dimanche 3 novembre 2019

A Center Theory


i.
Aber ich lebe selbstverständlich auch in der Mitte der Welt, und diese Mitte ist kein anonymes Kaff, kein schwarzes Loch sozusagen, mit nur ein wenig schlüpfrigem Rand drumherum, sondern ein echtes historisches Weltzentrum. Ich bin nicht so vermessen, aus Hinterpfuiteufel meinen Weltnabel zu konstruieren, nur weil ich dort bin. Nein, um behaupten zu können, dass ich in der Mitte der Welt lebe, habe ich mich zuerst einmal in eines der echten historischen Weltzentren begeben. Es war also schon ein solches Zentrum, bevor ich dort zu hausen begann. Ich konnte mich allerdings nur in eines begeben. Eines. Es gibt ja, das muss ich zugeben, mehrere. Aber meines ist das am meisten in der Mitte liegende, dafür stehe ich ein.

Weast and est and sorth and nouth
Bear with me, I keep the mouth
Keep that maw, which is the center
Nothing leaves, but all must enter.

Nothing funnels in for free
Since the times of memory:
To collect the toll I stand
Tiniest landmark of the land.

Do I tell the things I’m learning?
Do I honor those I’m earning?
Do I play the death knell’s role
Or do I just hoard the toll?

It depends on how you quest
Seast and outh and worth and nest.


ii.
« … qui verra terminés errance, lutte, exil. »
                                                                       Maryse

Être au milieu
Être au centre du monde, dis-tu
N’est jamais un choix, mais une obligation
Pas choix de vie, mais obligation et de vie et de mort.

Tant que tout gaze, nulle raison de s’en plaindre
Mais lorsque ça commence à être le bordel
On se verrait mieux retiré à la périphérie
Pour observer, à la télé par exemple.
Quelques vagues infos suffiraient
Pour continuer à se regarder
Calmement le nombril.

Ce n’est pas possible.
Le plus contemplatif de tous
Reste toujours au centre du monde
Et, le cas échéant, prend tous les coups
Parce qu’il se trouve, le pauvre, exactement là.

Même la tombe, dis-tu, sera encore au centre du monde.
Et même si, comme on suppose, on n’y sent plus rien
Sous une armure devenue à la fin un peu efficace
On ne s’en enfuira jamais, du centre du monde.
Voilà tes paroles, et je commence à les saisir.


26 Octobre 2019

vendredi 1 novembre 2019

Especially the Bridle

It seems there is an urge for realism
To admire things depicted looking true.
I would that art’s effectual truism
Made things so thin that life shone merely through.

If mine were not intolerably real
There might glow some hope through it in its joy;
I’d rather feel an urge for haze to feel
At last myself, a small receptive boy.

And should it simply be indifference
That gives the outer world its power and glaze:
The light shed over, ruthless, age-old, tense
A varnish wall impossible to raze

No matter if my days froze into nights
Would keep my trust in telling wrongs from rights.

October 29, 2019



[Emblematic Still Life with Flagon, Jug, Glass and Bridle. Johannes Torrentius, 1614]

samedi 19 octobre 2019

Ein Waggerl für unsere Zeit

Waggerl hält sich für Cervantes
Wie man liest, ein altbekanntes
Phänomen, denn zum Quijote
Il lui manque la jugeote.

18. Oktober 2019


vendredi 18 octobre 2019

El oro del Inca


i.

Prinz Eitel gibt sich frech und still
Du aber weißt schon, was er will
Er schreit herum und gibt sich leise
Du aber weißt, ihn locken Preise.

Die Katz ist kein Charakterschwein
Die Katz will sein ka Hund
Und der will keine Katz nicht sein –
Auch das hat seinen Grund.

Du schließlich werde, was du bist
Du schließlich wisse, was das ist
Du schließlich pfeif auf Lob und Preis
Und folge höherem Geheiß.

Prinz Eitel pfeift auf seinem Ast
Als ob im Himmelszelt
Und weil du keinen Vogel hast
Hast du sein Ziel verfehlt.


ii.
„Reliquae autem res, intellectibiles sint aut corporeae, sunt non divites per seipsas, immo indigent uno vero influente super eas bonitates et omnes gratias.“
                            Liber de causis, 165

Hätten es die alten Peruaner nicht so mit dem Gold gehabt
Hätte man sie wahrscheinlich in Ruhe gelassen.
Nichts besitzen, was Räuber anlocken könnte –
Das ist leicht gesagt.
Was weiß ich denn, was Räuber anlockt?
Ich frage mich, ob die alten Peruaner
All ihr Gold für besonders wertvoll gehalten haben
Sie hatten ja so viel davon.
Ihre Werte waren vielleicht gar nicht die der Räuber.
Die Welt ist unergründlich, und
Wenn wir Pech haben
Nimmt uns noch jemand unsere guten Ratschläge ab
Die wir auch für wohlfeil halten.


[Si les anciens Péruviens avaient été moins férus d’or
Il est probable qu’on leur aurait fichu la paix.
Or, ne rien posséder qui pourrait tenter des brigands
C’est vite dit.
Est-ce que je sais ce qui tente les brigands ?
Je me demande si les anciens Péruviens
Considéraient tout cet or comme particulièrement précieux
Ils en avaient tant...
Leur échelle de valeurs n’était peut-être pas celle des brigands.
Le monde est insondable
Et avec un peu de malchance
Il se pourrait bien que quelqu’un finisse par prendre nos avis
Que nous avons, nous aussi, à foison.]


16. Oktober 2019


mardi 15 octobre 2019

Vom Einhorn


i.

Hübsch vormodern mit ihren Eigenheiten
Dörren sie Pilzchen wie in alter Zeit.
Dazu gehört: Sie mögen sich nicht leiden
Im Nachbarkaff schon dörrt der böse Feind.

Wir, glatt, global, zurechtgehunzt, Ikea
Den Blick zum Bildschirm, schaufelnd Fertigfraß
Entseelenden Konsums, immer noch meha...
Wir, Spaßgesellschaft ohne rechten Spaß.

Dort hinten weiß man sich noch zu bescheiden:
Statt Pille ein Pogrom, ist dir nicht wohl.
Dann gleich zurück, Erdäpfel grob zu schneiden
Das gute Schwarzbrot, Speck und Winterkohl.

Zu vieles, Freunde, hat man überwunden;
So mancher wurde krank, statt zu gesunden.


ii.

Es gab einmal eine deutschsprachige Literatur, die man auch als Deutschsprachiger mit Genuss lesen konnte. Jetzt bekommt H. den N.-Preis. Nach einem G., einer Frau J. und einer Frau M. Ich kenne eigentlich nur die unangenehmen Seiten von Herrn G. und von den beiden Damen überhaupt keine, aber H. scheint mir schön in die Liste zu passen. Wie ich höre, hat er noch kürzlich, nachdem ein sogenannter „Sex- und Korruptionsskandal“ halbwegs verraucht war, sich verpflichtet gefühlt, eine Binsenwahrheit zum Besten zu geben, und dabei womöglich an seine eigene kernige Person gedacht: nämlich, dass ein N.-Preis für L. eine Farce sei. Jetzt ist er tatsächlich selber farciert und, laut Zeitung, sehr gerührt darüber. Die Stimme soll ihm versagt haben vor lauter freudiger Überraschung. Was doch so alles, wenn man schon nicht mehr damit rechnet, auf einen zukommen kann... es fiel ihm vielleicht Hölderlins Rettendes ein. So übel geht es auf der Welt doch nicht zu, hat er sich garantiert gedacht, man mag schreiben, was man will. Das meine ich auf meine Weise auch. Zumindest hat diese Welt, ich habe leichte Schwierigkeiten, es zu übersetzen: de la suite dans les idées. Man kann sich, Skandalnudeltum hin, Skandalnudeltum her, wunderbar auf sie verlassen.

Man weiß so einiges über das Einhorn, Unicornis communis 
________________________________________communis.
Seit Jahrhunderten ein gern gesehener Gast etwa auf
____________________________________Wandteppichen
 Findet es sich neuerdings bis hin auf ganz bildungsfernen
_____________________________________Schlafanzügen
Doch man zweifelt noch, ob es zu den Paar- oder den
_________________________________Unpaarhufern gehört
Also eher zu den Wiederkäuern oder zum Pegasus hin tendiert.
Falls Unpaarhufer, stellt sich außerdem die Frage der
______________________________________Genießbarkeit.

Einhörner sind aber auch wegen des Elfenbeins gefragt:
Ihr Horn ist ein annehmbarer Ersatz für den Elefantenstoßzahn
Dessen kommerzieller Vertrieb mittlerweile nicht mehr zulässig ist
Denn das Einhorn kommt einfach zu häufig vor, um geschützt zu
___________________________________________werden.
Nur das Seltene ist es wert, gesetzlich geregelt zu werden;
Das allgegenwärtige Einhorn springt im rechtsfreien Raum herum.

Ich halte es für unsportlich, Einhörnern vorzuwerfen
Sich auf ihre stille Art nicht mehr zurückzuhalten, oder gar
Zu vermuten, es sei nichts Edleres als Publicitysucht, was sie
_________________________________________antreibt –
So ein Einhorn fügt sich damit nur brav in seine Unmündigkeit.
Es ist bei aller falschen Scham richtig schwer zu verkraften, dass
Mythologische Haustiere kein klein bisschen vom Aussterben
_______________________________________bedroht sind.


14. Oktober 2019

lundi 7 octobre 2019

Missverständnis, existentiell

„In jedem Fall besteht dies Wahrnehmen in dem schlichten Hinblicken auf das Objekt.“
                            Husserl, Logische Untersuchungen VI, §58

Das verstehen die Werbeleute:
Es fällt sofort auf, dieses frische Gesicht
Ausgesucht glatt, rosige Backenknochen, die dunklen
Augen schmal, fast asiatisch, vom lichtgrünem Hintergrund
Magisch abgehoben und doch so eingebettet
So unwiderstehlich anziehend
Dass ich immer wieder zurückblättern muss
Und sinnlos den Blickkontakt suchen.

Das verstehen sie nicht, die Reklamefritzen:
Dass ich die geringste Ahnung hätte
Wofür geworben wird.

Das Gesichtchen bleibt im Gedächtnis
Vom Prodüktchen, keine Ahnung.

Genauso ist sie mir, die gesamte Welt:
Magnetisch angezogen
Übersehe ich die Gründe.


Malentendu existentiel

Ça, ils savent faire, les publicitaires :
On le remarque sur-le-champ, ce frais minois
Lisse à souhait, les pommettes bien roses, les yeux sombres
Étroits, presque asiatiques, devant un fond vert acide
S’en détachant, magique, et pourtant si immergé
Si irrésistiblement attirant
Que je ne cesse de feuilleter en arrière
Pour chercher un absurde contact visuel.

Ça, ils ne savent pas faire, les gars de la pub :
Que je saurais aussi
Quel produit on veut me fourguer.

Le visage me reste imprégné dans la mémoire
Mais du but de la réclame, aucune idée.

Voilà mon rapport au monde entier :
Comme magnétiquement attiré
Et aveugle aux mobiles.


6 Octobre 2019

dimanche 6 octobre 2019

Nos pisciculi in aqua nascimur

„Die Möglichkeit eines Gottesbeweises ergibt sich […] aus der Einmütigkeit, mit der die theologischen Schulen seit Jahrhunderten diese Möglichkeit als theologisch sicher vortragen.“
                            Diekamp, Katholische Dogmatik I, 1, §2

Wir werden im Wasser als Fischlein geboren
Und wachsen uns aus zu verschiedenen Kerlen
Und kriechen zu Ufern manchmal, wo die Flossen
Uns wachsen zu Füßchen, und dann gar zu Flügeln

Wogegen die, die jede Ausflucht verübeln
Stets brav weiterschwimmen im Bauch, unverdrossen
Nur Luftbläschen spuckend, und ihr Urteil fällen
Dass wir unsre Unschuld gen Himmel verloren.

Ja, Unschuld von Ehemaligen
Als ob es von Belang wäre
Was der Bibelgürtler über das Flüchtlingspack denkt.
Fällt das ins Ursprungsmilieu zurück
Kann es nicht mehr gerettet werden, zu
Verändert schon, es erstickt jetzt.

Kiemen muss haben die Unschuld, sie muss
Sein gemütlich, Mitschwimmertum, nicht dessen Gegenteil
Was auch immer behaupten mag ein Tertullian
Dieser negative Kopf, der es dennoch nicht zum Kirchenvater
__________________________________________schaffte.
Immerhin das.
Nochmal Glück gehabt, Engelchen.

5. Oktober 2019




vendredi 4 octobre 2019

Urvögel

Bekanntlich sind Vögel nichts anderes als Flugsaurier, die klug genug waren um zu überleben. Die schlauen Kerlchen schauen einen ja auch dementsprechend an. Es liegt eine vorsichtige, berechnende Kälte in Vogelaugen. Mich stört das nicht, ich verstehe es, mir sind diese Überlebenskünstler trotzdem sympathisch. Warum sollen einem Flugsaurier nicht sympathisch sein? Ich hätte womöglich sogar einen Tyrannosaurus sympathisch finden können, wenn der nicht so dumm gewesen wäre, schon vor mir auszusterben. Bisschen groß vielleicht, aber sympathisch. Kreatur muss keinen Dackelblick haben, um mein Herz zu erweichen. Dieses Herz haben schon ganz andere erweicht: Langwimprige mit Kulleraugen, weichem Fell auf dem Schädel, zarten Gliedern, Pfirsichhaut und melodiösem Timbre, Schönheiten, ja, aber innerlich keineswegs so zartfühlend wie seinerzeit eventuell der Tyrannosaurus, von dem wir nur wissen, dass er ein etwas kräftiges Gebiss hatte und eine recht tolpatschige, ruppige Gangart, wofür er aber auch nichts konnte, und ansonsten einfach nicht gerissen genug war, was sich dann übel rächte. Ein Kinderschreck wie so mancher bärbeißige Onkel, obschon im Grunde eine kreuzbrave Seele. Freilich sollten wir mittlerweile erwachsen geworden sein und unsere Voreingenommenheit überwunden haben. Sind wir erst einmal vom Schicksal bestraft, können auch wir uns nicht mehr verteidigen, wenn man dann nach den Knochen beurteilt.

i.

Noch gibts uns kaum und scheinen wir schon fast
Zu Ende, als Gelegenheit erschöpft, verpasst
Wo es vorher Äonen brauchte, bis ein Tier verschwindet.
Wer eines Tags Menschenfossilien findet
Wird sagen: Zwar nicht ganz zum Opteryx gelungen
Doch immerhin mit Schädeln schön geschwungen.

Noch gibts mich kaum und scheine dennoch fast
Erschöpft, ein Stimmlein unerhört verklungen
Weil Zwitscherei allein kein Dasein je begründet
Und bloßes Rumgeflatter in Vergessen mündet.
So fühl ich mich schon selbst in Stein gezwungen:
Höchstens bewahrter früher Himmelsgast.


ii.

Kann nicht mal fliegen und zu Fuß muss gehen:
Dem Tod entgegen Welt zu übersehen und verstehen –
Es mögen spätre sich damit befassen.

Kann nicht mehr richtig gehen, nur noch fliegen
Um sei’s nur einen Fuß auf den Boden zu kriegen
Von allen guten Geistern längst verlassen.

Sich festen Trittes in die Lüfte zu erheben
Scheint letztlich einzig Grobmotorikern gegeben.
Wer Hosianna pfeift, hat sich drauf eingelassen.


[Chacun sait que les oiseaux ne sont rien d’autre que des sauriens qui ont été assez intelligents pour survivre au cataclysme. Cela se voit déjà à la façon dont ces petits malins nous contemplent. Il y a une froideur prudente, calculatrice, dans l’œil des oiseaux. Cela ne me dérange pas, je le comprends, ils me sont tout de même sympathiques, ces spécialistes de la démerde. Pourquoi ne devrait-on pas ressentir de la sympathie pour des sauriens ? J’aurais même pu avoir de la sympathie pour un tyrannosaure, si ce dernier n’avait pas eu l’idée stupide de disparaître avant moi. Un peu grand peut-être, mais sympathique. La créature n’est pas obligée d’avoir un regard de chien fidèle pour toucher mon cœur. Ce cœur, il y en a déjà eu d’autres qui l’ont touché : des avec des longs cils obombrant leur claires mirettes, avec de la fourrure toute soyeuse sur le crâne, des membres fins, une peau de pêche, un timbre mélodieux, des vénustés, ça oui, et pourtant pas aussi empathiques comme éventuellement, dans son temps, le tyrannosaure, géant dont nous savons juste qu’il avait une dentition conséquente et une démarche maladroite et rude – ce qui n’était pas sa faute – et, sinon, manquait seulement de débrouillardise, défaut qu’il a payé cher. Une terreur des enfants comme tel oncle grognon qui, au fond, possède une âme d’or. Mais nous devrions enfin nous comporter en adultes et dépasser nos partis pris. Une fois que le destin nous aura punis, nous aussi, nous ne pourrons plus nous défendre lorsqu’on jugera d’après les os.]


3. Oktober 2019

samedi 21 septembre 2019

On Social Exchange


1. This Beggar’s Belief

L’optimisme de certains mendiants est stupéfiant. Celui-là, je le croise tous les jours et ne lui donne jamais rien, mais il me sollicite toujours, d’une voix invariable, comme en obéissant à un réflexe. Je pense qu’il ne me regarde même pas. Comment peut-il espérer que je lui donne s’il ne me regarde pas ? Me regarderait-il, non seulement je ne lui donnerais rien, mais en plus je le gratifierais d’une méchante grimace. Il a parfaitement raison de ne pas lever la tête vers ceux qui ne lui donnent rien, bien que, dans ce cas, il ne saura jamais qui ils sont. Notre existence entière est faite de la sorte, ce type de mendiant est carrément un symbole.

At any supermarket
The payer’s eyes must first be met –
How dare you frigging beggar blindly beg?

I’ve begged the living daylights
Out of myself and this is why
My call stays vocal while I turn my gaze awry.

I’m deaf, but when I’m slighted
My ear grows quick, it must construe:
You buggers should be taken down a beg or two.

The change in a fat wallet
Poor loot I aim to cull, milord
Comes even ruder than one’s blandest courtesy could afford.

[Der Optimismus mancher Bettler verblüfft. An diesem einen da gehe ich jeden Tag vorbei und gebe ihm nie etwas, und doch bettelt er mich unweigerlich an, im stets gleichen Tonfall, als gehorchte er einem Reflex. Ich glaube, er schaut mich noch nicht einmal an. Wie kann er hoffen, von mir etwas zu bekommen, wenn er mich nicht anschaut? Würde er mich anschauen, bekäme er nicht nur nichts, sondern würde außerdem sehen, wie ich unwillig mein Gesicht verziehe. Er hat insofern völlig recht, nicht zu denjenigen aufzuschauen, die ihm nichts geben, obwohl er dann nie weiß, wer das ist. Unser gesamtes Dasein ist so beschaffen, diese Gattung Bettler ist geradezu ein Symbol.]


2. Mendicus, mendax

Si, d’habitude, j’hésite un peu à trier mes congénères tout de suite d’après leur physique, cela ne vaut pas en cas de mendicité avérée. Quiconque choisit de s’y adonner, se trouve soumis à mon jugement immédiat, je le détaille comme du bétail.

S’il est jeune et vigoureux – il y en a de plus en plus – je l’assigne à la prostitution informelle, et dans l’éventualité que cela lui rechigne, aux secteurs sous-payés qui manquent de bras. S’il est mince et a l’air dégourdi, il n’a qu’à faire acrobate de rue, et s’il est carrément chétif et nul, il pourra toujours prendre la peine de maltraiter un petit piano en plastique pour divertir le public rarement averti du métro. S’il présente une tare quelconque, est vraiment moche, contrefait, voire mutilé, ou encore manifestement dépendant d’une substance toxique, je suis prêt à lui signaler avoir droit à de multiples allocs et à la Cotorep, aides d’État pouvant dépasser le Smic. S’il joue au pieux, je le renvoie illico aux bons soins de l’Église, ou plus probablement de la Mosquée, et s’il crache sur le bourgeois et cetera, je lui recommande de tout cœur de s’en remettre à la belle solidarité des amicales révolutionnaires. S’il est très jeune, il n’a qu’à taper papa maman, ses oncles et ses tantes, ou à défaut se retourner vers nos méritoires institutions de protection de la jeunesse, et enfin, s’il est très vieux, je lui file d’office la retraite minimale.

Il y en a donc peu qui passent le test et que je déclare aptes à exercer ce subtil métier qu’est la mendicité pure et simple. À ces aptes, je ne leur donnerais toujours rien, car je suis radin, mais du moins accepterais-je que d’autres leur donnassent. Sinon, tout acte de charité irrégulière me blesse personnellement. C’est triste que la réalité ne cesse de s’éloigner de l’image idéale que je lui réserve, mais ce n’est certes pas ma faute s’il y a désormais trop de gratuité dans le monde.

While tight ass winces, wears a frown, or jerks
He who hands alms out may not smile, and smirks.
I, pokerfaced – not blindly – go my way
Hating capitalism anyway.

Those begging are still of the trading sort
And whine to exploit each flaw the giving sport.
I’d rather kiss or hug ye, hapless brothers
Since loath to stoop to humiliating others.

You’d think I’ve got a heart no one can touch;
It’s the reverse: I love us all too much.
You’d then presume I’ve got a twisted mind.
See, things are worse: I simply am too kind.


September 19, 2019


[Credit: Wellcome Collection]

dimanche 15 septembre 2019

Chicken Lost

Poule égarée. Récemment, près de chez moi, je suis tombé sur une poule. Oui, une vraie, en pleine ville, devant la porte d’une maison, grattant de la patte à peu près comme le ferait un chat qui voudrait qu’on lui ouvre. Je l’ai regardée, elle m’a regardé, j’étais ému. Quoi faire ? Je la savais fort menacée, cette poule, si calme sur le trottoir et pourtant en danger de mort. En était-elle consciente ? Je la regardais de nouveau, elle me regardait de nouveau. Comment donc faire ? Dépassé par les événements, je ne l’ai pas sauvée. Je suis rentré, la surveillant, stupidement, de ma fenêtre.

Je le savais. Peu de temps après, un véhicule des éboueurs s’est arrêté, un jeune en bleu de travail en est sorti, rigolard, le gars de souche paysanne ou apparentée, en tout cas d’une de celles où l’on sait quoi faire d’un volatile perdu, puis il l’a attrapée et embarquée sans façon, la pauvre bête caquetant comme une folle, et c’est peut-être encore dans son camion qu’il lui a tordu le cou. Quoi qu’il en soit, ce soir-là, quelque part en banlieue, on boufferait du couscous à la poule.

J’ai un rapport sentimental, pas tout à fait normal avec les animaux, comme j’ai un rapport sentimental, pas tout à fait normal avec mes congénères. C’est que si j’ai en partie, moi aussi, des aïeux paysans, ils ont déménagé en ville il y a presque cent cinquante ans, et le reste, s’ils n’étaient pas citadins depuis toujours, et s’ils ont peut-être, quelques automnes, coupé le sifflet à de la volaille, ils l’ont fait par expiation et certainement pas en rigolant. Tout ça te rend incapable de réagir comme il faut lorsque tu tombes sur une poule en pleine ville. Des gens comme moi, c’est assez tragique, ne sauveront pas le monde. Mais les autres encore moins.

I looked into one bay-red eye
And it stared back, straight into mine
And I would so have wished that I
Could be that knight in armor’s shine.

Take off my sword, throw in my towel
I have to yield before I fall
But were I he who saves lost fowl
I’d literally save you all.

Surely I could identify
With chicken I’ve sustained the eye
Brave enough to empathize with men
Not apt to save the humblest hen.

[Verirrte Henne. Kürzlich bin ich bei mir in der Nähe auf eine Henne gestoßen. Ja, eine echte, mitten in der Stadt. Sie scharrte vor einer Haustür und benahm sich ungefähr wie eine Katze, die hereingelassen werden will. Ich schaute sie an, sie schaute mich an, ich war gerührt. Was tun? Es war mir klar, das sie sehr bedroht war, diese Henne, allzu ruhig auf dem Bürgersteig trotz Lebensgefahr. War ihr das bewusst? Ich schaute sie erneut an, sie schaue erneut mich an. Was zum Teufel konnte ich machen? Ich war überfordert von der Situation und habe sie nicht gerettet. Überwachte sie dann nur wie ein Idiot von meinem Fenster aus.

Ich wusste es. Wenig später hielt ein Fahrzeug der Müllabfuhr, und ein junger Mann im blauen Anton sprang raus, so einer, dem noch Bauernblut oder Vergleichbares durch die Adern pulsiert, der also weiß, was man mit einer verirrten Henne anstellt, hat sie gepackt, die wie verrückt gackernde mir nichts, dir nichts in seinen Laster verfrachtet und ihr womöglich schon dort den Hals umgedreht. Jedenfalls gab es irgendwo in der Vorstadt an diesem Abend garantiert Hühnerkuskus.

Ich habe ein sentimentales, verqueres Verhältnis zu Tieren. So, wie ich ein sentimentales, verqueres Verhältnis zu meinen Mitmenschen habe. Ich habe zwar auch teils Vorfahren aus dem Bauerntum, doch die sind schon vor weit über hundert Jahren in die Stadt gezogen, und die übrigen, falls sie nicht seit jeher Städter waren und vielleicht manchmal im Herbst irgendwelchem Geflügel die Gurgel durchgefiedelt haben, dann aus Sühne und sicherlich nicht lachend. Das alles macht einen unfähig, sinnvoll zu reagieren, wenn man mitten in der Stadt auf eine Henne trifft. Leute wie ich, es ist traurig, werden die Welt nicht retten. Aber die anderen noch weniger.]

14. September 2019

samedi 14 septembre 2019

Aus der Nähe, aus der Ferne

Stieß auf einen alten Kürbiskern aus revolutionären Zeiten, voller hundsmiserabler Gedichte, die noch nicht einmal das Konzept „Agitprop“ rettet, und verfasst von echten Revolutionären, die hinterher noch echte Unikarrieren hinlegten, also das, was ich verabscheue wie sonst wenig. Selbstverständlich ergriff mich dennoch Nostalgie.

Die alten Zeiten waren mies, ach, mies
Doch waren es immer noch weniger
Und das will etwas heißen.

Ich würde gern drauf scheißen
(Und bin doch kein Beschöniger)
Was seinerzeit die Zukunft noch verhieß.

Es ist mir leider nicht möglich
Drum leid ich unsäglich:
Mist und Müll, Kehricht und Kot
Vergolden sowohl Morgen- als auch Abendrot.

12. September 2019

mardi 10 septembre 2019

Talking


i.

Es ist noch früh, ich lese Creeley:
So schön und einfach sind nicht viele.
Zu spätrer Stunde kommen dann
Die kompliziertern Kumpel dran.

Das Komplizierte in der Dichtung
Ist wie das Dickicht um die Lichtung:
Es gäbe niemals ohne Wald
Jene naive Lichtgestalt.

Sie zeigt allein aus Plötzlichkeit
Das Dunkel mehr als Dunkelheit:
Wer vordrang bis ins Glück
Weiß, er muss zurück.


ii.

Habe wieder einmal davon geträumt
Mit anderen Menschen zusammenzuwohnen.
Ein Zimmer nur war für mich reserviert
Und wer ins Bad wollte, musste durch.
Mein Bett, leicht versteckt hinter einem Schrank
Doch wüsste jeder, der ins Bad ging: ich lag da noch.
Käme einer durch die Tür, würde ich mich rechtfertigen
Wie zufällig telefonieren und ins Leere sagen
Ich hätte die ganze Nacht über gearbeitet
Denn nur da hätte ich die nötige Ruhe
Doch es stimmte nicht. Ich hatte
Geschlafen wie jeder und lag jetzt einfach noch im Bett
Während die Mitbewohner, tätige Leute, schon längst auf waren.
Ich, schlechten Gewissens, hörte ihr dämliches Herumfuhrwerken.

Ja, ich, überlegen und mir doch Ausreden ersinnend.
Das habe ich wieder einmal geträumt.
Ich träume immer realistisch.



Talking

i.

Il n’est pas tard, je lis Creeley :
Plus simple et beau est impossible.
Après, ce sera l’heure des
Copains autrement difficiles.

En poésie, le compliqué :
Fourré autour de clairière.
Il n’y aurait pas sans la forêt
Tant de candeur et de lumière.

Ainsi, soudaine, elle nous montre
Mieux que la nuit l’obscurité :
On sait dès la rencontre
Du bonheur qu’il faudra rentrer.


ii.

Une fois de plus j’ai rêvé
D’habiter un appartement collectif.
Une seule pièce m’était réservée, et pour
Rejoindre la salle de bains, fallait passer par elle.
Mon lit se trouvait un peu caché derrière une armoire
Mais qui irait se laver saurait que j’y étais encore.
Si quelqu’un entrait, je me justifierais :
Comme par hasard, je téléphonerais disant dans le vide
Que j’avais travaillé toute la nuit, parce que
Seulement la nuit, je disposais du calme nécessaire
Alors que ce n’était pas vrai. J’avais dormi
Comme tout le monde et m’étais simplement pas encore levé
Quand mes colocataires, des gens actifs, étaient, eux, depuis longtemps debout
Moi, de mauvaise conscience, entendant leur agitation débile.

Oui, moi, supérieur et pourtant cherchant des excuses.
Voilà ce qu’une fois de plus, j’ai rêvé.
J’ai toujours des rêves réalistes.


8 Septembre 2019

lundi 9 septembre 2019

Maximae morales

Als Goethe mal geschossen ward beim Flitzen / Geriet’s ihm gleich zum Spitzchen gegens Blitzen / Denn Goethe wusste Willkür wohl zu nützen / Im Gegensatz zu mindern Audifritzen. // Wem so geschieht, der imitiere Goethe / Ausschlachtend was der Genius ihm geboethe: / Dem Dichter dienstbar seien seine Noethe – / Die Xenie bleibt, nicht so des Zornes Roethe. // Moral: / Was lahmen Schnecken träger Schleim / Ist Dichterfürsten rascher Reim.

1. Widerlegung

Schön ist nicht, sich in der eigenen Nase zu bohren
Noch, sich am Hintern zu kratzen, wo es einen juckt
Oder zu klauben den Schmalz aus den eigenen Ohren;
Unschön tut, wer seinen Kodder einfach von sich spuckt.

Schön ist, dem Liebesobjekt in der Öffnung zu fingern
Schön, dessen Spucke zu mengen dem eigenen Speichel
Schön, mit der Zunge in ein fremdes Öhrchen zu dringen;
Hässlich ist Eigenlob; schön, dem Geliebten zu schmeicheln.

Moral:
Was du willst, dass man dir tu
Das füg dir bloß nicht selber zu.


2. Xenia, Sort of

For quite a stretch no longer underage
The old boy claimed to have been relentlessly pursued for sex
At school, a grudge now sounding like regrets.

Song bird, whether its strain be premature, or timely, or belated
Does never trill of yesteryear, poor dater
While wailers have some clockwork integrated.

The recollecting mind can’t ever be as clear as a blank sheet
Foul memories are at no time flawlessly foul indeed
And that’s the most morally painful thing in them it seems.


3. Zitate zur Avantgarde

Vollkommner Freiheit droht der Leerlauf, fehlt
Was sich als Zwang dem Sang entgegenstellt
Und doch kann Künstlerwillen nicht erhalten
Was Schöpfung braucht an überwundnem Alten.

Vom Fluch ihrer Vergeblichkeit kurierte*
Was anderweitig die Kultur verschmierte:
Sind Dramen zu Komödien erst verkommen
Dann wurde die Tragödie ernst genommen –

Nur sag das mal dem, ders nicht selber merkt.
Moral: Ohnmacht bleibt das, was Ohnmacht stärkt.


7. September 2019

* Vgl. Th. W. A.: Eingriffe, Ffm 1963, S. 64 ff.

lundi 2 septembre 2019

Météo

La pluie tombait tel un très lourd rideau
Sur un bout de campagne antipathique ;
Je m’en foutais, bien au sec dans ma tire.
Après, m’a-t-on dit, il refaisait beau ;
Or, j’étais déjà loin de la musique.
Que voulez-vous, un temps de chien m’inspire.

Là où je vais, les condamnations tombent
Comme des couperets sur le fautif
Mais je m’en fous. Moi, j’ai des essuie-glace
Qui aident à traverser sans encombre
Et, toutefois, je n’ai pas de motif
Je ne suis là que par hasard, puis passe.

Faut être en position de force pour
Décréter s’il fait beau ou si ça barde ;
Sinon, tout n’est qu’avis ou opinion –
Voilà le résultat de mes parcours.
On se chamaille un peu dans la guimbarde
Tandis qu’en haut, ça prend des décisions.

1er Septembre 2019


dimanche 1 septembre 2019

Sonnenuntergänge

Ein Sonnenuntergang nur mit einem selbst ist etwas anderes als einer in Gesellschaft. In Gesellschaft hat er etwas Erhebendes; man erwartet Beifall, wenn der Vorhang fällt. Ein Sonnenuntergang nur mit einem selbst ist schlicht ein Sonnenuntergang; inneren Beifall gibt es keinen. Das Innere äußert sich, was Erhebung und nachfolgende Finsternis angeht, ohnehin komplizierter. Einzelreisen dieser Couleur sind nahezu unerträglich.


















1. Die Tage enden, wie sie enden müssen:
Jeder wie der vorher, mit seinem Au=
Gentrost vor des Verdunkelns Kümmernissen.

Tagsüber trügt der Sommerhimmel blau;
Erst gegen Ende ändert sich die Färbung
Stirbt stilvoll immer gleich, als Dauerwerbung.


2. Zerwühlte Laken sind nicht mehr ein Zeichen
Für wilder Nächte Rausch, der Eremit
Macht bei sich einfach keine Ordnung mehr

Es kommt nicht mehr drauf an, er wirft sich schwer
Noch unter Tags ins ungemachte Bett.
Zerwühlte Laken sind doch stets ein Zeichen.


3. Wer weiß, ob drohen schlimmer ist als lieben
Und fürchten leichter als geliebt zu werden –
Dies abendliche Leuchten, sonderbar:

Solang nur alles bleibt, wie es schon war
Ya sea por amor o por temor
Gibt es ein Hinterher und ein Zuvor.

31. August 2019


mercredi 28 août 2019

On the Tendency to Ride Up

Manche höheren Säuger, besonders aber die Trockennasenprimaten unter ihnen, entwickeln Gefühle für einfache Kerbtiere und erretten sie aus selbstverschuldeten Glimpflichkeiten; umgekehrt gilt es nicht. Umgekehrt gilt: Sobald nackte Haut erscheint, wird mitleidlos wahrgenommen.

1. Deus Culex

Du glaubst
Dich unbeobachtet, doch
Bist es nie. Aus heiterm Himmel flattert
Dir ein Strafzettel ins Haus: Der Schöpfergott
Sieht alles, alias der Teufel. Der
Teufel Natur.

Der geflügelte Culex, um nur ihn zu nennen
Erstanden, ach, aus unwägbaren Wassergründen
Menschenvergessner Finsternis schlechthin
Ist eine Kreatur, die einzig und allein
Dazu bestimmt scheint, andrer
Kreatur, womit ich selbst
Mich meine, schuldig oder schuldlos
Schaden zuzufügen, und nicht etwa aus Versehen
Sondern mit Absicht. Der Schöpfergott, der
Alles sieht, alias der Teufel Natur:
Soweit geht die Fürsorge nicht
Mich, schuldig oder nicht
Dem Culex zu verbergen, ich werde
So bitter verfolgt, dass mich in meiner Nacht
Gehüllt nicht ganz in Laken, noch menschliche Wärme verrät.

Der Culex sticht, grad wie ein Gott, gewissenlos
In preisgegebene Empfindlichkeit, und darf
Das offensichtlich – immerzu wird
Mit zweierlei Maß gemessen.

Mit sehr viel Glück zerquetsche ich zuweilen einen
Rein aus Eigeninitiative, mit Hilfe
Gerollter Tageszeitung –
So, als hätten ich keine Religion;
Der Schöpfergott hilft jedenfalls nicht dabei.
Culex gleicht dann dem Menetekel an der Wand.

Beobachtet und doch erbärmlich auf mich selbst gestellt
Als ob im Feldversuch, und mehr noch als Culex
Ursachen ausgesetzt, versuche ich
Mich in Gerechtigkeit.


2. Suicide Attack

Snatch an inhabited battledress.
Try and find its camoed breach flap.
Fumble for the hidden bomb, just grab it.

Pull it out.
Gawkers gathering.
Pull to trigger, do not quell it – smell it.

Then shell it.
Reeks even headier than battledress.
Start to swell it.

More rubbernecks gaping, reluctantly share
Rubbing concertedly that smell away.
Now, let’s see what happens.

Lone wolf outnumbered, over
Powered, overwhelmed
But not outsmarted.


August 27, 2019

jeudi 15 août 2019

West-östliches

“Die sogenannte Persönlichkeit ist angeblich das höchste Gut aller Erdenkinder.”           Eine Suleika, sinngemäß, Goethe zufolge

Freund, mach die Fenster zu. Es leben hier
Laute Bevölkerungen bei uns leisen Individuen
Dabei bestehn auch die Bevölkerungen in der Theorie
Durchaus aus Individuen; allein, dem widerspricht der
_____________________________________Ohrenschein.

Ist Lautsein an sich anti-individuell?
Wer plappert, denkt nicht nach, so sieht’s der Brauch
Und bis zum Denken brauchte es Jahrhunderte.
Wer zugereist ist, tauscht bloß laut sich aus.

Ist Austausch etwa anti-individuell?
Jetzt mach nur bittschön erst einmal die Fenster zu
Danach ist es mir möglich, drüber nachzudenken
Denn dafür braucht der Abendländer halt ein bisserl Ruh.

                                     
                                          

Ach, ihr Kolonialisten, ihr denkt alles her von euch;
Wir andern sehen’s vielleicht kollektiv, doch auch in Stücken.
Was euch das Individuelle deucht
Ist leider ebenso vom Ganzen blöd vermittelt.

Lernt fremde Sprachen und hört unseren Palavern zu
Statt eure dicken Ökofenster zuzuknallen:
Ihr würdet lernen, wie die Unnatur
Einsame Grübelei beschränkt bei allen.

Ihr selbst seid jene Jugendlichkeit, die
Allzusehr mit sich selbst beschäftigt
Um Traditionen dankbar sein zu können, wie
Monaden sich umkreisend stetig selbst bekräftigt.


14. August 2019

lundi 12 août 2019

Vanessa atalanta














On ne voit bien, dit-on, qu’avec le cœur –
C’est qu’on peut être pris pour une fleur.

Voilà le comble de toute insouciance :
Confiance de se poser où l’on pense.

Papillon papillonne à chaque instant ;
Mon cœur à moi est autrement constant.

Seul, il ne ferait pas de ces rencontres
Mais l’inconstance du vulcain lui montre.

 11 Août 2019

dimanche 11 août 2019

Inverted Snob


    „Wie die einen die Unschuld verfolgt
    Hetzt den andern sein schuldloses Herz
    Und haben alle doch gewisslich
    Dasselbe nur sich vorzuwerfen.“


The Maker, slouching on his cloudy throne:
Non-being is a being of its own.
In-vi-si-bility stirs all alone;
The crowd best worship phony thunderstone.

Too far away from where they tit for tat
When He chose cloud, non-being came with that.
Man, mortal, will, uncomfortably sat
Pray to the stony stool beneath his prat.

Those boulders dropped from high up were designed
To fit the tougher asses of mankind.
Non-being is no being that would mind:
Cloud-slouching Maker pampers His behind.

August 10, 2019

mercredi 7 août 2019

Dreierlei Ungeheuer


1. Zahnlose Glocken

Sonntagmorgens erschallt Glockengeläut bis hier
Lädt das Christenvolk ein, als wär es noch die Zeit.
Neuzugänge erfreut es;
Ältre sind des Vergangnen leid:

Nun, jahrhundertelang war das Geläut Befehl
Und wem das nicht gefiel, der sah sich besser vor.
Heuchelei ward entbehrlich
Doch so leicht überhört man nicht.

Manche hören auch jetzt noch das Gejohle von
Hexenjagden hindurch, oder Pogromgeschrei;
Solchen läutet es nicht den
Sonntag still und friedlich ein.

Wenn das Raubtier nur noch aus der Erinnrung faucht
Hinter Zoogittern dann, glänzt dessen Wildsein mild
Und dich rührt’s, wie es fortan
Seine Freiheit verloren hat.


2. Acerca del sueño de la razón

Hierzulande erstehn jetzt wieder Winkel wo
Rechtes Glauben erneut zu ’ner Verpflichtung gerann.
Ob nun Pflicht oder Kür – wie
Deutlich ist doch der Augenschein.

Man erkennt äußerst leicht, wem das Gemüt erfüllt
Daran, was Mensch so trägt oder nicht abrasiert;
Keck wird Innres nach außen
Umgestülpt zu des Himmels Lob.

Aus dem Smartphone erklingt krächzend das heilige
Donnerwort, überall – und sei’s im Untergrund –
Lässt an Ketten sich legen
Gottes innerer Leinehund.

Dass die Evolution Monster gebären kann
Wissen wir, aber dass sie nun gar eine Art
Theokratischen Phäno-
Typ hervorbringt bleibt wundersam.


3. Einhandhochseesegelei

Wer nur gründlich genug sein Universum leert
Der hockt freilich am Schluss in seinem Eigenbau
Auf dem Grund einer Pfütze
Statt umtost von der hohen See.

Wer vom Sturm übermannt hektisch den Stöpsel zieht
Der gerät in den Sog, ja in den Mahlstrom, denn
Badewannen sind häufig
Was ihm dünkte ein Ozean.

Transzendenz über Bord, Skipper, ist schnell vollbracht
Ebenso ist es leicht, noch auf dem Trockendock
Ungeheuer zu planen;
Alles andre ist von Gefahr.


5. August 2019


[Cultiver l'asclépiade pour sauver le monarque.  Photo : iStock]

jeudi 1 août 2019

Apollon musagète

La capitale est vide en Août.
Moi, comme toujours, je suis là, je
Suis resté sur le carreau, carrément suspendu
Dans le vide, quoi... Pas moyen de s’envoler avec
Le monde, et c’est à cause d’Apollon, maître des Muses.

Même dans le vide, il y a des dérangements
Et peut-être spécialement dans le vide.
Des ennuis particuliers, d’artiste.
Sous prétexte de canicule
Il y traîne un subtil parfum de caca :
Les habitants se sont barrés, mais ils ont
Abandonné derrière eux toutes sortes de nourritures
En décomposition, dirait-on, et on doit même constater
Qu’ils sont partis en laissant leurs radios allumées.
Août vide, fenêtres ouvertes, s’est donc empli
Et d’odeurs et de musiques de merde
Un véritable festival pour les sens
Et tout ça, la faute à Apollon
Maître estival, des Muses.

Parfois, par chance
Il y a un pauvre qui fouille
Pour délester un peu les poubelles ;
Or, le néant garde ses bruyantes puanteurs –
C’est bien ça son véritable secret – et
Ce n’est pas tel nomade égaré
Dans l’espace interstellaire
Qui saurait vider le vide
Causé par Apollon.

Il est parfaitement inacceptable, pensé-je
Que le ballet, le cortège des Muses
Soit aussi peu conséquent, mais
Je n’ai pas perdu ma raison pour autant :
Dans le néant de ces désagréments
Il me reste un peu de religion
Quelque foi dans la réelle beauté du monde
Bien que j’en sois exclu
En ce mois d’Août, simplement
Suspendu dans le vide.

Bah, si les dieux guident nos pas
Ils ne les guident surtout pas
Pour nous amener quelque part ;
Leur truc c’est mener nulle part.


21 Juillet 2019


samedi 27 juillet 2019

Ode zur süßen Einfalt mit alkäischem Schwänzchen

    Alles, worum unsere Generation gestritten hat
    Und worüber wir einer Meinung waren
    Hat sich durchgesetzt. Alles.
    Und was haben wir erreicht? Nichts.
    Dass sich alles durchgesetzt hat und man dennoch
    Nichts erreicht hat, ja noch weniger als das
    Ist ohne Zweifel das Schlimmste
    Was einem passieren kann.


Auch meine Heimat war Griechenland, voll schöner
Jugend so groß, und mit so kleinen Göttern:
Jenem, oft unter der Sonne des Abends
Nackt zwischen Olivenhainen ein Ziel anzustreben

    Nur das, worüber wir nicht einer Meinung waren
    Hat sich also nicht durchgesetzt – und mit
    Welcher Leichtigkeit, Freunde! – rein
    Gar nichts davon, nichts vom Edelsten, nichts
    Und nur deshalb ist es um die Welt heute
    Nicht besser bestellt als gestern.


Und des Olymps unerbittlichen Wundern
Eifersuchtsvoll manchen Lorbeerbekränzten
Just in ein weiteres Bäumchen verwandelnd
Ästchen wie siegreich gereckt in die ruhige Bläue.

    Übereinstimmung ist fürchterlich. Jede.
    Nur das Feige hat die Chance zu gewinnen.


Was ist, das sei auch; logischer geht es nicht.
    Was nicht sei, sei – auch Wunder erfüllen sich:
       Es bleibt dem Himmel die Gewalt, den
          Sterblichen jeden Triumph zu trüben.

26. Juli 2019

samedi 20 juillet 2019

One Loose Lips Sink Ships Dialogue


1.

So locker deine schönen Lippen auch ein Innerstes verraten:
Den Schlachten, die es zu verlieren gilt, folgen am besten Taten.

Ich weiß erst was von dir, und du von mir, nach ganzer Niederlage;
Wer nie zu weit geht, geht nicht weit genug, nichts steht mehr
______________________________________außer Frage.

    Und wirft das auch einen Vorausschatten auf alles künftige
_____________________________________Kriegen, es ist
    Dies stolze Verplappern von lockeren Lippen des Gegners
___________________________________verwegenste List.


2.

Lieber noch lockere Lippen als verräterisches Schweigen
    Frech behauptend, mit der Stille des Aethers eins zu sein;
       Es ist nämlich nur eins, was, beiläufig, nicht auf
          Einssein pocht, sondern zwingend auf Andres hinauswill.


18. Juli 2019



lundi 15 juillet 2019

Poesiegeschichte mit dem Ohr

Seltsamerweise schreibe ich meine eigenen Gedichte mit dem Ohr – ich sage sie mir selbst auf – doch höre die der anderen erst mit dem Auge.

Ob Copilot bei Aeroflot
Und Heldentod aus Atemnot:
Im Abendrot wie Hundekot
Die ganze Welt fällt aus dem Lot
Wenn Reimerei zu passen droht.

Fabrikschlot obgleich Rauchverbot
Despot im Sonderangebot:
Hier Butterbrot, dort Flüchtlingsboot
Schon kommt die Welt wieder ins Lot
Wenn Wahrheit ihr zum Reim verroht.

Ja, es gab einmal Zeiten
Da war nur richtig, was harmonisch klang:
Gleichklang und Richtigkeit
Richtigkeit und Nichtigkeit
Wahrheit und Klarheit;
Dann aber trat ein, was eintreten musste –
Am Ende genügten die Bilder sich selbst
Und mit ‚selbst‘ harmoniert eben nichts so recht außer
Einem weiteren ‚selbst‘, dem eigenen Echo.

Hungertuch und Trickbetruch
Warten, bis die Stunde schluch;
Bilderbuch und wilder Fluch
Kreucht so lange, bis der Kruch.

Wahr seien nur die Gedanken, so formulierte es ein ob seiner
Subtilität Gefürchteter, die sich selber nicht verstünden.
‚Selber‘, nicht ‚selbst‘, und
Darauf passt dann zum Glück wieder ein wenig.

15. Juli 2019

samedi 13 juillet 2019

Rathaus und Möwenflügel

Außer Haus zu gehen ist jetzt entmutigende Kühnheit. Die Bekannten, falls sie einem begegnen, grüßt man, und mag sogar ein Schwätzchen mit ihnen halten, doch die Unbekannten gehen nicht etwa nur grußlos vorüber, sondern sie tun – ob zu Fuß oder auf elektrifizierten Gefährten – gerade so, als gäbe es einen nicht. Sie schauen niemals bis in fremde Augen, auch dann nicht, wenn der Waghalsige sie probehalber anblinzelt, und meist ist es so, dass sie bei Engpässen keinerlei Anstalten machen auszuweichen – der andere muss den Unbekannten wie Luft sein – und dieser selbst ausweichen muss, rechnet er absurderweise mit der Möglichkeit eines Zusammenstoßes von Nichtentitäten. Die bizarren Anstrengungen, die neuerdings unternommen werden, um miteinander bekannt zu machen, verstärken das Phänomen. Es gibt nichts mehr zwischen dem Grußwürdigen – Küsschen! Küsschen! – und dem schlechterdings Nichtexistenten. Nicht regelrecht bekannt mit einem, aber dennoch im gemeinsamen Raum als lebensdichte Mitkreatur erkannt, das war einmal die Bevölkerungsmehrheit und ist im progressiven Finanzmarktkapitalismus zum schieren Nichts verkommen.

1. Rathaus

Das Rathaus scheint dafür zu sein, dass jeder Bürger sich
Auf eine Art von Einrad oder Radelrutsch begebe
Und derart ausgerüstet durch ewige Jugend schwebe
Und wisse nicht mehr, wer er sei und was Bewegung solle
Doch dafür mit Musik im Ohr dem Nichts entgegenrolle
Und es seh aus wie Daseinsglück, nicht etwa fürchterlich.

Rathaus begrüßt auch, dass die Einwohner der Weltstadt ganz
Entspannt nicht weiter als die eigne Nase vorwärts schauen
Namentlich, wenn durch Kot sie radeln rein aus Selbstvertrauen.
Ich wär noch lieber ein Stück Hundedreck auf dem Trottoir
Als einer, der nicht merken soll, was einmal besser war;
Doch von Vergänglichkeit kennt man im Rathaus nur den
_________________________________________Schwanz.


2. Möwenflügel


Dem Urschleim wuchsen Flösslein voll aus Feuchte
Und hinterher gar Flügelchen (klagt Benn)
Und als er demnach seiner selbst entfleuchte
Flog der Gedanke auf: Was wäre, wenn?

Was wäre, wenn es mich so gar nicht gäbe
Und ich Gedankenschleim noch immer wär?
Gottchen, das Fragen nützt nüscht. Schlag und lebe!
Die Antwort ist doch bloß nach unten schwer.

Sehr tief hinab zieht es den, der fein grübelt
Und wer sich solche Urschleimrätsel stellt
Der wäre wo? – es sei mir nicht verübelt:
Dem geht es meist recht gut in seiner Welt.


12. Juli 2019

mercredi 10 juillet 2019

Von Ehr und Treu


1. Pferde kotzen sehen

Der Roßtäuscher von Brassenheim täuschte einmal so dreist Roß und Reiter, dass er für ein paar Jahre nur noch durch die Gitterstäbe des Brassenheimer Zuchthauses täuschen durfte. Doch manche wollen es ja nicht besser, und so kam er reicher aus dem Turm heraus, als er in ihn hineingegangen.

Moral:

Wänn du mer ei∫<, es g e Pferd
I∫< es mer nit e Räppli wert;
Do< ∫<wör∫<, es g nummen e Kue
Krieg∫< vu mer öppes no derzue.

Die blutte Wohrhet i∫< nünt wert
No wenger wie ne lahmis Pferd.
Es Lüege het zu kurze Stoe –
So bitter i∫<, me <öt grad <oe.


2. Heldendarsteller auf sanftem Ruhekissen

Man sollte den Gnomen der Vorzeit aus Prinzip ein Maximum an Verständnis entgegenbringen, aber es gibt doch Grenzen. Zuweilen juckt es mich, besagte Grenzen auszutesten, und ich strebe nach abgelagertem Schund. So durchblättere ich seit Tagen die im Adenauerdeutschland sehr erfolgreichen und mittlerweile in den deutschen Spießerkanon aufgenommenen „Strahlungen“, worin sich drei Bände lang ein in Wehrmachtsuniform durch Paris stolzierender Gockel für einen Weltbürger hält, weil er mit den örtlichen Ekelfetzen im O-Ton plappern kann. Gleichzeitig wundert er sich, dass die unverdorbenen Kinder auf der Straße die Träublein, die der Herr mit dem Hakenkreuzadler ihnen anbietet, fast allesamt ablehnen, und schwafelt deshalb vom angeborenen Misstrauen zwischen den Menschen. Gestohlene Trauben wohlgemerkt, denn wo seine Devisen herkommen, fragt er sich nicht; feine Leute ernähren sich immer aus dem Lande, während die Eingeborenen gefälligst die Hände auszustrecken haben. Aus jeder einzelnen Zeile stinkt einem der Boche entgegen, und zwar der der allerprovinziellsten Sorte – derjenige, der meint, Opportunismus und das Benutzen von Toilettenwasser seien Zeichen von Urbanität und Klasse. Das hochtrabende Ganze dargereicht mit vielen fremden Federn und einigen eigenen Albernheiten – es gäbe mehr Proletarier als bessere Herrschaften, beispielsweise, weil man schließlich auch mehr graue als bunte Muscheln am Strand fände; mit solch spiritueller Naturkunde glänzte man zweifelsohne beim Entchendiner in der Tour d’Argent – und zum Nachtisch die schweinische Bemerkung, insofern sich das Schicksalsrad halt mal wieder gedreht habe, erwarte jetzt die Deutschen die Erfahrung der Juden: die eines „Skandalons“. Verächtlich zu sein oder verachtet zu werden kommt dem Stenz auf dasselbe hinaus. Nun, dass Talmi zum Innerlich-dagegen gehört wie Pommade zum Eintänzer, ist auch mir bekannt, doch dass man darüber geteilter Meinung sein kann, muss mit Kollektivschuld und -schande zu tun haben; und dass der alte Scholem aus privaten Gründen gewillt war, mit dieser Nummer ein paar Informationen auszutauschen, wird dann logischerweise aufgebauscht.
Gerade auch hierzulande lesen manche das Zeug mit Begeisterung, das ist wahr. Was mögen die Gründe sein? Sicherlich Lust am Tratsch und weil die finstere Zeit schnell ein Ende hatte; vor allem aber, man darf sich darüber nicht täuschen, weil man sein Bild vom deutschen Tölpel bestätigt findet. Wenn schon der stilistisch gepflegtere Teutone so stockblind und unerbittlich reinen Gewissens durch die Welt vandaliert, wie tumb muss dann erst der Rest sein... Die Lektüre des deutschen Salonlöwen befriedigt Germanophile
und Germanophobe.

Es findet der auch schofel seitens der Natur
Dass die für zwei Funktionen – die eine sublim
Die andere gemein – dasselbe Körperteil
    Bereitstellt. Gott, was stellt er sich denn vor?

Dass Sex und Exkretion sich mit demselben Winkel
Begnügen müssen, ist dem Saubermann ein Witz
Und eine Zumutung; allein, wo man mit allen
    Fünf Sinnen lebt, erkennt man gleich den Segen.

Ei, soll er sich das sentenziöse Maul, wodurch
Er freilich auch die Gänseleber in sich stopft
Dann noch bei seiner Art von Beischlaf stöpseln lassen
    Und reservier das andre Loch der Scheiße.


9. Juli 2019

lundi 17 juin 2019

Charade


Mon premier c’est Ἔρως, ou l’amour
Mon second c’est Θάνατος, ou la mort
Mon troisième c’est Ὕπνος, ou le sommeil
Mon tout ressemble au Ἑλϐετικὸς Τυρός, ou gruyère.

Quand tu t’endors
Le plus beau c’est toujours de disparaître.
Tu comprends de moins en moins
De tout ce qu’il y aurait à comprendre
Et puis rien.
Mais il y a encore un après.
Lorsqu’il n’y a plus d’après
C’est peut-être le plus beau des endormissements
Mais tu ne le sais pas encore
Tu le suspectes seulement.

Tous les trous sont pareils
Ce qui change c’est ce qu’il y a alentour.
Le monde est l’alentour changeant
Qui te force de péniblement choisir entre des trous
Car c’est le trou qui est le plus important – et
C’est le plus beau – le but toujours pareil.
Dedans, dedans.
Le plus beau c’est d’y disparaître.


Scharade

Mein erster heißt Ἔρως, oder Liebe
Mein zweiter nennt sich Θάνατος, oder Tod
Mein dritter wird Ὕπνος, oder Schlaf, gerufen
Mein alles ähnelt dem Ἑλβετικς Τυρός, oder Schwyzerkas.

Am Einschlafen ist immer das Schönste
Das Verschwinden.
Du verstehst immer weniger
Von alledem, was man verstehen sollte
Und dann nichts mehr.
Es kommt aber noch etwas hinterher.
Kommt nichts mehr hinterher
Ist das vielleicht das schönste Einschlafen
Das weißt du aber noch nicht, das
Ahnst du erst.

Alle Löcher gleichen sich
Nur das Drumherum ist verschieden.
Die Welt ist das verschiedene Drumherum
Das dich qualvoll zwingt, zwischen Löchern zu wählen
Denn das Loch ist das eigentliche – und das
Ist das Schönste daran – das stets gleiche Ziel.
Hinein, hinein.
Das Schönste ist das darin Verschwinden.


14. Juni 2019

samedi 1 juin 2019

Dirges


i.

Au marché d’Iéna
Il y a les plus beaux poissons de Paris
Étalés avec goût sur leur lit de glace.
Ceci dit, ils sont bel et bien morts.
Dans la mer, leur beauté était celle, fuyante, du vivant ;
Ici, ils chatoient dans le temps, au gré de l’œil qui musarde.
Dans la mer, ils passaient ;
Ici, tu y passes.
Dans la mer, tout était fait pour qu’ils ne s’attardent pas ;
Ici, tout est fait pour que tu t’arrêtes :
Approchez-vous, voyez de près comme ils sont frais !
C’est qu’ils se sont laissé prendre, les imbéciles.

Et dire que la vie qui reste
Au mieux, ne peut être que rappel de la mer
Sur un lit de glace.


ii.

Oh nimble mother of despair
Firm father of poor hope:
How bitter smells the open air
When through dark night I grope.

This blindness is my last asset
A dizzy dance I dare.
Oh staunchness, make me not regret
You, mother of despair.

The spin of death in mouth and nose
Makes up for life and lust
Oh mother, don’t cavort round those
Who soothe by breaching trust.


iii.

Wenn ich nicht wüsste, wo sie liegt
Würd ich die liebe Heimat nicht mehr finden
Sie hält sich allzu gut versteckt
In dunklen Wald- und feuchten Wiesengründen;

Doch weil ichs aufzustöbern weiß
Mach ich zuweilen eine Stippvisite
Im Reiche der Gemütlichkeit
Nach altbewährter Emigrantensitte.

Ich bin ein fremder Gast im Reich
Und muss nun zahlen für das Übernachten
Und deshalb weiß ich auch, ich bleib
Nur immer kurze Zeit im Angedachten.


26. Mai 2019

mardi 7 mai 2019

Ratschlag

Wer da, wo er geboren ward
Geduldig großer Dinge harrt
Und wird deswegen ortsbekannt
Der hat sein Leben in der Hand.

Wer in die fremden Städte zieht
Und jede Nacht im Dunkeln glüht
Ist auch ein Held des Lebens
Doch ist er es vergebens.

Was kann ich raten, Musenkind?
Geh dahin, wo die andern sind
Und tu in deiner Lebensgier
Als gäb es keinen neben dir.

6. Mai 2019

jeudi 25 avril 2019

Brevius tempus aetatis


i.

Auch vor dem Menschen gab es schon eine Geschichte
Doch als der Mensch erschien, wurde sie kürzer.
Wenn ein Saurier einen anderen auffraß
Geschah das über ganze Kreidezeiten hindurch
Immer nach dem gleichen Modell, aber sobald die Menschen
Begannen, sich einander an den Kragen zu gehen
Änderten sich in kürzester Zeit die Methoden
Sowie die Gründe. Ein Mensch braucht ganz offenbar
Andauernd neue Gründe, um einen anderen zu beseitigen –
Neue Gründe sowie neue Tatwerkzeuge
Und diese Notwendigkeit schärfte
Den menschlichen Verstand ungemein.
Saurier fraßen sich gedankenlos auf, allein
So etwas erscheint dem barbarischen Menschen als Barbarei
Weil es ihm einfach an der Geduld fehlt
Ganze Kreidezeiten hindurch
Der alte Adam zu bleiben.
Es ist der Preis für die menschliche Moral
Und, so scheint es, deshalb werden wir wohl auch
Nicht so lange die Welt beherrschen wie damals die Saurier.


ii.

C’est comme un givre qui s’était posé partout
Mais qui n’engourdit pas, qui éveille et rappelle
Le passé long au bref présent et les emmêle
Frimas qui n’endort pas, mais brûle, avive, bout.

Le temps s’est rétréci de façon violente
Nous ne comptons plus en années, mais rien qu’en mois :
Bouffer ou se faire bouffer – voici la loi
Qui nous protège désormais, foi consolante.

Une fois qu’on est grand, on peut s’épanouir
Au jour le jour, qui donc aurait besoin d’années ?
Tout ce qu’on chérit, à la longue est condamné
Quoi qu’il en soit, il n’y a que l’instant pour jouir.

Temps court, rendu sursis, l’heure, douceur amère
S’est faite en même temps et plus sombre et plus claire.


24 Avril 2019

mercredi 17 avril 2019

Von Desaster und Wiederaufbau

„Ich frage mich
Wie man noch genießen soll
Ohne sich schuldig zu machen.“
Das ist eine sehr moderne Frage, so modern wie
Die Angst des Versündigens an der Natur.
Früher ging es darum, das Sündigen
Möglichst zu genießen, und man fragte sich höchstens
Ob auch sündloses Genießen noch Genießen war.

Als Notre-Dame in dieser Nacht lichterloh brannte
War das ein schauerlich schöner Anblick
Der für Augenblicke vergessen ließ
Dass es die Schönheit der Zerstörung war.
Man verstand plötzlich Nero
Denn es ist einfacher, Nero zu verstehen
Als jeden Baumeister der Welt, wie
Die Natur selbst ja auch viel lieber zerstört als aufbaut.

Ich sehe dem Neuaufbau und seiner Lust
Eher gelassen ins Auge.
Man kann alles neu aufbauen – das
Was es war, ist es dann nicht mehr, aber
Es ist wenigstens der Beweis dafür
Dass es auch so etwas wie ein sündloses Genießen gibt.
In diesem Fall war die Sünde vorher.


Du désastre et de la reconstruction

« Je me demande
Comment on peut encore avoir du plaisir
Sans se rendre coupable. »
Voilà une question très moderne, aussi moderne que
La peur du péché envers la nature.
Dans le temps, il s’agissait plutôt de tirer un maximum de
Plaisir du fait de pécher, se demandant tout au plus
Si, sans pécher, on pouvait réellement jouir.

Cette nuit, quand Notre-Dame était en flammes
Ce spectacle, aussi épouvantable que beau
Faisait oublier pendant un instant
Que sa beauté était celle de la destruction.
Tout à coup, on comprenait Néron
Car il est plus facile de comprendre Néron
Que tous les bâtisseurs du monde, étant donné que
La nature elle-même détruit bien plus volontiers qu’elle ne construit.

J’envisage la joie de la reconstruction
D’un œil plutôt serein.
Si tout se reconstruit, rien ne sera plus jamais
Le même, mais
Cela offre au moins la preuve
Qu’il est possible de se faire plaisir sans pécher.
Dans ce cas, le péché, c’était avant.


16 Avril 2019

lundi 15 avril 2019

Ordveksel


1. Schwarzes Loch, Meise

Wer sollte hinter deinen Gemeinplätzen
Denn den Himmel vermuten?
Sollen sein wie eine Tür
Die in ein Unendliches aufgeht
Aber das liegt im Dunkel;
Die Tür geht dem Auge ins Nichts auf.

– Ihr sollt ja auch nicht mit dem Auge hören.
Das Pathetische, das du mir abverlangst
Doch nur deshalb, weil blind und taub.
Den Nachtwind kannst du ja noch spüren, oder?
Sollen wir alle eine Meise haben, damit ihr es versteht?


2. Façon pauvre

Fais toujours jouer la mémoire de ton enfance.
Il faut les imaginer
La tête emmaillotée façon Touareg
Ou sous un grand turban bordé d’or, façon vizir
Mais surtout pas comme ça, comme à première vue.

– Qu’est-ce que tu appelles à première vue ?
La mode change et
C’est le bond d’un tigre, selon Benjamin.
Y aurait-il des tigres en Arabie ?
Eh bien, parlons d’un envol de faucon.


3. Tendencies of Optimism

The times are bleak, but
When it comes to the future
Truth will win out, as many say.
Or more precisely: Truth will out – without
The win.
Which version do you prefer?

– The literal-minded opt for the latter.
The final outing of truth
Is seldom a win for mankind.
It is rather self-deceptive and of as risible
A kind as any youthful indiscretion later regretted.


4. Samenfatning og resumé

Findes der tigre i Arabien?
Den patos, som du kræver af mig
Skal være som en dør.
Moden ændres og
Hovedet dækket som en Touareg
Sandheden vil sejre, som mange siger.

– Bring altid dine barndomserindringer i spil
Når det kommer til fremtiden.
Man må forestille sig dem.
Tiderne er dystre, men
Skal vi alle være skrupskøre, så I forstår det?


14. april 2019

dimanche 14 avril 2019

On a Dream as Lively as They Come

C’est devenu assez rare, mais la nuit dernière j’ai quand même encore rêvé érotique. Depuis toujours, le propre de mes promenades nocturnes est l’incroyable fluidité des gens rencontrés. Les personnes avec qui je m’engage ne restent jamais elles-mêmes. Je commence un rapport avec X qui, fatalement, finit par être Y, comme si chaque grenouille devait se transformer dans le feu de l’action en prince charmant et vice versa. Ça a l’avantage que je peux me commettre avec n’importe qui, toute erreur de casting se répare. Dans la vraie vie, il faut sélectionner avant de s’enflammer. Quoi que. Pas plus tard quhier j’ai appris dans la presse l’horrible mésaventure d’une vedette du petit écran qui crut faire, en pleine nuit, la connaissance de quelqu’un de très frais, bon et confiant ; or, celui-ci, au sortir du rêve, se révéla n’être qu’une vulgaire racaille lui cassant la figure et vandalisant son joli appartement de parvenu.
Si le personnel de mes rêves à moi est beaucoup plus correct, troquant juste de visage, d’âge, de coiffure et parfois ce petit point de détail qu’est le sexe biologique, et tout cela avant même le lever du soleil, mon existence réelle, elle, se caractérise d’emblée par l’extraordinaire stabilité de l’entourage. Hors sommeil, nul ne se métamorphose radicalement au cours d’une embrassade, on ne fait que vieillir en silence, sans que l’œil puisse s’en rendre compte. En ce sens, le rêve est mon seul terrain d’exploration quant au mystère de la nature humaine. Il me procure l’insécurité tonifiante qui le plus clair de mon temps me fait défaut et me manque peut-être. Pourtant, cette vedette du fait divers mentionné, je ne l’envie aucunement. Je crains juste qu’elle ne les rêve pas assez, ses rendez-vous.

J’ai pénétré la forêt dense et une fois perdu
En elle, j’ai nagé dans un océan vaste et mou.
On a beau s’exciter, on ne sait jamais vraiment où
On est en train de s’enfoncer, car tout s’est confondu.

Le ventre vaste et mou du rêve admet la densité
De qui commence et qui s’achève par l’immensité.
C’est qu’il te faut bien l’étroitesse de la jungle intacte
Autant que l’ampleur vague de la houle pour tout acte.

13 Avril 2019

samedi 13 avril 2019

Appartenance intégration


i.

Es gibt in dieser Welt des gottgewollten freien Willens sowohl ein Innen als auch Außen, ein Dazu und Nicht-Dazu, aber manchmal will (freier Wille) das Außen nach innen, Nicht-Dazu zum Dazu, und die Probleme (gottgewollt) fangen an. Eine mögliche Lösung bietet die Nachtischbehandlung bei einer bestimmten, sehr geordneten, Form des Gastmahls.

Encore la question si
Invité, tu en auras droit, toi.
Serait-ce une question d’intelligence
Ou d’élégance – face à la loi, norme et coutume ?

N’es-tu pas déjà là, pour t’incliner avec nous, à notre table ?
Devrais-tu le chiper, tel un enfant, l’afikoman ?
C’est à coup sûr la proposition
Qui convient le plus.

Bon, à part ça, perdu pour perdu :
Grignoter des hosties n’a jamais été ton truc, semblerait-il
Pas plus que siffler leur piquette de messe ;
Quand à l’agneau pascal
– À simplement te regarder –
Sous quelque forme que ce soit... 

Elle est facile, l’appartenance ;
Aussi facile, l’intégration
Si la volonté y est.














ii.

Ging wüsten Wetters meines Weges
Und ging gemütlich, kappenbeschützt
Darunter das Wissen, wo zuzugehören.

Du bist ein Fremder auf den Straßen
Wie auch Gewitter kommt und geht
Und ob du hastest oder schreitest.

Des Nisan Sonne kam hervor.
Ich war noch lang nicht angekommen
Die kahlen Felder dampften

Nur Felder, ferne noch der Stadt
Unter der Kappe den fröstelnden Kopf
Voll Freude, nichts anzugehören.














iii.

Régulièrement, je suis invité à dîner chez ma tante qui habite un HLM. La semaine dernière, elle était dans tous ses états : « Est-ce que tu as vu ce qu’ils font dans la cour ? » Oui, je l’avais vu. Il y avait un jeune homme encagoulé en train de bomber un début d’arc-en-ciel sur un mur. « Mais, bon Dieu, qui a besoin de ça ? fit ma chère tante en haussant les bras. Et le comble : il paraît que c’est l’Office qui l’a invité, et ça va prendre tout le mur. » J’ai tenté de la calmer : « Ça peut être joli, à la fin. Ça te plaira peut-être. » – « Tu rigoles ? Faut avoir le mauvais goût des... oh, tu sais bien de qui je parle. »

Quand je suis revenu hier, on voyait l’œuvre, achevée, déjà de très loin. Effectivement, un arc-en-ciel au-dessus d’un dromadaire à la tête exagérément grosse, l’idée n’était pas des plus originales, mais quelle surprise : en me rapprochant un peu, je distinguai tout en bas la silhouette de ma tante levant la tête pour regarder, on aurait presque dit en vénération. Pour ne pas l’interrompre, je fis encore un tour, mais quand je revins un petit quart d’heure plus tard, elle était toujours là, et exactement dans la même posture. Soit elle adorait, soit elle voulait vraiment se faire une opinion. J’étais sur le point de repartir pour un tour supplémentaire lorsque mon téléphone sonna. C’était elle : « Mais où es-tu donc ? Je t’attends depuis un bon moment, et normalement tu es si ponctuel. » – « Je ne voulais pas te déranger devant le dromadaire. » – « Toi aussi, tu te fous de moi maintenant ? me répondit-elle, très énervée. Imagine-toi, quand il a eu fini sa saleté, tout le quartier était rassemblé mais personne n’a moufté. Alors, bien que j’aie été la seule à oser l’ouvrir, je lui ai dit mes quatre vérités. Et qu’est-ce qu’il a fait après, ce barbouilleur ? Il a eu le culot de me peindre devant, et, une fois n’est pas coutume, de façon si réaliste que tout le monde me reconnaît. »














12 Avril 2019