samedi 13 avril 2019

Appartenance intégration


i.

Es gibt in dieser Welt des gottgewollten freien Willens sowohl ein Innen als auch Außen, ein Dazu und Nicht-Dazu, aber manchmal will (freier Wille) das Außen nach innen, Nicht-Dazu zum Dazu, und die Probleme (gottgewollt) fangen an. Eine mögliche Lösung bietet die Nachtischbehandlung bei einer bestimmten, sehr geordneten, Form des Gastmahls.

Encore la question si
Invité, tu en auras droit, toi.
Serait-ce une question d’intelligence
Ou d’élégance – face à la loi, norme et coutume ?

N’es-tu pas déjà là, pour t’incliner avec nous, à notre table ?
Devrais-tu le chiper, tel un enfant, l’afikoman ?
C’est à coup sûr la proposition
Qui convient le plus.

Bon, à part ça, perdu pour perdu :
Grignoter des hosties n’a jamais été ton truc, semblerait-il
Pas plus que siffler leur piquette de messe ;
Quand à l’agneau pascal
– À simplement te regarder –
Sous quelque forme que ce soit... 

Elle est facile, l’appartenance ;
Aussi facile, l’intégration
Si la volonté y est.














ii.

Ging wüsten Wetters meines Weges
Und ging gemütlich, kappenbeschützt
Darunter das Wissen, wo zuzugehören.

Du bist ein Fremder auf den Straßen
Wie auch Gewitter kommt und geht
Und ob du hastest oder schreitest.

Des Nisan Sonne kam hervor.
Ich war noch lang nicht angekommen
Die kahlen Felder dampften

Nur Felder, ferne noch der Stadt
Unter der Kappe den fröstelnden Kopf
Voll Freude, nichts anzugehören.














iii.

Régulièrement, je suis invité à dîner chez ma tante qui habite un HLM. La semaine dernière, elle était dans tous ses états : « Est-ce que tu as vu ce qu’ils font dans la cour ? » Oui, je l’avais vu. Il y avait un jeune homme encagoulé en train de bomber un début d’arc-en-ciel sur un mur. « Mais, bon Dieu, qui a besoin de ça ? fit ma chère tante en haussant les bras. Et le comble : il paraît que c’est l’Office qui l’a invité, et ça va prendre tout le mur. » J’ai tenté de la calmer : « Ça peut être joli, à la fin. Ça te plaira peut-être. » – « Tu rigoles ? Faut avoir le mauvais goût des... oh, tu sais bien de qui je parle. »

Quand je suis revenu hier, on voyait l’œuvre, achevée, déjà de très loin. Effectivement, un arc-en-ciel au-dessus d’un dromadaire à la tête exagérément grosse, l’idée n’était pas des plus originales, mais quelle surprise : en me rapprochant un peu, je distinguai tout en bas la silhouette de ma tante levant la tête pour regarder, on aurait presque dit en vénération. Pour ne pas l’interrompre, je fis encore un tour, mais quand je revins un petit quart d’heure plus tard, elle était toujours là, et exactement dans la même posture. Soit elle adorait, soit elle voulait vraiment se faire une opinion. J’étais sur le point de repartir pour un tour supplémentaire lorsque mon téléphone sonna. C’était elle : « Mais où es-tu donc ? Je t’attends depuis un bon moment, et normalement tu es si ponctuel. » – « Je ne voulais pas te déranger devant le dromadaire. » – « Toi aussi, tu te fous de moi maintenant ? me répondit-elle, très énervée. Imagine-toi, quand il a eu fini sa saleté, tout le quartier était rassemblé mais personne n’a moufté. Alors, bien que j’aie été la seule à oser l’ouvrir, je lui ai dit mes quatre vérités. Et qu’est-ce qu’il a fait après, ce barbouilleur ? Il a eu le culot de me peindre devant, et, une fois n’est pas coutume, de façon si réaliste que tout le monde me reconnaît. »














12 Avril 2019


lundi 8 avril 2019

Kassandra und nahrhafte Gedanken


1.

Ey, grelle Fantenkuh im Porzellan:
Trompete hier doch nicht so rum.
Was geht uns denn die Zukunft an?
Der Weise stellt sich dumm.

Niemanden schert, was du zu zetern hast:
Scherbenzertrampeln schafft auch Raum.
Des Lebens finstre Zentnerlast –
Nur Worte, Worteschaum.

Und wären schwer und finster Schaum und Wort
Statt leicht und hell und grell und so:
Wundre dich nicht, dass hier wie dort
Nur blind und taub macht froh.


2.

Es ist schon so, dass nahrhafte Gedanken
Nicht nähren wie ein dickes Kotelett
Doch sind oft auch die Denker Raubgesellen
Die Beutewild das Fleisch von Leibe reißen

Mit ihren scharfen Fängen oder Pranken.
Allein, was wenig nährt, macht nicht recht fett
Obwohl wir uns ungern der Wahrheit stellen:
An Geistesknochen kann man länger beißen.

Du, was den Reichen nährt, nährt auch den Armen
Falls er sichs leisten kann, vom Fleische fällt
Kein Schwein spontan aus Logik und Vernunft.

So sehr gerecht gehts zu in einer Welt
Wo Folgerichtigkeit hat Unterkunft:
Ist da der Reiche arm, muss auch er darben.


7. April 2019

dimanche 7 avril 2019

Von schutzloser Schönheit

Dem schönsten Kinde fehlen beide Eltern –
Es wirft sich fremden Menschen an den Hals.
Wem fiel es ein, das Kind dafür zu schelten?
Die Grazie selbst ersetzt ihm seinen Stolz.

Ich wär so Schönem gar zu gerne hold:
Sein Pech, dass ihm der Mund geschwungen ist
Und lichtumrissen, weich der Wangen Gold –
Oh, Unhold, der ein solch Gesicht vermisst.

Das Kind vermisst den Schutzwall seiner Anmut
Einschmeichelnd wasserblauer Augen, sein
Gezwungnes Lachen leiht der Oberfläche

Die Tiefe, die es sich denn auch noch antut –
Doch mir die Kraft gibt, abweisend zu scheinen
Dem Ungeschützten, trotzend eigner Schwäche.

6. April 2019

jeudi 28 mars 2019

Urzeit, Uhr


1. Bloßgestellt

Was wir auch tun, meine ich
Wir tun es an der Oberfläche und in die Tiefe
Wir pflügen quasi.

Manche lieben das Pflügen, antwortest du
Tief pflügen, so richtig umpflügen
Den anderen Menschen, dem
An seine Braunkohle gehn
Mit dem Riesengerät, schrecklich
Im Tage- und Nächtebau, nachts unter Flutlicht
Und bei jedem Wetter
Man hält es auf die Dauer nicht aus.

Ich dachte es gedanklich, erwidere ich
Obwohl ich zugeben muss
Dass mich dein Missverständnis einigermaßen erregt
Ungeachtet des doch sehr rüden Hinweises
Auf die Braunkohle
Falls nicht gerade deshalb
Bei Gedanken weiß man eben nie.
Wenn uns jedenfalls etwas einfällt, dann
Fällt es uns auch an der Oberfläche und in der Tiefe ein.
Den Beweis dafür hast du soeben ja erbracht.

Was für eine Albernheit, entgegnest du
Glaubst du vielleicht, ich hätte nicht gewusst
Worauf du hinauswolltest?
Du bist aber nicht der einzige hier
Mit ganz oberflächlicher Tiefschürfigkeit
Oder tiefschürfiger Oberflächlichkeit meinetwegen.
Auch der Schwächsten Gedanken sind stärker als noch
Der gigantischste Schaufelradbagger
Und empfindsamer sowieso.
Nenne das Idealismus, wenn du willst.




2. Kurz bevor die alte Wanduhr den Geist aufgab

Ich zieh die Uhr auf. Weiß ich denn, wie oft
Noch? Tickt dann jeweils eine knappe Woche;
Frag bloß nicht, was sie sich davon erhofft
Und frag vor allem nicht, worauf ich hoffe.

Ein Klump, das man nicht aufzieht, öde Welt
Bleibt stehn, es ist sein Recht, doch wer nicht stehend
Aufhört, sondern in sich zusammenfällt
Der tut dies wenigstens – zum Ausgleich – sehend.

Wenn du mich ansiehst, lebhaftigsten Blicks
Und drüben in der Küche tickt die Uhr
Weil aufgezogen, tickend ihres Ticks
Und ihre Zeiger drehen sich immer nur

Dann dass ich, Aug in Aug, erschüttert, weiß:
Wir müssen weiter, dürfen nicht im Kreis.


28. März 2019

lundi 25 mars 2019

Wiederholungstäter


1. On Downy Flakes

Downy flakes – ein ganz normales Englisch, in ganz normalem Deutsch flaumige Flocken oder etwas in dieser Richtung – downy flakes also werden, von einem Eigendichter bombastisch übersetzt – oder vielmehr „übertragen“ – zu Flocken, erdwärts, was nahelegt, dass downy als downward verstanden wurde, obschon dieses Adjektiv zwar ohne Zweifel auf ein sanftes Fallen hindeutet, nicht aber auf Fallen schlechthin. Es gibt hier kein Wortspiel zu erfinden, und wer es tut, hört zu sehr in sich hinein, und vielleicht nichts als das, ob nun ein Notfall vorliegt oder nicht. Wenn man als Eigendichter  so in sich hineinhören muss, übersetzt – oder vielmehr „überträgt“ – man auch besser sich selbst, aber nicht diejenigen, die schon von sich aus genug zu sagen haben. Beim Verhältnis zu denjenigen, die schon von sich aus genug zu sagen haben, ist nur der kleinste gemeinsame Nenner möglich.

Als ich mich, viel zu früh, niedergelassen
Im Lebensraum der dunklern Unterklassen
Weil, Flaumbart, ich es selbst so wollte
Von allen guten Geistern stolz verlassen

Tat ich, was denn getan sein sollte.
Das Leben rollte weiter und es rollte
Mir aus den Augen, aus dem Sinn;
Es half indes der Zug zum Trunkenbolte.

Wurde ich glücklich, wo ich bin?
Die Tage fließen wie zum Glück dahin
Und eingelebt hab ich mich schon
In meinem Orplid nimmergrün.

Oh, holde Gabe Migration:
Gelübde sind ihr eigner Lohn
Bin ich dem Schlimmsten doch entflohn
Bin ich dem Schlimmsten doch entflohn.


2. Vom Zeitpunkt

Das Tier hat seinen Zeitpunkt, dann erscheint
Ein andres, gleiches, das am selben Ort
Das Gleiche tut. Der Mensch wechselt hingegen
Über die Zeiten Ansichten und Kleidung.

Es scheint, als wäre dies nur zur Vermeidung
Ewiger Wiederkehr, ihm ist daran gelegen
Speziell zu sein, quasi ein Ehrenwort
Das mit ihm steht und fällt. Nun, wenn er meint.

Dazu versaut im Gegensatz zum Tier
Er auch die Landschaft, so wie vorher sieht
Sie nicht mehr aus, hat er darin gewütet.
Ja, deshalb glaubt er, einmalig zu sein.

Mich stört es nicht, wenn auf dem kahlen Stein
Die Eidechse, die in der Sonne brütet
Nicht weiß, ob sie ihr eigner Ahn – sie flieht
Vor jedem Schatten doch genau wie wir.


24. März 2019

samedi 23 mars 2019

Lendemains de fête

Désormais, on trouve l’expression « qualité de vie » dans leur vocabulaire. Non plus la vie, la qualité de vie, ma belle, ce qui laisse supposer qu’une vie sans qualité, inqualifiable, serait envisageable, c’est-à-dire une vie telle que la non-vie lui serait encore préférable. C’est nouveau, ça. 
Avant, la qualité de vie, mais sans blague : elle était pour des gens de qualité, des imbéciles autrement dit, de pauvres cons de hauts fonctionnaires, par exemple, poètes à leurs heures, roulant en décapotable. Et maintenant, ce serait peut-être nous, sans grande poésie ni belle caisse, aux anges tant qu’il n’y a pas encore le déambulateur du peuple à nous attendre devant la porte ? On est tombé plus bas que bas. Ils disent vouloir aider, ces généreux, et nous, on n’a qu’une envie : qu’ils se cassent la gueule sur leur Corniche, dans leurs rutilants symboles d’intelligence, de souci pour les autres et de qualité de vie.

1.

Que je rêve d’insectes ou de biches –
Dorénavant, l’effet est identique :
Tiré de ma forêt de rais et d’ombres
Au revoir, gentils réveils à la trique ;
L’heure est à la raison, et je m’en fiche.

Belle aux grands yeux, s’attardant sous les hêtres
Ou prurit dans le tronc, grouillant, noirâtre :
Tout vit dans un domaine de décombres.
L’ère du bien, raisonnante marâtre
M’a bien dressé, il faut le reconnaître.

Onglon discret, mâchoire xylophage –
Plus rien que susurrement de bestiole :
Nuits aux bruits noirs, suivies de journées sombres.
Rêver est un royaume qui s’étiole
Et l’aube le début du recentrage.


2.

Ça gratte encore, deux-trois fois par an
Puis gratte, bougre, là où vous pensez
M’embête en devenant rouge foncé
Et une fois que ça a commencé
Finit par suinter, mais plus comme avant.
C’est bien là où j’en suis, quoi. C’est marrant.

Imaginons un homme plein d’envies
Et tout ce qui, cet être en sève, en somme
Lui fait rappeler sa condition d’homme
C’est que ça gratte et qu’il lui faut un baume.
Que ferait-il, cet homme plein de vie ?
Heureusement que moi, je ne le suis.


20 Mars 2017

dimanche 17 mars 2019

One Global Honey Bee Disaster

The worst-laid schemes work out and yet
There is some reason to regret
More canny stratagems might fail.

You ought to fly as bee swarm flies
Touch down and rub your hairy thighs
Where love is never done

But don’t forget: it burns with lust.
Those knees bestrewn with yellow dust
Flit over to another one.

The world has always been too smart
To not make choices by the heart
And pillage flowers in detail.

March 16, 2019

vendredi 15 mars 2019

Die Glaubensschlacht bei Jerusalem


Ich kannte einen frommen König, Waldemar
Der zog ins Heilge Land mit seinem Tross
Und weil dort unten gar so vieles anders war
Fiel er kurz vor Jerusalem vom Ross

Vom hohen Ross in Wüstendreck, Waldemar mein
Als wär er so weit weg kein König mehr.
Er lästerte: Und dieses Land soll heilig sein?
Dann half aufs Ross zurück ihm irgendwer.

Hoch oben auf der Burgterrasse Saladin
Dem nichts entging – gab es im Morgenland
Denn schon das Fernglas? – sprach zu seinem Paladin:
Schau da mal durch. Ist dir der Herr bekannt?

Des edlen Mohren Antwort ging, oh Waldemar:
Noch nie gesehn, die Rüstung funkelt schön.
Man kann dem ja vielleicht mit einer Reiterschar
Einen Schritt oder zwei entgegen gehn.

Entgegengehn ist klug, sinnierte Saladin;
Allein, ist es bei Gott der Mühe wert?
So wandte er sich erneut zu seinem Paladin:
Indes gemach, der fällt ja sonst vom Pferd!

Und fällt er uns vom Pferd und in den Wüstendreck
Dann ist – ei, wer wohl wieder mal dran schuld?
Wir aber wünschen Ruhe in unserm Teufelseck
Denn mehr zu wollen ist schiere Ungeduld.

Ein Kreuzzug ist und bleibt per se unangenehm:
Es traf zwar Orient auf Okzident
Kurz vor (oder vielmehr nah bei) Jerusalem
Doch jeder ruhend in seinem Element.

Glücklich kam er zurück, der König, von Gefahr
Und Kreuzfahrt – unbesiegt, in sich verwurzelt.
Gut, falls man, wenn es nottut, Bruder Waldemar
Vom hohen Rosse in die Gosse purzelt.

14. März 2019

lundi 11 mars 2019

Après lecture d’Avicenne

On s’est dit : Tiens, on va descendre dans la rue
Manifester pour le bien de la vérité
Car elle n’est pas suffisamment défendue
Si l’on reste en chaussons chez soi, voire alité
    Avec, dans les mains, le vilain canard du cru
    Ou devant sa télé, se tapant le Jité.

On est donc descendus dans la rue pour défendre
La simple vérité, qu’on connaissait de nom.
On l’a crié, son nom, scandé jusqu’à l’esclandre
Et puis après, on est remonté, c’était bon.
    C’était parfait puisqu’on a bien dû nous entendre
    Et qu’on était même dans le Jité, dis donc.

Matière et mouvement font un, disent certains ;
Mais aussi qu’il nous faut toujours une raison
Pour se bouger le cul, tel impetus divin
Qui nous fait faire pile ce que nous faisons.
    Normal alors qu’en vrais faux maîtres du destin
    On tape un peu du pied, puis rentre à la maison.

10 Mars 2019

mercredi 6 mars 2019

On an Early Oath

            [/v/vv/    /vv/v/    &    /v/vv/v    /v/vv/v/]

Through the last 40 years my solace has become
That I haven’t found home just anyplace I’ve lived;
Curing harms reasonless, wounds that refused to bleed
All have grown flowers since, roses of memory.
    Was I unsatisfied once? Could not blame anyone but me.

Forward, sociable youth: I was no different then.
We would take to the streets, letting as banners float
Greasy strand, smoky wisp, comrade Asclepiad
Handing out bantam tracts glowing with no demand –
    Life was not much and still was more than we had the right to
___________________________________________expect.

Come hermitical age: Who should be different, then?
Licking wounds seasonless, harms that ungainly scarred
Cig reek and hoary filth, comrade Asclepiad
Having lost umpteen teeth, mumbling with no command:
    Are we unsatisfied now? Less than life had the time to enact.
 
March 4, 2019

mardi 5 mars 2019

Schulstunde

[Was ich behalten habe, ist: Nacktsamer sind unter den Pflanzen eher besondere und unter den Tieren eher gewöhnliche. Das bedeckte Besamen ist, was uns Menschen angeht, der Sonderfall, zuweilen sogar strafbewehrt, meistens aber bloß ein Unfall. Die bunten Blumen hingegen, die – blütenreich – bedeckt besamen, haben es einfach weiter gebracht. Bedarf es noch einer Erklärung, warum die Menschenmännchen leider keine sind, und auch die Menschenweibchen nur so tun als ob?]

i.

Zwei junge Herzchen, die sich ungestüm belecken
Sind hübscher anzuschaun als geile Sabbergreise
Wo Schwung und Speichelfluss die Nachwelt nur erschrecken.

Was anfangs wahr war, muss nicht bis zum Sterben gelten;
Zwischen Weit weg und Nah dran liegen ganze Welten
Und es braucht wirklich keine weiteren Beweise
Warum sich bei der Liebe Schicksale verstecken.


ii.

Ich kalkuliere in der Kammer Sein und Sollen
Und schiebe lange Zahlenreihen hin und her
Doch plötzlich steigt aus jenem stillen Ziffernmeer
Eine Gestalt und macht das Rechnen mir zuschanden.

Der Schönheit Rohheit reicht, um heftig anzubranden:
Als wär der Hochsee Gleichmut eine Lügenmär
Wenn Wellen nicht mehr rhythmisch sanft im Sand verrollen.


iii.

Es hat der Gott den Menschen Liebe eingehaucht
Damit sie sich zwangsläufig auch um andre sorgen
Indes wird solche Liebe manchmal allgemein
Dabei mag einzig die spezielle nützlich sein –
Es bleibt der allzu vielfach Liebende allein.

Hör ich dann durch die Wand, wie manche sichs besorgen
Wird mir schon klar, warum es doch mehr Liebe braucht.


iv.

Beim Menschen weiß man, wie ihm nützlich ist Magie;
Bei Tieren auch lässt sich auf Hexereien schließen.
Von schönen Blumen andrerseits ist nichts bewiesen
Wenn sie zu wahren Blumenparadiesen sprießen.

Was soll man denn von einem Zaubergarten
Aus tausend Halluzinationen schon erwarten?
Bis hin zum Aberglauben schaffen sie es nie.


v.

Das Glauben stand seit je mit Wissen in Verbindung
Und wahres Wissen war noch nie hundertprozentig
Doch hinterlässt es unverwechselbare Spuren.

Wir glaubten nichts und wussten nur, dass sie uns ständig
Absprachen, was wir scharf am eignen Leib erfuhren;
Und hielten die Absprechenden uns auch lebendig
Blieb ihr Irrglaube dennoch Folter und Erfindung.


vi.


Als man sich durchrang zum Aufklärungsunterricht
Mocht niemand auf das Beispiel der Natur verzichten:
Von Flora handelten die wildesten Geschichten.
Das war einmal.

                                     Inzwischen fehlt die Phantasie
Das Aufklärungsgeschäft wie Bienchen zu verrichten –
Es wiegt der Jugendtraum Bildschirmpornographie
Sein eigenes unabwägbares Leichtgewicht.


vii.

Ich wachte auf, beflaggt, behisst, mit vollem Mast
Und dachte endlich mal was Rechtes und was Klares.
Solang ein stolz geschwelltes Körperschiff der Star ist
Ist alles drin, sogar die Fahrt auf Abenteuer.

Das Volk schwang Hüte, Mützen, Kappen ungeheuer
Und ich lief aus, am Steuer meiner Stella Maris
Das Ziel: Die Neue Welt. Mindestens. Oder fast.


viii.

Darwin hat es von stark und schwach und alles scheint
Gesagt, doch denke an die altersschwächsten Sterne
Die oben flimmern, und – obschon kaum sichtbar – sind
Womöglich tausendfache Sonnen und nur ferne.

Und zittern sie wie Espenlaub im dunklen Wind
Gibt es sogar im Diesseits einen Himmel, Kind
Der Schwach- und Starksein ungerührten Sinns verneint.


ix.

Früh übernimmt sich, was ein Pärchen werden will –
Ein Spruch so hingesagt, und Unsinn sowieso;
Kochen und heizen sich, sind aneinander froh
Und gehn danach auf das gemeinschaftliche Klo

Und ziehn vielleicht noch nicht einmal getrennt die Spülung
Und stehen trotzdem mit dem fremden Tod in Fühlung
Und stehen, sich umkreisend, still und doch nicht still.


x.

Gehört Bewegungsdrang zur Sphäre der Physik
Ist Fortschritt ein Gebiet jenseits der Wissenschaften:
Reine Kinetik oder doch Streben nach Glück?
Kommt darauf an, Rollen und Drehen ist auch Haften.

Wer weiß schon, ob er vordringt oder bloß umrundet
Und wer, wann ihm die Zeit gehört, die ihm gestundet?
Nur eines bleibt versichert: Es gibt kein Zurück!


1. März 2019


vendredi 22 février 2019

Trauergesang auf einen alten Park

Rosen und Narzissen:
Die Hosen sind verschissen.
Narzissen und Rosen:
Dann wechsle die Hosen.

Chrysanthemen, Lilien und Dahlien:
Und wer soll die Waschfrau bezahlien?

    Die Waschfrau und den ganzen Scheiß?
    Johanniskraut und Ehrenpreis!
    Der Nimbus ist und und bleibt versaut:
    Johannispreis und Ehrenkraut!



Nelken und Tulpen:
Ihr seid alle Nulpen.
Tulpen und Nelken:
Auch Nulpen verwelken.

Dahlien, Lilien und Chrysanthemien:
Ihr solltet euch aber was schämien!

    Was schämien und in euch gahn
    Klee, Wegerich und Löwenzahn!
    So wie ich selber in mich geh
    Potz Löwenwegerich und Klee!



                                      *


Viel schönes Unkraut im erneuerten Park
Hat die altväterlichen Blumen ersetzt.
Es ist jetzt halt so, Dummerle.
Anscheinend ungestört wachsen lassen
Tatsächlich aber doch kontrollieren
Ausdünnen, regulieren
Mit unsichtbarer Hand –
Diese neue Freiheit ist zwar keine
Sieht allerdings verdammt echt aus.
Man hat dazugelernt:
Erst französisch, dann englisch, und letztlich das da
Inmitten zerstörter Natur.

Am Ende fragst du dich
Ob du einem solchen die Gartenschauen
Nach dem Lineal der Spießer nicht noch vorziehst.
Da wusste man wenigstens, woran man war.

 22. Februar 2019

Viel schönes Unkraut 
[Photo: Lorène Lavocat, für Reporterre]

mardi 19 février 2019

Jahreszeiten, Tageszeiten


1. Frühling

Der Frühling kommt. Ist er des Winters Lohn
Wie etwa Morgengrau nach einer Winternacht?
Es sind jetzt Zeiten, wo nichts mehr erhellt
Und „Vorwärts!“ mehr bekümmert als „Zurück!“

Von nun an schadet zu genauer Blick;
Besser, die Linse ist auf ungefähr gestellt
Und, was denn sein muss, wird dazugedacht;
Adorno spricht bei Eichendorff davon.

Ja, etwas Trost bleibt hinter Nebelwänden.
Ja, Tag soll, kaum begonnen, wieder enden.


2. Phosphorlicht


Ist es das, was am Ende zählt?
Spätabends Phosphorlicht, als ob
Ein Ufo landen würde.
Es ist dies, Bruder, keine Bürde
So Fremdes in der eignen Welt.

War auch nicht viel zu sehen:
Wir traten aus der Dunkelheit
Doch hielten uns gebannt
Hänsel und Gretel an der Hand;
Es knirschte unter unsern Zehen.

Nichts andres kann es geben!
Und tät sich gar der Boden auf
Ein Zauber, Phosphorlicht –
Unwirklich, Schwester, wär es nicht
Nicht mehr, als alles Menschenleben.

[Luminescence. Serait-ce ce qui compte enfin ? / Très tard, cette lueur comme si / Atterrissait quelque ovni. /  N’est point lourde à porter, mon frère / Chose étonnante en notre sphère. // Si peu à voir et néanmoins / Nous sortions de l’obscurité / Hansel et Gretel fascinés / Mais en nous tenant par la main ; / Sous nos pieds craquait le terrain. // Il n’y a certes rien d’autre, rien ! / Et même si le sol s’ouvrait : / Magie... luminescence... rais... / Seraient, ma sœur, aussi réels / Que nos destins sont naturels.]

19. Februar 2019

vendredi 15 février 2019

Two Kitsches


1. Paris Kitsch

Da lese ich mal wieder in der Muttersprache von meinem Umfeld und es kommt auch beim „Weltoffenen“ unverzüglich die „Pariserin“ und „das“ Baguette vor, immer noch, und dann am Ende womöglich noch der beliebte Lyriker, der vom Pont Mirabeau springt, denn schließlich fließt drunter die Seine et la joie vient toujours après la peine.
Ich muss blind sein, doch Leute, die offen sichtbar mit ihrem Brot bewaffnet herumlaufen (port ostentatoire, gesetzl. geregelt), sehe ich recht selten, meist steckt das lange Trumm irgendwo mehr oder weniger gut verborgen – ich überraschte nur einmal einen mit seiner Krücke unterm Arm davoneilenden Piccoli – bei „Pariserinnen“ kann man sich nie sicher sein, ob sie nicht eher aus dem idyllischen Trifouilly-les-Oies stammen, und sehr, sehr viel häufiger wählt selbst der lebensmüde Intellektuelle den Sprung vor die Metro (ärgerlich, gibt Verzögerung) oder auch einmal den Kleintransporter einer Wäscherei. Kleintransporter und Wäscherei, falls man das Schmutzige an der Unterwelt scheut. Freitod via Brücke ist wirklich selten, das Seinewasser ist schlicht nicht einladend genug, aber vielleicht gelingt es eines Tages ja, es zumindest so attraktiv wie die bumsvolle Suppe in der sel. Piscine Deligny zu machen. Warum nur ist kein Ende beim Pariskitsch abzusehen?
Die örtliche Bevölkerung hat in null Komma nichts das Gauloises-Rauchen aufgegeben, bewegt sich immer weniger in verbeulten Gebrauchtwagen fort, und ist, Femino-Stalinismus sei Dank, mittlerweile auch dabei, das Dragieren und Dragiertwerden zu verlernen; man versteht darunter eine bestimmte Art der Kontaktaufnahme, die Deutsche zwar aus Filmen kennen, wofür es in ihrer Sprache aber meines Wissens keinen passenden Ausdruck gibt. Ich befürchte allerdings, der Pariskitsch wird selbst das noch überleben. Dabei gibt es tausend triftige Gründe, hier trotz allem euphorisch herumzuturnen.

French law, as far as I’m au fait
With it, bans concealed carrying
Of bread, their world-renowned bagay
Has to be toted openly
    In public space, a sound position
    Given the role of posh nutrition.

Paris is peaceful, though it may
Resolve to take out Fairy Queen
But then in its own stylish way:
See it, race through it and thus die.
    (A plot spot à la Morrison
    Rewards upmarket tourism.)


2. Berlin Kitsch

Es wachsen dort begabte Leute heran, zuweilen hochbegabte, namentlich auch unter den Wortingenieuren, die mit ihrer Begabung dann offenbar kaum etwas anfangen können, es ist ein Drama der Verschwendung in einem so der Verschwendung abholden Land. Die Produkte, die sie herstellen, sind ausgezeichnet, häufig geradezu genialer Konzeption, voller großartiger Details, haben allerdings nur einen ganz beschränkten Gebrauchswert, und jenseits der Landesgrenzen fast gar keinen mehr. Weil sie dem Exportweltmeisterland entstammen? Es sieht danach aus. Das Land befruchtet sie, aber wie soll jemand, der sich von so einem befruchten lassen muss, etwas zu sagen haben außer: Wovon ich mich nun einmal leider befruchten lassen muss, das gefällt mir letztlich nicht, denn ich bin, als Frau ohnehin, doch auch als Mann, vom Temperament her zu nahe bei meinen Kompatriotinnen, wir passen einfach zu gut zueinander, und deshalb haben wir kein anderes Thema als unser unglückliches Selbst, erfasst in seiner Erdrücktheit unter der Masse von zu regem literarischen Leben erweckten Trostlosigkeiten, oft den perfekten Resultaten örtlicher Ingenieurskunst. Auch außerhalb des Exportweltmeisterlandes zerbrechen ständig Beziehungen, aber der Exportweltmeister an reflektierter grundlos kaputter Beziehung ist und bleibt der Exportweltmeister, nur lässt sich das, im Gegensatz zu Maschinen, zu unser aller Glück kaum exportieren.

This fine place brims with commonplace
Like everyday domestic fight;
They seem to have no graver issues there.

To appreciate the local Bear
One has to fly in over night
And relish the unblonding of a master race.


February 15, 2019

jeudi 14 février 2019

Das Land im Himmel

Diese ständig verreisenden Deutschen scheinen sich bei sich eben nicht so recht wohl zu fühlen. Warum nur? Gibt es einen Grund? Ich sehe ihn für sie nicht, sehe nur, dass sie in der irgendwie nicht so recht von ihnen geliebten Heimat – jedenfalls nicht ausreichend geliebt, um nicht bei der geringsten Gelegenheit daraus für Tage oder Wochen zu verschwinden – ihren steuerrechtlichen „Lebensmittelpunkt“ haben, dort das Geld für ihre reflexhaften Landfluchten verdienen. Als dialektischer Materialist ist damit alles für mich gesagt, ich muss nicht weiter ergründen.

Heimat, oh schöne Heimat.
Die schöne Heimat, die beginnt, wenn ich mit dem Auto
Bei Peterstal die steile, verschlungene Schwarzwaldroute
_________________________________________hochfahre
Die wunderschöne mir unbekannt gewordene Heimat
Keine Ahnung, wie die Menschen dort denken und leben
Wenn ich an der Tankstelle zum ersten Mal wieder
Nach sehr langer Zeit
An einen mir unbekannten Landsmann das Wort richte
Und er antwortet mir ganz selbstverständlich
Weil er natürlich nicht erkennen kann
Dass es oft einen Sekundenbruchteil dauert, bis ich
Den passenden Ausdruck gefunden habe
Dass ich simultan aus einer anderen Sprache übersetze, wenn ich
In meinem wie in Formol konservierten altbadischen Dialekt mit
______________________________________ ihm verhandle
Dass ich von vornherein in der schwächeren Position bin
Wie einer, der im Spiel den Ball bergaufwärts werfen muss
Und es mich plötzlich schaudert:
Bergaufwärts, bergaufwärts, ja, die
Fremdeste Fremdheit ist die unbemerkte
Die fremdeste Heimat die meine

Und sie liegt nicht im Himmel.

12. Februar 2019   [Von Heimat II]

mercredi 13 février 2019

Fexe

Der friedensbewegte Deutsche, dem, persönlich zu Recht oder Unrecht, der Ruch des bekehrten Schlägers anhaftet, dieser Friedensbewegte hatte seinen Anflug von Rechtfertigung in Kleinstaaterei. Und, es fiel uns bloß nicht so richtig auf, solange es noch die alte Bundesrepublik und die DDR gab, war dieses alte romantische und notgedrungen friedfertige kleinstaatliche Deutschland ja wiederauferstanden. Die wirklich große Zeit der Friedensfexe kam allerdings nach der Wiedervereinigung, als sich eine Art großdeutscher Großmannssucht über die Hintertür, auf Sammetpfoten, wieder eingeschlichen hatte, mit der Preußenhauptstadt als trendigem Mittelpunkt, mit neuem deutschen Sonderweg und so, wiedererlangter „voller Souveränität“, die vielleicht sogar erlauben könnte, die Rolle eines Züngleins an der Waage zwischen den USA und Russland zu spielen, und dem erbärmlichen FDP-Minister-Ansinnen nach festem Friedensapostelsitz im UN-Sicherheitsrat, weil der Deutsche es schließlich besser weiß, genug unter den von ihm angezettelten Kriegen gelitten hat und seither nur noch Apfelsaft verträgt. Die Wiederkunft des Unangenehmsten ist immer das Wahrscheinlichste bei den Völkern.

Als sie noch rein aus Größenwahn
Und gleichzeitigem Minderwer=
Tigkeitskomplex die Bösen warn
Es ist noch gar nicht lange her

Als sie noch deutsch warn wie Germanen
Und noch nicht so wie die von heute
Sich schämen mussten ihrer Ahnen
Warn es doch schon dieselben Leute.

Nun sind dieselben deutlich besser
Und glücklicher komplexbeschwert:
Es reicht nicht mehr zum Menschenfresser
Nur noch zu Meister Ehrenwert

Nur grade noch zum Pädagogen;
Der Rest der Welt bleibt ungezogen.

12. Februar 2019   [Von Heimat I]

mardi 12 février 2019

De l’ordre des choses


1. Affût perché

Quand je me suis trouvé mon lieu d’observation
Dans les arbres
Mais des arbres citadins
Ce n’était pas de là
Que j’aurais pu observer les saisons
Donnant de persistantes images de feuilles usées
Qui prennent des teintes de feu pour se détacher en flammèches
Aux premiers coups de vent perdus
Ou de celles qui se reforment sur les branches effeuillées,
_________________________________tendre vert enroulé
Pour insister, candidement, sur un nouvel élan
Automne avant printemps, dans cet ordre
Suivant la logique du calendrier hébraïque ou scolaire* :

Ce qui danse ici en automne, ce n’est pas feuillage
Et ce qui insiste au printemps, ce n’est pas feuillage non plus
Tout ici est faune, est gibier, est chair
Chair enflammée qui pourtant tombe, ou chair qui se fait.
Ici, la saison se passe une fois pour toutes
Ici, on ne vit qu’un seul printemps et un seul automne
Et dans cet ordre.
Ici, la nature s’exprime dans les gens
Parfois dans des arbres mais
Qui doivent faire sans.
Ici, point d’éternel retour
Pour soulager les pauvres âmes.

* Cette remarque concernant le début de l’année, d’un genre qu’on peut sans peine trouver soi-même, je l’ai en fait piquée à Linda Pastan, dont les excellents poèmes sont seulement un petit peu gâchés par la circonstance que leur créatrice évolue de toute évidence dans des sphères fortunées. (Another Autumn, in: The Last Uncle)


2. Nu sentimental

Les personnes de ma connaissance qui ont eu des affaires spécialement avec des soldats, ne s’y étaient pas engagées parce qu’elles aimaient les uniformes ou en pinçaient pour des vainqueurs et prenaient ces combattants à peine adultes pour tels, mais plutôt parce que leur sort les touchait au cœur. Elles les fréquentaient parce qu’ils avaient l’air si misérables : dressés aux traumatismes, ils leur semblaient des vaincus même si une guerre n’avait pas encore eu lieu. Elles couchaient avec eux aussi et surtout parce que les gars devaient avoir besoin de consolation. Le sex-appeal des petits militaires s’apparente à celui des chiens battus, et que le plus souvent ils n’en ont nullement conscience, rend leur charme d’autant plus ravageur.

C’est un nu et un nu sentimental, les nus
Ne le sont pas facilement, sentimentaux
Et s’ils parlent aux sentiments, ils sont déjà
Plus nus que nus, aux qualités pour philosophes.

Normalement, c’est le regard qui t’apostrophe
Non pas la peau, et moins encore peau qui n’a
Ni bouche ni regard car étendue, de dos
Là où la vie n’est que surface ou étendue.

Armurés par-dessus, camouflés en héros
Nus en peaux de soldats, faits de vulgaire étoffe.

[Diejenigen Personen aus meinem Bekanntenkreis, die sich speziell mit Soldaten eingelassen haben, taten es nicht deshalb, weil ihnen etwa die Uniform so gefiel oder sie etwas für Sieger übrig hatten und diese jungen Männer dafür hielten, sondern viel eher deshalb, weil sie ihr Schicksal innerlich anrührte. Sie ließen sich mit ihnen ein, weil sie so unglücklich, so auf Traumata gedrillt, so nach schon Besiegten aussahen, selbst wenn überhaupt noch kein Krieg stattgefunden hatte, und schliefen mit diesen kaum erwachsenen Kriegern vor allem auch deshalb, weil die den Trost nötig zu haben schienen. Der Sexappeal der unteren Ränge ähnelt dem von geprügelten Hunden, und dass denen das meist nicht bewusst ist, macht sie nur noch betörender.]


7  Février 2019

lundi 11 février 2019

Exode rural

L’exode rural est un phénomène qui continue et on peut se poser la question – et je l’ai fait – pourquoi l’humanité est la seule espèce sur terre qui préfère, pour elle-même, l’élevage en batterie à celui en plein air. Mais les choses sont ce qu’elles sont, et en tant qu’humain évoluant en batterie je ne suis guère qualifié pour critiquer.
On connaît les effets dévastateurs sur la sexualité d’une vie en communauté trop serrée. Si le paysan a du mal à trouver des congénères, il a toujours, à l’instar de ses bêtes, la possibilité de s’acoquiner avec du non-congénère, alors que le citadin, entassé, stressé, dépassé, ne sait plus où donner de la tête. Le résultat est connu : les villes se peuplent de plus en plus de manière bigarrée tandis que la campagne, uniformément, se désertifie. La logique est implacable.
Quand je vois la foule de jeunes hommes, avec des tas de mioches accrochés à eux, ravager les magasins bio en pleine métropole alors que les producteurs des victuailles ont de longue date cessé de féconder à succès, tout en sachant que ces jeunes citadins sont en général acculés à la plus sauvage des promiscuités reproductives, je ne me demande plus où le monde va, je le sais.
Heureusement, « Balance ton porc ! » est arrivé, mais avec un mot d’ordre qui loupe encore sa cible. Et le paysan, lui, il en pense quoi, de cette suggestion contre nature ? Il tient à ses bestiaux, le pauvre, il n’a rien d’autre, lui.

Tant que Blanchette, fallait la traire
Et qu’on allait saigner cochon
L’homme de bien savait quoi faire
De beaux jambons et gros nichons.

Depuis qu’il a quitté la ferme
Et qu’il n’égorge plus ses poules
L’homme de bien fait de son sperme
N’importe quoi, et tout s’écroule.

Trop tard. Le retour à la terre
Ne peut être une solution :
Quand le biquet se met à braire
Ne reste que la castration.


[When milking suited Molly’s teats
And sticking all the hogs
One still knew how a good man treats
Nice ham and brimful jugs;

But since that man abandoned farming
And stopped to neck the chick
Behavior patterns grew alarming
Uncheckable the prick.

Alas, too late for back-to-nature:
There ain’t no tutoring
Once minor ram has turned a major
Apart from neutering.]


11 Février 2019

dimanche 10 février 2019

On Possessing

Da gibt es wohlhabende Deutsche, die sich im Süden ein schönes altes Haus kaufen, es drängt die Deutschen ja wie zwanghaft in den Süden. Zum Renovieren lassen sie dann allerdings deutsche Handwerker einfliegen, denn den örtlichen kann man schließlich nicht trauen. Sie wollen es wie zu Hause haben, deutsche Wertarbeit, und damit gelingt es ihnen problemlos, den heimatlichen Muff noch in die südländische Villa zu holen. Stolz zeigen sie das Ergebnis ihren einheimischen Nachbarn, die bei aller Höflichkeit nur ihr Deutschenbild bestätigt finden.
Als das Haus meiner Großeltern zum Verkauf stand, griff ein Mann zu, der uns erzählte, dass dies schon immer sein Traumhaus gewesen sei. Schon als kleiner Junge habe er sich gesagt, in so einem Haus wolle er später einmal wohnen. Er verdiente dann genug, um es sich leisten zu können. Dieses Haus war umgeben von einem Garten aus lauter Obstbäumen, Beerensträuchern und allmählich verwildernden Rosen. Unverzüglich wurde das ganze Zeug abgeholzt und durch properen Rasen setzt, nichts als Rasen, saugepflegt, völlig offen zur Straße hin, damit man es auch gut sehen konnte, das Traumhaus. Er hat auch die alten Fenster sofort ersetzt: Traumhaus hat jetzt keine Fenster mehr, sondern verglaste Löcher. Wie es innen aussieht, will ich gar nicht wissen.
Andere umwerben ihren Traummenschen und sobald sie ihn haben, versuchen sie sich ihn zu unterjochen und all das köstliche Alte in ihm auszumerzen. Der Mensch ist nicht fürs Besitzen geschaffen, höchstens fürs Bewundern. Man muss das Bewunderte quasi schon vorher besessen haben, um es nicht, sobald man es auch von Amtswegen besitzt, zerstören zu wollen. Das Schon-vorher-Besitzen ist das der Erben, die über Jahrhunderte unangetastet lassen, eine Haltung des Niedergangs. Sie führt zu schönen Ruinen, denn ein Erhalten und Bewahren muss man sich auch leisten können, und das nötige Geld verdienen solche Menschen auf die Dauer natürlich nie.

When push comes to shove
And have comes to love
The ruin is near.

None of us to blame, dear
Tender heart, pretty dove
Time’s hanging above.

Things are getting bright
When blind comes to night:
We should not possess!

It’s all but a mess
When shine comes to light.
Close eyes and be quiet.

[Il y a des Allemands aisés qui s’achètent telle belle vieille demeure dans le Sud, on sait assez comment ce Sud les attire et obsède. Mais pour la rénovation, ils font venir par avion des artisans allemands, car on ne peut pas faire confiance aux locaux. Ils veulent que ça soit comme chez eux, du travail de qualité, et en effet ils réussissent à faire entrer dans leur villa méditerranéenne remugle et grisaille teutons. Tout fiers, ils montrent à leurs voisins du coin qui, courtoisement, se trouvent confortés dans leurs clichés sur l’Allemagne.
Lorsque la maison de mes grands-parents a été vendue, l’acheteur nous a dit que dès son enfance, il avait désiré vivre dans une maison comme celle-ci. Plus tard, il a donc pu se le permettre. Cette maison était entourée d’arbres fruitiers, de groseilliers et cassissiers, et de rosiers en train de redevenir sauvages. Toutes ces vieilleries furent aussitôt arrachées et remplacées par une pelouse proprette, totalement ouverte sur la rue afin qu’on puisse bien la voir, sa maison de rêve. Illico, les vieilles fenêtres furent, elles aussi, virées ; depuis, la maison n’a plus de fenêtres mais des trous vitrés. Je préfère ne pas savoir ce qui a été fait à l’intérieur.
D’autres font la cour à leur partenaire de rêve, et dès qu’ils le possèdent, ils essayent de se l’assujettir et extirper de lui tout ce qui est exquisément enraciné. L’être humain n’est pas fait pour posséder, seulement pour admirer. Ce qu’on admire, il faut déjà le posséder auparavant pour ne pas essayer de le détruire sitôt qu’on en est finalement devenu le propriétaire légal. Cette possession avant la possession est celle des héritiers qui laissent les choses en l’état pendant des siècles, une attitude de déclin, qui a pour résultat de belles ruines. Car conserver et maintenir, il faut pouvoir se le permettre, et l’argent nécessaire, de telles personnes, à la longue, elles ne le gagnent jamais.]

February 9, 2019

jeudi 7 février 2019

Von Krieg und Frieden

Schließlich hab ich mir die Hölle ausgemalt, von der jeder weiß, dass es die anderen sind. Die anderen sind zum Glück immer die Bösen, denn wo um Himmels willen kämen wir hin, wenn wir selbst es wären? Besteht die Hölle aus einem Haufen von Hauptschülern, zu denen es einen Abiturienten verschlagen hat, der nun deren Sauforgien und gegen Brillenträger gemünzte Blödeleien zu ertragen hat? Ja, so konnte man es sehen, solange man damit rechnen musste, in Friedenszeiten eingezogen zu werden. Gegen einen echten Krieg, wo es echt drauf ankommt und sogar die Allerdümmsten ihre menschlichen Qualitäten beweisen können, ist sicherlich viel weniger einzuwenden als gegen das schlichtweg widerliche Kasernenklima im garantierten Frieden. Der liebe Gott, um auf den zurückzukommen, hat Dumme und Kluge geschaffen, Feige und Mutige, und dazu noch den schönen Gedanken vom ewigen Friedenskönigtum, aber es war der unzulängliche Mensch, der die von allen Bildungsunterschieden erlösenden ernsthaften Kriege erfunden hat. Die Erwartung der Hölle mag die Hölle sein, während die Hölle selbst dann nur noch halb so schlimm ist, weil sie jeden voll auslastet. Persönliche Sensibilität spielt dann kaum noch eine Rolle.

Im Schatten die Soldaten
Erholen sich vom Krieg;
Die andern in der Sonne
Tagträumen jetzt vom Sieg.

Die Träumenden sind alle
Knochen, sonnengebleicht;
Die Braunen unter den Bäumen
Nehmen’s Leben gerade leicht.

Im Schatten immer noch besser
Als im Schein der Sonne zu liegen
Und wer das Gegenteil
Behauptet, weiß nichts von Kriegen.

[Enfin, je me suis imaginé l’enfer qui, comme tout le monde sait, c’est les autres. Encore heureux que les méchants c’est autrui parce que si c’était nous-mêmes, Dieu sait où ça nous mènerait ! Est-ce que l’enfer est constitué d’un tas de tarés incultes parmi lesquels on a envoyé un pauvre intello qui doit maintenant supporter leurs orgies de bière et leurs blagues foireuses sur les porteurs de lunettes ? Oui, c’était une façon de le voir, tant qu’on devait craindre la conscription en temps de paix. Car en vrais temps de guerre, quand ce n’est vraiment plus de la rigolade, même les très-ignares peuvent témoigner de leurs qualités humaines, alors qu’en temps de paix garantie, le climat dans les casernes est simplement insupportable. Le bon Dieu, pour revenir à lui, a créé les stupides et les intelligents, les lâches et les courageux, et en plus la belle idée d’un royaume de la paix éternelle, mais ce sont les hommes imparfaits qui ont inventé la guerre sérieuse qui donne leur chance jusqu’aux plus cons. Si l’attente de l’enfer est peut-être l’enfer, l’enfer lui-même n’est pas aussi grave que ça puisqu’on est suffisamment pris. Les sensibilités personnelles n’ont du coup plus aucune importance.]

6. Februar 2019    [Ecce Homo IV]

mardi 5 février 2019

Diesseits von Gut und Böse

Daraufhin hab ich über das Paradies nachgedacht, in das alle Anständigen doch anscheinend kommen, versucht, das wieder im Zusammenhang mit dem Bildungsgrad zu sehen, und mich gefragt, inwiefern es für einfache, gutgläubige Menschen überhaupt möglich ist, zwischen Gut und Böse, Recht und Unrecht zu unterschieden, wenn es zwar so etwas wie ein Naturrecht gibt, die heiligen Schriften jedoch ziemlich unklar darüber sind. Da haben die armen Leute die besten Absichten, meinen, das Gottgefällige zu tun, und andere mit ihrer Schulbildung schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, reden von archaischem, überzogenem Ehrgefühl und stecken sie womöglich jahrelang ins Gefängnis, während sie selbst sich des Paradieses sicher wähnen und beseligt Halleluja singend in die Zelle wandern. Und wer entscheidet am Ende? Diejenigen, die es besser wissen und sie verurteilt haben, oder die naiven Kindlein, die nur taten, was sie ihrem heiligen Buch entnommen haben und für ihre gottverdammte Gläubigenpflicht hielten? Weder die einen noch die anderen, sondern der himmlische Vater allein, der sich allerdings so zweideutig ausgedrückt hat, dass aufgrund der beschissenen Rechtslage nur der generelle Freispruch in Frage kommt.

Die schlechten Menschen lieben Steaks
Die guten nur Gemüse
Tee, Sojamilch und Biokeks
Pfeifend auf alles Süße.

Die schlechten Menschen saufen Bier
Und spülen nach mit Korn;
Die guten, die verdursten schier
Und kennen keinen Zorn.

Die Schlechten saugen sogar Blut
Jawohl; die Guten spenden.
Doch wären alle Menschen gut
Wo sollte das bloß enden?

Es endete im Paradies
Wo Adam Äpfel fräße
Und Eva, fastend, nicht mal dies –
Stets gibt es Gut und Böse.

Und kämpften Gut und Böse nicht
Und täten sich dort lieben
Sie würden just vom Weltgericht
Erneut daraus vertrieben.

[Après, j’ai réfléchi sur le Paradis où tous les hommes de bien sont censés monter, et j’ai essayé de le voir en corrélation avec le niveau d’instruction d’une personne. Je me suis alors demandé si pour des petites gens simples et de bonne foi il est possible de distinguer le bien du mal, ou de différencier entre ce qui est juste et ce qui ne l’est pas, étant donné qu’il existe peut-être un droit naturel, mais que les saintes écritures sont très peu claires. Les braves gens peuvent avoir les meilleures intentions et penser faire la volonté divine et d’autres, diplômés, lèvent, horrifiés, les bras au ciel, parlent d’un archaïque sens de l’honneur hypertrophié et les foutent pendant des années en tôle, tandis que eux, se croyant assurés de leur place au Paradis, rentrent en cellule en chantant des cantiques. Et qui décide à la fin? Ceux qui savent mieux ou les pauvres enfants de Dieu qui, naïvement, ont fait ce qu’ils ont déduit de leur saint livre et pris pour leur sacré devoir de fidèles ? Ni les uns ni les autres, mais le seul Père céleste qui, lui, s’est exprimé de façon tellement ambiguë que dans cette situation légale merdique, il ne lui reste que l’acquittement général.]

5. Februar 2019    [Ecce Homo III]

lundi 4 février 2019

Von Gott und dem Brexit

Ich hab mir das dann doch nochmal überlegt mit dem Jesus, der bei manchen Meistern so gebildet aussieht, und dem so bildungsfern wirkenden Volk um ihn herum, einschließlich Jüngerschar, und kam zu dem Ergebnis, dass sich die Leute, die ihm nachgerannt sind, auf jeden Fall verhört haben müssen. Er hat sich wohl so kompliziert ausgedrückt, dass jeder das rausgehört hat, was er wollte, beziehungsweise reininterpretieren konnte, was sich in seinem ungeübten Gehirn schon als Abfall befand, und das gesamte Gerede schließlich auch in dieser verhunzten Form niedergeschrieben wurde, sich die neue Religion also nur aus Missverständnissen heraus entwickelt hat, und logischerweise – hoc est corpus, hocus pocus – auf Lateinisch weitergepredigt wurde, bis die Leute angeblich nachgekommen waren, was jedoch nichts ändert: Der Wurm steckte von Anfang an im Apfel, weil gebildete Menschen einfach nichts Allgemeinverständliches zu sagen haben. So sind wir schnell bei den Kabbalisten, die ja behaupten, die ganze Bibel sei das reine Chaos, nichts würde stimmen und man müsse nun halt notgedrungen noch einmal alle Buchstaben durcheinanderschütteln, wolle man dahinterkommen, wie es ursprünglich gedacht gewesen sei. Aber kann man denn tatsächlich herausfinden, was zum Teufel die göttliche Meinung ist, solange man noch nicht einmal eine Ahnung davon hat, wie die englische Königin über den Brexit denkt? Die Queen sagt nix, weil sie es mit keinem ihrer Untertanen verderben will, und der Allmächtige hält es vermutlich genauso. Das würde allerdings bedeuten, dass er mit voller Absicht einen allzu kultiviert erscheinenden Typen als Erlöser herabgeschickt hat.

Wenn Kinder Kinder kriegen, sind das Enkel
Wenn Schuhe Schnüre haben, sind das Senkel
Wenn Zeiger Zeit anzeigen, sind das Uhren
Wenn etwas im Koran steht, sind das Suren
Wenn durch die Nacht es flattert, sind das Eulen
Und hat die Weisheit sieben, sind das Säulen:
   Erst bei der Weisheit weiß man nicht so recht
   Und das, weil Weisheit Zweifel hat, zu recht.

Wenn Häschen Bauchweh peinigt, liegt’s am Möhrchen
Wenn du dich falsch verhört hast, liegt’s am Öhrchen
Wenn Wäsche faltig trocknet, liegt’s am Mangeln
Wenn Fische nicht mehr schwimmen, liegt’s am Angeln
Wenn Krieger Blasen kriegen, liegt’s am Marsch
Und dunkelt das Furunkel, liegt’s am Arsch:
   Erst ganz am Ende weiß man nicht so recht
   Und das, weil Dummheit endlos ist, zu recht.

[Puis, j’ai encore réfléchi sur cette énigme d’un Jésus qui semble tellement cultivé chez certains maîtres, par rapport à des gens du peuple, disciples inclus, ayant l’air de sombres idiots, et je me suis dit que ceux qui lui ont couru après ont dû mal saisir ses paroles. Sans doute s’est-il exprimé de façon si compliquée que chacun a entendu ce qu’il a voulu entendre, ou compris ce qui traînait déjà comme rebut dans son cerveau inexercé, et les laïus ont par la suite été retranscrits sous cette forme massacrée. Résultat : une nouvelle religion née de malentendus, qu’en toute logique on a continué de prêcher en latin – hoc est corpus, hocus pocus – jusqu’à ce que les gens atteignissent soi-disant le niveau. Or, ça ne change rien : le ver était dans le fruit dès le début, parce que les personnes très cultivées n’ont rien à dire qui parle au commun des mortels. On arrive vite chez les kabbalistes qui prétendent que la Bible entière n’est que pur chaos, que rien en elle n’a de sens et qu’il nous faut malheureusement secouer toutes les lettres si l’on en veut connaître l’intention originaire. Mais est-il simplement possible de savoir ce que, diable, pense Dieu en vérité tant qu’on ne connaît même pas l’avis de la reine d’Angleterre quant au Brexit ? La reine ne dit rien parce qu’elle ne veut pas se fâcher avec le moindre de ses sujets, et l’Éternel fait probablement pareil. Ça signifierait du coup que c’était en connaissance de cause qu’il a envoyé un type à la dégaine trop érudite pour être le rédempteur.]

4. Februar 2019     [Ecce Homo II]

samedi 2 février 2019

Beim Lesen alter Gedichte

Oh, wäret ihr in den Jahren des Fortschritts
Nur ein klein wenig fortschrittlicher gewesen
Dann hättet ihr möglicherweise
Den nachfolgenden Rückschritt verhindern können.

Doch wart ihr, als ihr euch fortschrittlich wähntet
Kaum fortschrittlicher als die Rückschrittlichen
– Ich lese bei Kraftmeier: „Titten“, „Negergehacke“,
____________________________________„Schwuchtel“ –
Und weil ihr den Rückschritt derart vorwärts trugt
Machtet ihr es ihm so leicht – es genügte
„Sexismus, Rassismus & Homophobie“ zu verbannen.

Jetzt kommen vermutlich manche und schreien:
Wir aber nicht!
Ich aber sage euch: Ihr auch, und vielleicht sogar noch schlimmer
Trotz oder gerade wegen eurer Heiligenbildchen, dem
Schielauge und der Zicke mit dem Turban
Um wie Kraftmeiers zu reden.

Die paar dichtenden
Titten, Neger oder Schwuchteln der Zeit
Konnte es so ganz am Rande
Auch nicht herausreißen – dröhnender durchhallte
Das alte Deutsch der Soldatenstiefel
Die Villa Massimo

Bevor, engelhaft sanft und harmlos, der erwartete
Rückschritt durch ihre Pforten trat.

2. Februar 2019

lundi 28 janvier 2019

Caravaggio, Roman Period

Als ich mich in der völlig überlaufenen Ausstellung durch die zum Fotografieren gereckten Telefone und die Brandmauer von mit Audioguides bewaffneten Möchtegernbildungsbürgern bis zu den Gemälden vorgekämpft hatte, fiel mir sofort auf, dass es dieser Caravaggio auch schwer mit der Bildung hatte: Seine Jesusse – speziell die aus der römischen Zeit – haben zumindest Abitur, falls sie nicht studiert haben. Nur, ob sie es in ihren sozialwissenschaftlichen Fächern, in ihrer Soziologie, Politologie, Kulturanthropologie etc., bis zu einem ordentlichen Diplom gebracht haben, geht nicht hervor. Bei den anderen dargestellten Personen ist noch nicht einmal sicher, dass es zum Hauptschulabschluss gereicht hat; sie sehen eher aus wie Leute, die allzu früh schon auf dem Feld oder in der Werkstatt mithelfen mussten. Ich fragte mich dann allerdings, wie ein derart feiner, feingliedriger Erlöser genug Redekraft entwickeln konnte, um solche Menschen von sich zu überzeugen. Wohlwollende mit tollen Ideen gibt es viele, aber den das volkstümliche Publikum mitreißenden vitalen Ton treffen nur die allerwenigsten von ihnen. Mir kam Rudi Dutschke und dessen Schicksal in den Sinn, und es wunderte mich nicht mehr im Geringsten, dass sie den da mit seiner Heiligkeit des unnützen ewigen Studenten schließlich an ein Kreuz genagelt haben.

There’s thousand ways to paint a man
But just one way to represent
His kind: the way you paint that man.

If one would ask me to portray
One’s human nature as God-sent
I wouldn’t know the proper way.

Describe the man, depict his aim
For both are naturally blent
And thousand ways are one and same.

[Quand j’ai réussi à me forcer un chemin à travers les téléphones brandis en appareils photos et la muraille d’assoiffés de culture armés d’audioguides, et que j’ai pu enfin voir les tableaux, je me suis immédiatement rendu compte que ce Caravage, lui aussi, était fan de culture : ses Jésus – tout spécialement ceux de la période romaine – ont tous pour le moins le bac, s’ils ne sont pas carrément allés en fac. Seulement, on ignore s’ils les ont aussi poursuivies jusqu’au diplôme, leurs études en sociologie, politologie, anthropologie culturelle etc. Chez les autres personnes représentées, il n’est même pas garanti qu’ils ont poussé jusqu’au certif, ayant plutôt la rude mine de ceux qu’on a bien trop tôt sollicités aux champs ou dans les ateliers. Je me suis du coup demandé comment un rédempteur aux traits aussi fins avait pu développer assez de force rhétorique, afin de convaincre de tels rustres. De bienveillants aux idées généreuses il y en a plein, mais très peu d’entre eux savent trouver le ton juste, fait de vitalité et de faconde, qui enthousiasme le public populaire. J’ai alors pensé à Rudi Dutschke, ce soixante-huitard par trop pacifiste qu’on a voulu assassiner, et je ne m’étonnais plus du tout que cet autre, avec son air d’éternel étudiant inutile, ait fini crucifié.]

27 Janvier 2019    [Ecce Homo I]
 

jeudi 24 janvier 2019

Im Behindertenparadies

Ich habe mit meinem todkranken Bruder noch Limburg besucht.
Die Menschen dort trugen grimmige Masken
Gesichter mag ich das nicht nennen.
Nur widerwillig haben sie dem Rollstuhl Platz gemacht
Dafür umso spontaner etwaige Türen vor der Nase zugeschlagen;
Allerdings gab es ausreichend Behindertentoiletten

Falls man den Schlüssel hatte.

So
Konnte man sicher sein, dass kein Unbefugter
Zuvor hineingeschissen hatte, von einem
Flüchtling, der sich nicht auskennt, ganz zu schweigen.

Dass es in Deutschland für die Behindertentoiletten
Einen speziellen Schlüssel gibt
Der das Vollscheißen seitens eines Behinderungslosen
____________________________________verunmöglicht
Muss mit der mangelnden Liebenswürdigkeit der
Bevölkerung zusammenhängen, sagte ich mir
Und sie merken es nicht einmal
In ihrem behinderten Paradies.

Mein todkranker Bruder hingegen
Registrierte das alles
Mit dem ihm eigenen ruhigen Humor.


Au paradis des handicapés

Peu de temps avant sa mort, j’ai encore
Visité avec mon frère la bonne ville de Limbourg.
Les gens là-bas portaient des masques de fureur
Je me refuse à appeler ça des visages.
Réticents à faire de la place pour la chaise roulante
D’autant plus spontanément nous ont-ils claqué d’éventuelles portes au nez ;
En revanche, il y avait foule de toilettes pour handicapés

Si l’on en avait la clé.

Ainsi
On pouvait être sûr qu’aucune personne non-autorisée
N’avait déféqué dedans auparavant
Sans parler de réfugié qui ne s’y connaîtrait pas.

Qu’il y ait en Allemagne pour les toilettes des handicapés
Une clé spéciale
Excluant que quelqu’un de bien-portant ne les conchie de son caca illicite
Doit être en relation
Avec l’absence d’aménité dans la population, me suis-je dit
Et ils ne s’en rendent même pas compte
Dans leur paradis handicapé.

Mon moribond de frère, quant à lui
Enregistrait tout cela
Sans se départir de l’humour tranquille qui le caractérisait.


24 Janvier 2019

mercredi 23 janvier 2019

Von der großen wilden wirklichen Liebe

Es gibt Menschen, die nehmen es mit der Liebe nicht ganz so tragisch, die vergleichen beispielsweise lieber Hintern, egal, ob in Hinblick auf eine Entscheidung oder nicht. Um Hintern zu vergleichen braucht man mehrere, vielleicht nicht gleichzeitig, aber wenigstens hinter-, oder vielmehr nacheinander. Gleichzeitig mehrere Hintern zu Vergleichszwecken vor sich zu haben ist das Höchste der Gefühle, kommt meines Wissens allerdings sehr viel häufiger in der beschränkten Pornosphäre oder dem streng kontrollierten Misswahluniversum vor als im großen wilden wirklichen Leben. Im großen wilden wirklichen Leben, wo es um die große wilde wirkliche Liebe geht, ist es kaum möglich, mehrere für das Geliebtwerden in Frage kommende Personen dazu zu bewegen, gleichzeitig und am Besten nebeneinander ihre Hintern zur Begutachtung frei zu geben, damit der unentschlossene Möchtegernliebhaber seine Gefühle danach ausrichten kann. Und der großen wilden wirklichen Liebe selbst wäre damit im Übrigen auch nicht geholfen. Nacheinander geht einfacher, man muss sich dann jedoch erinnern können, ein photographisches Gedächtnis wäre das Optimum.
Andere nehmen es mit der Liebe tragischer, da kommen zwar auch Hintern vor, stehen aber nicht so im Mittelpunkt. Und von Vergleichen keine Spur, die Gesäße sind dann allesamt angeblich einzigartig. Der Zug zum einzigartigen Hintern ist der petrarchische, ja danteske, quasi die Höchstform der Liebe, obschon, ich wiederhole mich, gleichzeitig mehrere Hintern vor sich aufgebaut oder gar, auf allen Vieren, herausgestreckt zum Vergleichen zu haben das Höchste der Gefühle wäre, und daran kann auch einer Beatrice oder Laura divino Popò nicht viel ändern, wir schwimmen in diesem Fall schon gewaltig in Richtung Boccaccio oder Novellino. Wenn sich dann einer entschiede, aus rein persönlichen Motiven heraus einem minder interessanten Hintern dennoch den Vorzug zu geben, wäre das ein Liebesbeweis ohnegleichen, beinahe noch aristokratischere, und ritterlichere, Empfindungstiefe verratend als das Verhalten derer, die es mit oder bei der Liebe insgesamt tragischer nehmen.

Ihr heiligen Ikonen habt euren Oklad
Der nur das hieratische Detail entblößt und alles Nebensächliche
Darum herum unter dem Harnisch falschen Goldes oder
____________________________getriebnen Silbers verhüllt.

So einen Schirm hätten unsere drei Grazien auch nötig
Denn sie sind keine gemalten, über die nur ein Paris urteilt
Während wir armen Voyeure bloß das Urteil beurteilen könnten

Sie sind aus Marmor und wir können sie umkreisen
Und weil kein Paris da ist, sind wir Lebendigen die Juroren, aber
___________________________________________keiner
Scheint die ihm übertragene Rolle beim Schönheitswettbewerb
__________________________________ausfüllen zu wollen.

Junge und Alte, Paare und Einzelne
Ein ganzes Theater, alle, zum Teufel, solidarisch
In der würdevollen Indifferenz des Museumsbesuchers

Schielen auf sie nur halb, von der Seite her, etwa blasiert
Von der Kunst oder kastriert durch den Respekt, den man einem
Vor der menschlichen Gattung und sogar ihrer Darstellung
______________________________________eingebläut hat.

Noch in ihrer Nacktheit scheinen uns diese steinernen Grazien
Zu hemmen, und dabei wär es weit vom vulgären Nachpfeifen __________________________________________entfernt
Wenn man sich, allzu menschlich, auf der Göttinnen Hintern
______________________________________konzentrierte.

Ein klein wenig Geilheit, meine Herrschaften! Doch
Leider lassen unsre heilgen Ikonen einen Oklad vermissen, es wär
______________________________________________zu
Schön, das werte Publikum zu zwingen, wohin genau den Blick zu
___________________________________________richten.

So bleibt mir nur, auf das Schülergrüppchen auszuweichen, das
_______________________________________eng gedrängt
Vorne im Saal zweifelsohne unabsichtlich sein paar Rückansichten
Darbietet. Nun, das ist alles, was gewonnen wurde.


Du grand et sauvage amour réel

Il y a des gens qui prennent l’amour pas trop au tragique, ils préfèrent comparer des culs par exemple, peu importe si c’est pour se décider ou pas. Or, pour comparer des culs, il en faut plusieurs, peut-être pas en même temps, mais au moins l’un après l’autre. Avoir en même temps plusieurs culs devant soi afin de les comparer est le rêve ultime, quasiment le ciel sur terre, mais d’après ce que je sais, ça se trouve infiniment plus souvent dans la sphère limitée du porno ou l’univers très contrôlé des élections de Miss que dans la grande et sauvage vie réelle. Dans la grande et sauvage vie réelle où il est affaire de grand et sauvage amour réel, il est difficilement possible de motiver plusieurs individus entrant en ligne de compte à présenter en même temps, et au mieux l’un à côté de l’autre, leurs derrières afin qu’un hypothétique amant puisse s’orienter sentimentalement. Puis, ça ne l’arrangerait même pas, le grand et sauvage amour réel. Successivement, c’est plus facile, mais il faut pouvoir se souvenir, l’idéal serait une mémoire photographique.
D’autres prennent l’amour davantage au tragique. Là aussi, il est certes question de cul, seulement ce point est moins central. On se refuse à comparer, prétendant que chaque cul est unique. La propension au cul unique est la forme suprême de l’amour, celle de Pétrarque, voire de Dante, bien que, et je me répète, le rêve ultime et ciel sur terre serait d’avoir plusieurs culs devant soi, peut-être même à quatre pattes, la croupe tendue, pour pouvoir les comparer, et même le divino popò d’une Béatrice ou Laure n’y change rien : c’est que nous nous dirigeons alors bigrement en direction du Boccace ou du Novellino. Si, dans cette perspective, quelqu’un se décidait à préfèrer malgré tout l’un des culs moins intéressants, ce serait là un signe d’amour incomparable, trahissant une conception de l’amour presque encore plus aristocratique, et chevaleresque, que le comportement de ceux qui prennent l’amour davantage au tragique.

Vous les saintes icônes avez votre oklad
Qui ne laisse à nu que l’hiératique détail, cachant tout
Le secondaire sous une armure de faux or ou d’argent au repoussé.

Un tel écran, nos trois grâces en auraient vivement besoin.
C’est qu’elles ne sont pas de ces peintes que seul Pâris peut juger
Tandis qu’à nous, il ne reste, pauvres voyeurs, que de juger le jugement

Elles sont de marbre et nous, on peut en faire le tour
Et en l’absence d’un Pâris, le jury c’est les vivants, seulement
Nul ne paraît avoir le cœur à remplir son rôle dans ce concours de beauté.

Jeunes et vieux, couples et solitaires
Un vrai cirque, et tous, ma foi, solidaires
Dans la digne indifférence du visiteur de musée

Les reluquent à peine, ou de côté, ou blasés
Devant l’art ou châtrés par le respect qu’on t’impose
Devant la race de tes semblables, et jusque sa représentation.

Ces grâces de marbre, même nues, doivent embarrasser
Et, pourtant, comme ce serait loin du vulgaire quolibet si, trop
Humains, nous ne nous concentrions rien que sur les fesses des déesses.

Un peu de lubricité, messieurs dames !
Hélas, ces saintes icônes n’ont pas leur oklad ;
Ce serait trop beau d’intimer au cher public où poser le regard.

Je me rabats alors sur un petit groupe scolaire qui, coude à coude
En rang serré dans la salle, expose certes sans faire exprès
Son tas de vues arrière. Voilà ce qu’on a gagné.

23 Janvier 2019

mardi 22 janvier 2019

Fahrradhauptstadt

Wir kennen hier eigentlich kein Dreckswetter. Selbst wenn der Winter es sich zu Herzen nimmt und ernst machen möchte, bis zum handfesten Dreckswetter traut er sich meist nicht. Die Lichterstadt nimmt ihm den Mut, sie bezähmt ihn. Er muss schon irgendwie von ihr beeindruckt sein, und so geht es auch den Einwohnern: Sogar diejenigen, die der Klapsmühle entronnen scheinen, spinnen gezähmt. Erstaunlich, wie selten doch Gewaltakte vorkommen bei aller latenten Aggressivität. Die Stadt hat schon ihren zivilisatorischen Einfluss, sie schützt, macht aber auch dünnhäutiger. Es ist wie seit der Abschaffung der Folter im Strafrecht. Was müssen wir früher für Kerle gewesen sein!

Unser gemeinsamer Lebensraum soll zur Fahrradhauptstadt
Werden, so will es unsere progressive Bürgermeisterin
Und da rauscht echt mal wieder einer ganz scharf
An mir vorbei, junger Knilch, Affenzahn
Mitten durch die Fußgängerzone.

Ja, Wendigkeit, Behendigkeit, Rausch, der missachten lässt
Dass es die Slalompfosten ganz leicht umhauen könnte
Vor lauter Schreck, und dann ist bei ungelenken
Altvordern schnell Krankenhaus fällig.

Ich ruf ihm nach, er hört es natürlich nicht
Unter seinen dicken weißen Kopfhörern.
Alles verboten, aber wir leben ja
Nicht im Polizeistaat
Und ich rede jetzt von Scheiß
Jugend und vom Endsieg der Reaktion.

[Schwächeln gehört zum Stärkeln wie das vermehrte Auftauchen von Jugenderinnerungen zum Altwerden. Schwächere Gedichte sind oft die stärkeren – falls von Stärkeren gelesen. Je stärker der Leser, desto schwächer darf das Gedicht sein, um ihm gleichwohl stark zu erscheinen, und umgekehrt. Schwächelnde Leser gehören jedoch auch dazu – gerade sie hat die Zivilisation stark gemacht – insofern diese Zivilisation der Natur scheinbar ihre Stärke nimmt, den Zivilisierten vergessen lassend, dass die Gezähmte nur ein klein wenig mit den Muskeln spielen muss und schon ist Naturkatastrophe. Tiger bleibt Tiger und Haustiger Haustiger, gerade und besonders bei der Literaturkritik.]


Capitale du vélo

Notre espace vital commun doit devenir la capitale du vélo
C’est ainsi que le souhaite notre mairesse progressiste
Et une fois de plus, l’un d’eux me touche presque
À tout berzingue, le jeune con, en
Pleine zone piétonne.

Oui, agilité, souplesse, dextérité, l’autre ivresse qui fait oublier
Que ça peut facilement faucher les poteaux de slalom
Épouvantés, et alors, pour ces aïeux rouillés
C’est vite séjour à l’hosto.

Je crie après lui, et bien sûr il ne m’entend pas
Sous ses énormes casques blancs.
Tout ça, c’est défendu, mais
On ne vit pas dans un état policier
Et je me mets à parler de jeunesse de
Merde et du triomphe final de la réaction.

21 Janvier 2019

lundi 21 janvier 2019

The Jig is Up


i.

[Ich habe das Thema schon mehr als einmal angesprochen, doch es fällt mir eben immer wieder auf: Es nähren sich so viele Gedichte namentlich bei den Deutschen vom Verreisen. Deutsche Dichter, so will es scheinen, verreisen gerne weit und pflegen hinterher darüber zu schreiben. Ich kann das kaum nachvollziehen, denn ich verreise sehr selten und bin auch früher wenig gereist. Kaum gereist, nur mehrfach umgezogen. Wenn ich in meiner Jugend aber einige Male umgezogen bin, dann nicht aus Reise- oder Umzugslust, sondern einzig und allein, weil ich herausbekommen wollte, wo das Leben erträglich war. Ich habe mir damals eine kleine Reihe großer Städte, oft sogenannte Weltmetropolen, ausgesucht, denn etwas anderes kam mir nicht in den Sinn, und als ich die Metropole, bei der ich meinte, dass man es in ihr aushalten kann, gefunden hatte, blieb ich dort. Fortan zog ich nur noch innerhalb von ihr um, es war stets auch eine Art von Abenteuer, die Viertel unterschieden sich. Für das Verreisen hatte ich deshalb keine Zeit und, um ehrlich zu sein, auch die Mittel nicht, denn an diesem von mir erwählten Ort hielt ich es zwar aus, doch mit groß Urlaubmachen war nicht mehr, alles zu teuer, nur noch kleinere Ausflüge kamen in Frage, fast nie über die Landesgrenzen hinaus. Das unterscheidet mich sehr von dem Heer deutscher Dichter, die weit herumgekommen sind. Leider ist das Verreisen aber ein Zeichen von Provinzialität, nicht von Weltgewandtheit. Weltgewandtheit hängt, wenn, dann mit Umziehen und Dableiben und Sicheinleben zusammen, nicht mit Verreisen.]

Some surely can but guess they can’t
Some do not even think about
Some know for sure while others doubt
Some wage fierce battles to have a ball
Some play to lose and and then must win
Some stand aside and others brawl
Some let the losers take it all
Some are without and some within –
And some cry uncle to my aunt.

[J’en ai déjà parlé plusieurs fois, mais c’est parce que je ne cesse de le constater : tant de poèmes, notamment allemands, se nourrissent de voyages. Les poètes allemands semblent aimer voyager, et voyager loin, puis écrire sur leurs voyages. J’ai du mal à le concevoir, car je ne voyage que rarement, et même avant je n’ai pas trop fait de tourisme. Je n’ai voyagé que peu, mais d’un temps à l’autre j’ai déménagé. Or, si j’ai déménagé plusieurs fois dans ma jeunesse, ce n’était nullement par envie, mais par la seule raison que je voulais savoir où la vie m’était supportable. Je me suis donc créé une petite liste de très grandes villes – je n’avais pas d’autre idée en tête – et lorsque j’eus trouvé la métropole dite mondiale qui me paraissait offrir les conditions recherchées, j’y suis resté. Dorénavant, je ne bougeais que de quartier en quartier, ce qui était aussi une sorte d’aventure dans la mesure où ces quartiers se différenciaient. Autrement, je n’avais plus le temps de voyager, ni le temps ni l’argent pour être honnête, puisque tout y était cher. Si j’y trouvais la vie à peu près supportable, je ne pouvais plus faire autre chose que de petites excursions, en général à l’intérieur du pays. En cela je me distingue donc assez de la foule des poètes allemands qui ont voyagé beaucoup et loin. Par malchance, l’envie de voyager est un signe de provincialisme et non de cosmopolitisme. Si le cosmopolitisme est lié à un truc, c’est le fait de déménager, de rester quelque part et d’y faire son trou, et non pas d’effectuer de grands voyages.]


ii.

[Les voyages les plus lointains que j’ai entrepris étaient en fait beaucoup moins des voyages que de brèves visites de famille. Si pour voir, par exemple, ton vieux père, il te faut faire pratiquement le tour du monde, ce n’est pas un voyage pour autant : une fois arrivé, tu passes ton temps dans un salon de vieux, façon Europe d’avant, pour causer arbre de généalogie. Un voyage dans le temps, ça oui, mais pas vraiment un voyage de chez voyage, le peu de tourisme de rigueur se limitant à des excursions dans les parages, durant une courte après-midi, celles qu’on peut faire avec une personne âgée sans trop la fatiguer. Pas très exotique tout ça.
En vrai touriste, je n’ai jamais poussé plus loin que Larache. Un peu de stress, mais là non plus, pas encore l’Afrique, des Arabes de rue comme ça, j’en trouve plein devant ma porte si j’arrête de faire gaffe.
Où suis-je allé ? À peine quelque pas hors de chez moi, sans pouvoir te dire où ça se trouve, mon chez-moi.]

Some keep their mouth when others rant
Some have no ears but hear them shout
Some buy the bull their betters spout
Some think too big and still too small
Some die in spring to rise in fall
Some seem part angel, some all sin
Some close the doors others rush in
Some are within and some without –
And some sow tares as garden plant.

[Die weitesten Reisen, die ich unternommen habe, waren tatsächlich sehr viel weniger Reisen als kurze Familienbesuche. Wenn du beispielsweise, nur weil du deinen alten Vater treffen möchtest, praktisch die Welt umrunden musst, ist das deshalb noch lange keine Reise : Einmal angekommen verbringst du die Zeit im Wohnzimmer eines Alten, vom Stil her vergangenes Europa, um über Stammbaumzeug zu quatschen. Eine Zeitreise, das ja, aber keine so richtig geographische. Das bisschen Tourismus, das sein muss, beschränkt sich auf kleine Nachmittagsausflüge in die Umgebung, solche, die man machen kann ohne einen alten Mann allzu sehr zu ermüden. Alles nicht so besonders exotisch.
Als echter Tourist bin ich nie weiter als Larache gekommen. Bisschen Stress, aber auch noch kein Afrika, die Spezies Straßenaraber finde ich massenhaft bei mir vor der Tür sobald ich nicht mehr aufpasse.
Nun, wo war ich? Nicht sehr weit weg von zu Hause, ohne sagen zu können, wo mein Zuhause eigentlich liegt.]


iii.

[Per Fahrrad kann man zwar nur schwer eine Weltreise machen, doch Drahtesel sind in Mode. Mein eigener Bezug zum Fahrrad ist allerdings in erster Linie ein historischer. Wieder einmal. Es ist ein Bezug zu einer mir unbekannten Dame, die mit Fahrrädern zu tun hatte, einer Mme Finet – ich erwähne den Namen gerne – von den ‚Cycles Finet‘, die, als das nötig wurde, meinen Großvater den Behörden hinterzog. Ob sie seine Freundin war – dieser Großvater hatte viele Freundinnen, darunter meine Großmutter – also Freundin oder bloß unbeglaubigte Gerechte umess ha-Ojlem, die womöglich eine ganze Armada solcher Typen hinterzogen hat, ist mir leider ebenfalls unbekannt, und es änderte auch nicht viel, denn irgendeinen triftigen Grund braucht es, um Leute, die dies plötzlich nötig haben, bei sich einzuquartieren. Ich weiß also nichts, rein gar nichts, über diese Frau. Nur, dass sie in Clermont-Fd, wo ich manchmal vorbeikomme, mit Fahrrädern zu tun hatte. Man mag sich vorstellen – und ich verfüge über die nötige Vorstellungskraft – wie dieser Großvater, wenn unangesagter Besuch klingelte, sich schnell ins Fahrradlager verzog und ganz hinten, bei den Schläuchen und anderen Ersatzteilen wartete, bis der wieder abgezogen war. Das ist, wenn man möchte, mein intimster Bezug zum in Mode gekommenen Fahrrad. Völlig abstrakt und doch gewissermaßen lebensnotwendig, ein bisschen wie meine theorielastigen Knüttelverse, auf die man sich auch nicht so leicht einen Reim machen kann.
Manche beneiden mich vielleicht um derartige Familiengeschichten, doch ich darf gleich hinzufügen: auch Wehrmachtsangehörige befinden unter meinen Vorfahren, und das verbindet hoffentlich wieder. Dass damit genug gesagt, oder die Sache, wie im Titel versprochen, aufgeflogen ist, will ich jetzt einfach einmal annehmen.]

Some surely should but say they shan’t
Some are like me, some like you
Some are like neither of us two
Some have no clue nor confidant
Some are more up and some more down
Some flush their secrets down the loo
Some think they can it have in brown
Some have the proudest ass in town –
And some their muchness way too scant.

[On ne saurait que difficilement faire le tour du monde à vélo, mais la petite reine est en vogue. Mon rapport personnel au vélo est, néanmoins – une fois de plus – en premier lieu historique. Il est en relation avec une dame qui m’est inconnue et qui avait affaire à des bicyclettes, une dénommée Mme Finet – j’aime bien la mentionner – des ‘Cycles Finet’, qui, lorsque le besoin s’en est fait sentir, a soustrait mon grand-père aux autorités. Hélas, j’ignore tout autant si elle était sa maîtresse – ce grand-père en avait plein, dont ma grand-mère – mais peu importe qu’elle ait été sa maîtresse ou juste une Juste oumès ha-oïlem non-certifiée, soustrayant une armada entière de ces types, car il faut toujours une raison valable pour admettre chez soi des gens qui tout à coup en ont besoin. Je ne sais donc rien, strictement rien sur cette femme, sauf qu’elle avait affaire à des vélos, à Clermont-Fd, une ville où je passe de temps à autre. On peut s’imaginer – et je possède le don nécessaire – que dès que quelques visiteurs inattendus sonnaient à la porte, ce grand-père se tirait sans tarder dans l’arrière-boutique et attendait là, tout au bout, entre les chambres à air et autres pièces détachées, jusqu’à ce que les personnes se fussent barrées. Voilà, si l’on veut bien, mon rapport le plus intime au vélo devenu à la mode. Complètement abstrait et pourtant existentiel, un peu comme mes mirlitonnades surchargées de théorie dont on peut parfois se demander à quoi elles riment.
Puisqu’il y en a peut-être qui m’envient de telles histoires familiales, je m’empresse d’ajouter que j’ai aussi des membres de la Wehrmacht parmi mes ancêtres, et cela les conciliera, j’espère. Qu’avec cela la messe soit dite, ou la chose – comme promis dans le titre – éventée, je me permets tout simplement de le présumer.]


January 19, 2019

dimanche 20 janvier 2019

Peu importe l’heure

Le bonheur ébouriffe les têtes
Mais le malheur aussi.
Ébouriffé de bonheur, ébouriffé de malheur –
L’image est identique, et presque aussi l’expression.
Bonheur de nuit, malheur de jour
Ou vice versa.
Seulement, faut en avoir, des cheveux. Tu parles !

Quand je vois de ces têtes ébouriffées
Je n’en sais donc pas grand-chose
Mais quand j’aperçois la mienne, dans la glace
Pas mal éclaircie, voire assez
Dégarnie par-dessus
Et pourtant toujours des plus bordéliques
J’en connais les raisons.

Autrui ne peut pas savoir
Les raisons se cachant
Dans le capharnaüm restant, puisque
Ce n’est pas avant qu’on ne soit devenu
Carrément chauve sur le plan moral
Que tout se mélange
Ou ne se mélange plus du tout.

Rase-toi la tête –
Le bonheur l’ébouriffera
Et le malheur, si ça se trouve, également.
Ébouriffé de bonheur, ébouriffé de malheur :
L’image est identique, et presque aussi l’expression.
Bonheur de nuit, malheur de jour
Ou vice versa
Peu importe l’heure.

18 Janvier 2019

samedi 19 janvier 2019

Fläschelchen

Höre ich durch den Schlaf hindurch ein Kind schreien
Frage ich mich kurz, ob es nicht mein eigenes ist
Doch das schreit schon lange nicht mehr
Ruft höchstens noch hin und wieder an.
Wenn ich dann das Licht anknipse
Sehe ich zuerst die kleine Flasche auf dem Nachttisch.
Ich fühle mich nicht krank, aber eine Phiole
Weist auf Krankheit hin
Wohl auf Alter und Krankheit
Und das beunruhigt mich.
Eine gesunde Reaktion, wirklich beunruhigend wäre es
Fiele mir Arzenei überhaupt nicht mehr auf.

Ich muss für alles Geld ausgeben
Nur diesen Trunk bekam ich praktisch geschenkt.
Hat die Kasse bezahlt, die Gesundheitskasse
Fläschelchen soll mir helfen
Doch noch erschreckt es mich
Wenn ich, aus dem Dunkel heraus, das Licht anknipse.
Eine Kleinigkeit, jedenfalls.
Etwa wie Kinderschreien.


Flaconnet

Lorsque j’entends les cris d’un enfant à travers mon sommeil
Je me demande brièvement si ce n’est pas le mien
Mais le mien, depuis longtemps il ne crie plus
Au grand maximum, il appelle d’un temps à l’autre.
Lorsque j’allume la lumière
Je vois d’abord la petite bouteille sur la table de nuit.
Je ne me sens pas malade, mais une fiole
Indique de la maladie
Elle est bien signe de vieillesse et maladie
Et cela m’inquiète.
Voilà une réaction saine, vraiment inquiétant serait
Si le remède, je ne le remarquais même plus.

Je dois dépenser de l’agent pour tout
Mais ce breuvage, je l’ai eu pratiquement gratos.
C’est la caisse qui a payé, la caisse de santé
Flaconnet doit m’aider
Et pourtant, cela m’effraye encore
Quand de mes ténèbres j’allume la lumière.
Un détail, en tout cas.
Quasi comme des cris d’enfant.

18 Janvier 2019

vendredi 18 janvier 2019

Du bâti ancien

[Si je lui dis que j’évolue dans du bâti ancien, ça ne lui dit rien. Eh ben oui, tu évolues dans du bâti ancien qu’il me dit, serait-ce décrépit ? Aurais-tu des fuites ? Souffrirais-tu d’un quelconque inconfort ? De saturnisme ? Je lui réponds que non, ce n’est pas ça, je n’ai aucun problème avec Saturne. – Donc tout va bien.
Il ne comprend rien, lui, il n’est pas Allemand. Les Allemands comprennent immédiatement.]

Lilliputien, tu te dis que
Les immeubles ont certainement, eux aussi, leur peer group
Et leur nationalité, ce sont là
Des valeurs communes de référence.
Leur nationalité dépend du lieu où ils se trouvent
Et leur groupe d’âge de l’année de construction.

Les immeubles sont là, certain lieu, certain âge
Exposés au temps
En pleine ville-champs
Et le temps reste nature sauvage.


Il est à peine croyable que la civilisation
Ait pu se développer au beau milieu de conditions
__________________________________météorologiques
Qui sont une épopée à elles seules
Qui sont du Homère, du chant des Nibelungen
Voire du combat de Titans
Qui sont éternels
Te dis-tu, tellement tu te sens petit, fragile, mortel.

Les monstres obscurs des nuages
Devant la vie, devant
Et bien autour du temps
Et dessus, éléments menaçants, sauvages


En pleine ville et néanmoins réduits à la fonction d’un décor
_________________________________________mobile :
Pour les jeunes immeubles qui ne connaissent pas encore la vie
Et apprendront l’amour plus tard, à leur courte adolescence
Pour les immeubles d’ici
Qui ont peut-être eu la chance de ne pas avoir été
Mobilisés pour faire la guerre aux immeubles de là-bas –
Tellement tout ça te dépasse, toi et ton pur présent, flâneur
Le long de tes brèves journées, lilliputien sous ces immeubles

Doutant que la pierre soit sage
Et sûre sous le vent
Qu’à la fin tu entends
Son lourd, son inquiétant message.


18 Janvier 2019