi 13 février 2019

Fexe

Der friedensbewegte Deutsche, dem, persönlich zu Recht oder Unrecht, der Ruch des bekehrten Schlägers anhaftet, dieser Friedensbewegte hatte seinen Anflug von Rechtfertigung in Kleinstaaterei. Und, es fiel uns bloß nicht so richtig auf, solange es noch die alte Bundesrepublik und die DDR gab, war dieses alte romantische und notgedrungen friedfertige kleinstaatliche Deutschland ja wiederauferstanden. Die wirklich große Zeit der Friedensfexe kam allerdings nach der Wiedervereinigung, als sich eine Art großdeutscher Großmannssucht über die Hintertür, auf Sammetpfoten, wieder eingeschlichen hatte, mit der Preußenhauptstadt als trendigem Mittelpunkt, mit neuem deutschen Sonderweg und so, wiedererlangter „voller Souveränität“, die vielleicht sogar erlauben könnte, die Rolle eines Züngleins an der Waage zwischen den USA und Russland zu spielen, und dem erbärmlichen FDP-Minister-Ansinnen nach festem Friedensapostelsitz im UN-Sicherheitsrat, weil der Deutsche es schließlich besser weiß, genug unter den von ihm angezettelten Kriegen gelitten hat und seither nur noch Apfelsaft verträgt. Die Wiederkunft des Unangenehmsten ist immer das Wahrscheinlichste bei den Völkern.

Als sie noch rein aus Größenwahn
Und gleichzeitigem Minderwer=
Tigkeitskomplex die Bösen warn
Es ist noch gar nicht lange her

Als sie noch deutsch warn wie Germanen
Und noch nicht so wie die von heute
Sich schämen mussten ihrer Ahnen
Warn es doch schon dieselben Leute.

Nun sind dieselben deutlich besser
Und glücklicher komplexbeschwert:
Es reicht nicht mehr zum Menschenfresser
Nur noch zu Meister Ehrenwert

Nur grade noch zum Pädagogen;
Der Rest der Welt bleibt ungezogen.

12. Februar 2019   [Von Heimat I]

mardi 12 février 2019

De l’ordre des choses


1. Affût perché

Quand je me suis trouvé mon lieu d’observation
Dans les arbres
Mais des arbres citadins
Ce n’était pas de là
Que j’aurais pu observer les saisons
Donnant de persistantes images de feuilles usées
Qui prennent des teintes de feu pour se détacher en flammèches
Aux premiers coups de vent perdus
Ou de celles qui se reforment sur les branches effeuillées,
_________________________________tendre vert enroulé
Pour insister, candidement, sur un nouvel élan
Automne avant printemps, dans cet ordre
Suivant la logique du calendrier hébraïque ou scolaire* :

Ce qui danse ici en automne, ce n’est pas feuillage
Et ce qui insiste au printemps, ce n’est pas feuillage non plus
Tout ici est faune, est gibier, est chair
Chair enflammée qui pourtant tombe, ou chair qui se fait.
Ici, la saison se passe une fois pour toutes
Ici, on ne vit qu’un seul printemps et un seul automne
Et dans cet ordre.
Ici, la nature s’exprime dans les gens
Parfois dans des arbres mais
Qui doivent faire sans.
Ici, point d’éternel retour
Pour soulager les pauvres âmes.

* Cette remarque concernant le début de l’année, d’un genre qu’on peut sans peine trouver soi-même, je l’ai en fait piquée à Linda Pastan, dont les excellents poèmes sont seulement un petit peu gâchés par la circonstance que leur créatrice évolue de toute évidence dans des sphères fortunées. (Another Autumn, in: The Last Uncle)


2. Nu sentimental

Les personnes de ma connaissance qui ont eu des affaires spécialement avec des soldats, ne s’y étaient pas engagées parce qu’elles aimaient les uniformes ou en pinçaient pour des vainqueurs et prenaient ces combattants à peine adultes pour tels, mais plutôt parce que leur sort les touchait au cœur. Elles les fréquentaient parce qu’ils avaient l’air si misérables : dressés aux traumatismes, ils leur semblaient des vaincus même si une guerre n’avait pas encore eu lieu. Elles couchaient avec eux aussi et surtout parce que les gars devaient avoir besoin de consolation. Le sex-appeal des petits militaires s’apparente à celui des chiens battus, et que le plus souvent ils n’en ont nullement conscience, rend leur charme d’autant plus ravageur.

C’est un nu et un nu sentimental, les nus
Ne le sont pas facilement, sentimentaux
Et s’ils parlent aux sentiments, ils sont déjà
Plus nus que nus, aux qualités pour philosophes.

Normalement, c’est le regard qui t’apostrophe
Non pas la peau, et moins encore peau qui n’a
Ni bouche ni regard car étendue, de dos
Là où la vie n’est que surface ou étendue.

Armurés par-dessus, camouflés en héros
Nus en peaux de soldats, faits de vulgaire étoffe.

[Diejenigen Personen aus meinem Bekanntenkreis, die sich speziell mit Soldaten eingelassen haben, taten es nicht deshalb, weil ihnen etwa die Uniform so gefiel oder sie etwas für Sieger übrig hatten und diese jungen Männer dafür hielten, sondern viel eher deshalb, weil sie ihr Schicksal innerlich anrührte. Sie ließen sich mit ihnen ein, weil sie so unglücklich, so auf Traumata gedrillt, so nach schon Besiegten aussahen, selbst wenn überhaupt noch kein Krieg stattgefunden hatte, und schliefen mit diesen kaum erwachsenen Kriegern vor allem auch deshalb, weil die den Trost nötig zu haben schienen. Der Sexappeal der unteren Ränge ähnelt dem von geprügelten Hunden, und dass denen das meist nicht bewusst ist, macht sie nur noch betörender.]


7  Février 2019

lundi 11 février 2019

Exode rural

L’exode rural est un phénomène qui continue et on peut se poser la question – et je l’ai fait – pourquoi l’humanité est la seule espèce sur terre qui préfère, pour elle-même, l’élevage en batterie à celui en plein air. Mais les choses sont ce qu’elles sont, et en tant qu’humain évoluant en batterie je ne suis guère qualifié pour critiquer.
On connaît les effets dévastateurs sur la sexualité d’une vie en communauté trop serrée. Si le paysan a du mal à trouver des congénères, il a toujours, à l’instar de ses bêtes, la possibilité de s’acoquiner avec du non-congénère, alors que le citadin, entassé, stressé, dépassé, ne sait plus où donner de la tête. Le résultat est connu : les villes se peuplent de plus en plus de manière bigarrée tandis que la campagne, uniformément, se désertifie. La logique est implacable.
Quand je vois la foule de jeunes hommes, avec des tas de mioches accrochés à eux, ravager les magasins bio en pleine métropole alors que les producteurs des victuailles ont de longue date cessé de féconder à succès, tout en sachant que ces jeunes citadins sont en général acculés à la plus sauvage des promiscuités reproductives, je ne me demande plus où le monde va, je le sais.
Heureusement, « Balance ton porc ! » est arrivé, mais avec un mot d’ordre qui loupe encore sa cible. Et le paysan, lui, il en pense quoi, de cette suggestion contre nature ? Il tient à ses bestiaux, le pauvre, il n’a rien d’autre, lui.

Tant que Blanchette, fallait la traire
Et qu’on allait saigner cochon
L’homme de bien savait quoi faire
De beaux jambons et gros nichons.

Depuis qu’il a quitté la ferme
Et qu’il n’égorge plus ses poules
L’homme de bien fait de son sperme
N’importe quoi, et tout s’écroule.

Trop tard. Le retour à la terre
Ne peut être une solution :
Quand le biquet se met à braire
Ne reste que la castration.


[When milking suited Molly’s teats
And sticking all the hogs
One still knew how a good man treats
Nice ham and brimful jugs;

But since that man abandoned farming
And stopped to neck the chick
Behavior patterns grew alarming
Uncheckable the prick.

Alas, too late for back-to-nature:
There ain’t no tutoring
Once minor ram has turned a major
Apart from neutering.]


11 Février 2019

dimanche 10 février 2019

On Possessing

Da gibt es wohlhabende Deutsche, die sich im Süden ein schönes altes Haus kaufen, es drängt die Deutschen ja wie zwanghaft in den Süden. Zum Renovieren lassen sie dann allerdings deutsche Handwerker einfliegen, denn den örtlichen kann man schließlich nicht trauen. Sie wollen es wie zu Hause haben, deutsche Wertarbeit, und damit gelingt es ihnen problemlos, den heimatlichen Muff noch in die südländische Villa zu holen. Stolz zeigen sie das Ergebnis ihren einheimischen Nachbarn, die bei aller Höflichkeit nur ihr Deutschenbild bestätigt finden.
Als das Haus meiner Großeltern zum Verkauf stand, griff ein Mann zu, der uns erzählte, dass dies schon immer sein Traumhaus gewesen sei. Schon als kleiner Junge habe er sich gesagt, in so einem Haus wolle er später einmal wohnen. Er verdiente dann genug, um es sich leisten zu können. Dieses Haus war umgeben von einem Garten aus lauter Obstbäumen, Beerensträuchern und allmählich verwildernden Rosen. Unverzüglich wurde das ganze Zeug abgeholzt und durch properen Rasen setzt, nichts als Rasen, saugepflegt, völlig offen zur Straße hin, damit man es auch gut sehen konnte, das Traumhaus. Er hat auch die alten Fenster sofort ersetzt: Traumhaus hat jetzt keine Fenster mehr, sondern verglaste Löcher. Wie es innen aussieht, will ich gar nicht wissen.
Andere umwerben ihren Traummenschen und sobald sie ihn haben, versuchen sie sich ihn zu unterjochen und all das köstliche Alte in ihm auszumerzen. Der Mensch ist nicht fürs Besitzen geschaffen, höchstens fürs Bewundern. Man muss das Bewunderte quasi schon vorher besessen haben, um es nicht, sobald man es auch von Amtswegen besitzt, zerstören zu wollen. Das Schon-vorher-Besitzen ist das der Erben, die über Jahrhunderte unangetastet lassen, eine Haltung des Niedergangs. Sie führt zu schönen Ruinen, denn ein Erhalten und Bewahren muss man sich auch leisten können, und das nötige Geld verdienen solche Menschen auf die Dauer natürlich nie.

When push comes to shove
And have comes to love
The ruin is near.

None of us to blame, dear
Tender heart, pretty dove
Time’s hanging above.

Things are getting bright
When blind comes to night:
We should not possess!

It’s all but a mess
When shine comes to light.
Close eyes and be quiet.

[Il y a des Allemands aisés qui s’achètent telle belle vieille demeure dans le Sud, on sait assez comment ce Sud les attire et obsède. Mais pour la rénovation, ils font venir par avion des artisans allemands, car on ne peut pas faire confiance aux locaux. Ils veulent que ça soit comme chez eux, du travail de qualité, et en effet ils réussissent à faire entrer dans leur villa méditerranéenne remugle et grisaille teutons. Tout fiers, ils montrent à leurs voisins du coin qui, courtoisement, se trouvent confortés dans leurs clichés sur l’Allemagne.
Lorsque la maison de mes grands-parents a été vendue, l’acheteur nous a dit que dès son enfance, il avait désiré vivre dans une maison comme celle-ci. Plus tard, il a donc pu se le permettre. Cette maison était entourée d’arbres fruitiers, de groseilliers et cassissiers, et de rosiers en train de redevenir sauvages. Toutes ces vieilleries furent aussitôt arrachées et remplacées par une pelouse proprette, totalement ouverte sur la rue afin qu’on puisse bien la voir, sa maison de rêve. Illico, les vieilles fenêtres furent, elles aussi, virées ; depuis, la maison n’a plus de fenêtres mais des trous vitrés. Je préfère ne pas savoir ce qui a été fait à l’intérieur.
D’autres font la cour à leur partenaire de rêve, et dès qu’ils le possèdent, ils essayent de se l’assujettir et extirper de lui tout ce qui est exquisément enraciné. L’être humain n’est pas fait pour posséder, seulement pour admirer. Ce qu’on admire, il faut déjà le posséder auparavant pour ne pas essayer de le détruire sitôt qu’on en est finalement devenu le propriétaire légal. Cette possession avant la possession est celle des héritiers qui laissent les choses en l’état pendant des siècles, une attitude de déclin, qui a pour résultat de belles ruines. Car conserver et maintenir, il faut pouvoir se le permettre, et l’argent nécessaire, de telles personnes, à la longue, elles ne le gagnent jamais.]

February 9, 2019

jeudi 7 février 2019

Von Krieg und Frieden

Schließlich hab ich mir die Hölle ausgemalt, von der jeder weiß, dass es die anderen sind. Die anderen sind zum Glück immer die Bösen, denn wo um Himmels willen kämen wir hin, wenn wir selbst es wären? Besteht die Hölle aus einem Haufen von Hauptschülern, zu denen es einen Abiturienten verschlagen hat, der nun deren Sauforgien und gegen Brillenträger gemünzte Blödeleien zu ertragen hat? Ja, so konnte man es sehen, solange man damit rechnen musste, in Friedenszeiten eingezogen zu werden. Gegen einen echten Krieg, wo es echt drauf ankommt und sogar die Allerdümmsten ihre menschlichen Qualitäten beweisen können, ist sicherlich viel weniger einzuwenden als gegen das schlichtweg widerliche Kasernenklima im garantierten Frieden. Der liebe Gott, um auf den zurückzukommen, hat Dumme und Kluge geschaffen, Feige und Mutige, und dazu noch den schönen Gedanken vom ewigen Friedenskönigtum, aber es war der unzulängliche Mensch, der die von allen Bildungsunterschieden erlösenden ernsthaften Kriege erfunden hat. Die Erwartung der Hölle mag die Hölle sein, während die Hölle selbst dann nur noch halb so schlimm ist, weil sie jeden voll auslastet. Persönliche Sensibilität spielt dann kaum noch eine Rolle.

Im Schatten die Soldaten
Erholen sich vom Krieg;
Die andern in der Sonne
Tagträumen jetzt vom Sieg.

Die Träumenden sind alle
Knochen, sonnengebleicht;
Die Braunen unter den Bäumen
Nehmen’s Leben gerade leicht.

Im Schatten immer noch besser
Als im Schein der Sonne zu liegen
Und wer das Gegenteil
Behauptet, weiß nichts von Kriegen.

[Enfin, je me suis imaginé l’enfer qui, comme tout le monde sait, c’est les autres. Encore heureux que les méchants c’est autrui parce que si c’était nous-mêmes, Dieu sait où ça nous mènerait ! Est-ce que l’enfer est constitué d’un tas de tarés incultes parmi lesquels on a envoyé un pauvre intello qui doit maintenant supporter leurs orgies de bière et leurs blagues foireuses sur les porteurs de lunettes ? Oui, c’était une façon de le voir, tant qu’on devait craindre la conscription en temps de paix. Car en vrais temps de guerre, quand ce n’est vraiment plus de la rigolade, même les très-ignares peuvent témoigner de leurs qualités humaines, alors qu’en temps de paix garantie, le climat dans les casernes est simplement insupportable. Le bon Dieu, pour revenir à lui, a créé les stupides et les intelligents, les lâches et les courageux, et en plus la belle idée d’un royaume de la paix éternelle, mais ce sont les hommes imparfaits qui ont inventé la guerre sérieuse qui donne leur chance jusqu’aux plus cons. Si l’attente de l’enfer est peut-être l’enfer, l’enfer lui-même n’est pas aussi grave que ça puisqu’on est suffisamment pris. Les sensibilités personnelles n’ont du coup plus aucune importance.]

6. Februar 2019    [Ecce Homo IV]